Bäder im Siebengebirge

Parkplatzschlacht und Schlangen an Freibädern

Siebengebirge. Der heiße Sommer treibt auch im Siebengebirge die Menschen in die Freibäder - mit den entsprechenden Folgen. Auf den Parkplätzen herrschen chaotische Zustände. Autos blockieren sich gegenseitig oder sogar Rettungswege.

Der heißeste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat auch den Freibädern im Siebengebirge rekordverdächtige Besucherzahlen beschert. Vor den Kassenhäuschen der Bäder in Königswinter, Oberpleis und auf der Insel Grafenwerth bildeten sich lange Schlangen, vor allem aber auf den Parkplätzen herrschten am Wochenende teils chaotische Zustände.

Mit 18.025 Besuchern in den ersten vier Wochen seit dem 1. Juni hatte das Lemmerz-Freibad fast dreimal so viele Badegäste wie vor einem Jahr. Im Juni 2018 hatten nur 6762 Personen das Bad am Oberweingartenweg aufgesucht. Erstaunlicherweise litten unter dem idealen Freibadwetter auch nicht die Zahlen des Hallenbades.

Laut Ingolf Pott, Geschäftsführer der Schwimmtreff gGmbH, die Betreiber beider Bäder ist, kamen hier ebenfalls 10.000 Besucher, Vereins- und Schulsport sowie Kindergeburtstage eingeschlossen. In der ersten Jahreshälfte wurden damit bereits 70.000 Badegäste registriert, 3000 mehr als kalkuliert. „Beide Bäder werden sehr gut angenommen“, sagt Pott.

Der Ansturm hat auch unangenehme Folgen. So wurde am Sonntag schon der Weg zum Freibad mitunter zur Tortur. Während rund um das Oberpleiser Strandbad Parkplatz und Straßen erst am Nachmittag komplett zugeparkt waren, gab es am Lemmerz-Freibad bereits am Sonntagvormittag so gut wie keinen freien Stellplatz mehr. Auch in Bad Honnef im Insel-Freibad nahm der Andrang kein Ende.

Von der Kasse in Königswinter etwa staute sich eine halbe Stunde nach Öffnung des Bads die Besucherschlange fast bis zum Parkplatz zurück. Zur Mittagszeit dann herrschte der Ausnahmezustand: Autofahrer parkten in dritter und vierter Reihe und blockierten sich gegenseitig; sie stellten ihre Wagen alternativ im absoluten Halteverbot entlang des Waldfriedhofs ab und blockierten so den abfahrenden wie den ankommenden Verkehr.

Schlangestehen für die Parkgebühren-Erstattung

Die langen Besucherschlangen führt Pott auch auf die Einführung der Gebührenpflicht auf dem Parkplatz im Juni zurück: Gegen Vorlage eines abtrennbaren Parkschein-Abschnitts erstatten die Mitarbeiter an der Freibadkasse den Besuchern die Hälfte der Gebühren umgehend zurück. Diese Kosten trägt die Stadt Königswinter.

„Das ist für unsere Mitarbeiter ein zusätzlicher Zeitfaktor“, so Pott. Und zwar nicht nur während des Badbetriebs, sondern auch im Anschluss. Am Abend müssten alle Tickets durchgezählt und in einer Statistik erfasst werden, damit der Schwimmtreff das Geld später von der Stadt zurückerhalte.

„Das ist die einzige Lösung, die uns auf die Schnelle eingefallen ist, damit die Freibadbesucher nicht so stark finanziell belastet werden“, sagte die städtische Dezernentin Heike Jüngling am Montag dem General-Anzeiger.

„Wir müssen uns permanent Unverschämtheiten anhören, weil die Leute meinen, dass wir die Parkgebühren erheben“, berichtete Pott. Dabei ist dafür die private Eigentümerin des Parkplatzes, die Gut Wintermühlenhof GbR, verantwortlich.

Nachdem sie den langjährigen Pachtvertrag mit der Stadt Königswinter nicht verlängert hat, kassiert sie Gebühren zwischen zwei und vier Euro je nach Parkdauer. Die Automaten wurden am 6. Juni aufgestellt, wenige Tage nach Beginn der Freibadsaison.

„Wir haben bisher noch keine negativen Rückmeldungen bekommen. Die neue Regelung ist von allen Seiten positiv aufgenommen worden“, sagte Eigentümerin Fiona Achenbach. Man sei in engem Kontakt mit dem Betreiber des Freibades und freue sich über die hohen Besucherzahlen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass der Parkplatz bei einem Wetter wie am Sonntag pickepackevoll ist.“

Wege für den Rettungsdienst sind dicht

Weil der Rettungsdienst wegen der am Oberweingartenweg abgestellten Fahrzeuge nicht mehr durchkam, informierten die Freibad-Betreiber am Sonntag Polizei und städtischen Ordnungsdienst. „Wir hatten kein Einsatzfahrzeug verfügbar“, teilte die Pressestelle der Polizei am Montag mit. Der Ordnungsdienst wurde aktiv.

Die Autofahrer wurden per Durchsagen im Freibad mehrmals aufgefordert, ihre Autos wegzufahren. „Auch nach der verschärften Durchsage standen immer noch neun von zunächst 25 Fahrzeugen im Halteverbot“, sagte Dezernentin Jüngling. Daraufhin seien Verwarnungsgelder verhängt worden.

Auch in Oberpleis parkten die Schwimmbadbesucher auf beiden Seiten der Dollendorfer Straße. „Das war nicht in Ordnung. Hier hätte man auch eingreifen können. Wir haben darauf jedoch verzichtet, weil nicht erkennbar war, dass der Rettungsdienst behindert worden wäre“, so Jüngling.

Auch in Bad Honnef sorgte das Wetter für einen Schwimmbad-Rekordbesuch und Parkplatznot, wie bereits am Wochenende zuvor. Beschwerden indes seien nicht bei der Stadt angekommen, sagte Hans-Joachim Lampe-Booms, Chef des Bäderbetriebes der Stadt. „Es verläuft sich möglicherweise etwas, da auch an der Endhaltestelle der Linie 66 geparkt wird.“ Dennoch machte man darauf, dass nicht etwa Gehwege zugeparkt würden.

Immerhin: Allein am vergangenen Wochenende hatte das Freizeitbad auf der Insel Grafenwerth 8494 Besucher. Im gesamten Monat Juni wurden an den Kassen insgesamt 32 540 Besucher gezählt, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage mit.