Cellitinnen feiern Jubiläum

Orden hat Kloster Heisterbach vor 100 Jahren übernommen

Heisterbach. Am 17. Juli jährt sich die Übernahme des Klosters Heisterbach durch die Cellitinnen zum 100. Mal. Das Jubiläum wird gebührend gefeiert - und eine Bronzestatue zur Erinnerung an die Verdienste der Ordensschwestern aufgestellt.

Ihr bestes Habit hatte Schwester Belina Müller angezogen, als die Ordensschwester am 17. Juli 1919 zusammen mit Schwester Dafrosa Kremer vom Mutterhaus der Cellitinnen in der Kölner Severinstraße in einem Lastwagen ins Siebengebirge fuhr, um das Kloster Heisterbach in Besitz zu nehmen. Sie wollte für den feierlichen Moment gerüstet sein. Die Ernüchterung folgte alsbald. Die feine Kleidung erwies sich als unpassend angesichts des ausgebrannten barocken Torbogens. Das Entree ins Klostergelände war mit Gras und Bäumen überwuchert. Auch der Anblick des verwahrlosten Hotels (heute Haus Heisterbach) war nicht besser.

Gut ein Jahr zuvor, am 1. Juni 1918, hatte die Genossenschaft der Cellitinnen Heisterbach für 490.000 Reichsmark erworben. Dazu gehörten 40 Morgen (ein "Morgen" entspricht 2500 Quadratmetern) innerhalb und 140 Morgen außerhalb der Klostermauern. Verkäufer war Prinz Bernhard zur Lippe, dessen Vorfahr Wilhelm Ernst Graf zur Lippe-Biesterfeld aus Oberkassel im Jahr 1820 bei einer Versteigerung am meisten Geld für den Klosterhof geboten hatte. Bis heute hat die Fürstenfamilie zur Lippe-Biesterfeld ein Bestattungsrecht in ihrem Mausoleum auf dem Gelände.

Nach der Niederlage Napoleons, der Heisterbach 1803 säkularisierte, war der Besitz 1815 zunächst an den preußischen Staat gefallen. Viel war da von der einstigen Pracht nicht mehr übrig. Die Gebäude waren zuvor zum Abbruch verkauft worden. So wurde zum Beispiel aus den Steinen der einst 85 Meter langen Abteikirche der Rhein-Maas-Kanal gebaut.

Nach dem ersten Schock begannen die Schwestern Belina und Dafrosa mit weiterer Verstärkung aus Köln zügig mit dem Wiederaufbau. Noch im selben Jahr wurde ein Saal im historischen Brauhaus als Kapelle geweiht. Nach 116 Jahren konnte daraufhin wieder die heilige Messe in Heisterbach gefeiert werden. Auch das im Jahr 1917 abgebrannte barocke Torhaus wurde restauriert. 1920 übernahmen die Schwestern ihren Gutshof in Eigenregie.

Hotel- und Kurbetrieb entwickelte sich

Sie bauten auf einer Fläche von 28 Hektar Kartoffeln, Getreide und Zuckerrüben an. Innerhalb der Klostermauern gab es auch Obst- und Gemüsegärten. Der Hotel- und Kurbetrieb entwickelte sich ebenfalls gut. Von der Straße aus wurde ein neuer Zugang zur Chorruine geschaffen und das für den Publikumsverkehr geöffnete Gelände vom Kloster abgetrennt. Die Cellitinnen hatten sich beim Kauf verpflichten müssen, innerhalb von drei Jahren ein Restaurant einzurichten und der Öffentlichkeit für den freien Zugang zur Kirche etwa 6.000 Quadratmeter zur Verfügung zu stellen.

Der Hotel- und Restaurationsbetrieb wurde komplett eingestellt, als das Kloster im Krieg zum Ausweichkrankenhaus wurde, nachdem eine Bombe in den Garten des Kölner Mutterhauses der Cellitinnen gefallen war. Nachdem 1943 auch noch das Mutterhaus selbst schwer getroffen wurde, verlegte die Genossenschaft Generalat und Noviziat nach Heisterbach. Neue Hauptaufgabe der Heisterbacher Schwestern war nun die Pflege der Kranken und die Ausbildung der Novizinnen. Ende 1945 lebten fast 100 Schwestern im Konvent.

1953 wurde der Grundstein für die neue Klosterkirche gelegt, die im April 1954 eingeweiht wurde. Das St. Bernhard Hospital, das 1941 provisorisch eingerichtet worden war, wurde 1971 auf behördliche Anordnung geschlossen, da es nicht mehr den hygienischen und baulichen Anforderungen entsprach. Es wurde in ein Altersheim umgewandelt. Anfang der 1970er Jahre wurde auf Initiative von Pfarrer Georg Kalckert die Sozialstation im Kloster gegründet, die dem Caritasverband unterstand. Seit 2015 werden die Menschen vom mobilen Pflegedienst der Marienborn gGmbH betreut.

Landwirtschaft aufgegeben

Die Landwirtschaft wurde 1976 aus Nachwuchsmangel und Rentabilitätsgründen aufgegeben. Die Felder wurden verpachtet. In den frei werdenden Gebäuden entstanden neben der Cafeteria auch Gästezimmer, womit der Kurbetrieb wieder aufgenommen wurde.

1984 verlegte die Genossenschaft das Noviziat von Heisterbach in den Konvent im Kölner Priesterseminar. Man hatte erkannt, dass die Abgeschiedenheit in Heisterbach für junge Schwestern eine Belastung darstellte. Das ehemalige Noviziatsgebäude diente fortan als Pflegestation des Altersheimes.

1984 wurde, erneut auf Initiative von Pfarrer Kalckert, die „Stiftung Abtei Heisterbach“ gegründet, an die die Genossenschaft die Nutzungsrechte des historischen Bestandes übergab. Die ehemalige Zehntscheune wurde der Stiftung als Kultur- und Begegnungsstätte zur Verfügung gestellt. Auf Initiative der Stiftung wurde die Klosterlandschaft Heisterbach auch im Rahmen der Regionale 2010 für fast sieben Millionen Euro in Wert gesetzt. Im ehemaligen Hotel errichtete der Verein „Bausteine für das Leben“ 1994 ein Hilfs- und Informationszentrum für Schwangere in Not.

15 Frauen mit ihren Kindern können dort vorübergehend wohnen. 2001 gab die Genossenschaft der Cellitinnen die Trägerschaft ihrer Einrichtungen an den neu gegründeten Verein „Stiftung der Cellitinnen“ ab, da der Orden aufgrund Nachwuchsmangels selbst nicht mehr aktiv Dienst am Nächsten tun konnte. Die Marienborn gGmbH, die eine Einrichtung der Stiftung der Cellitinnen ist, ist seit 2001 Betreiber des Altenheims Kloster Heisterbach, das bis zum Jahr 2014 aufwendig saniert und erweitert wurde.

1994 wohnten noch 32 Schwestern in Heisterbach. 2008 wurde der große Schwesternkonvent dann jedoch aufgelöst. In einem Kleinkonvent leben heute nur noch drei indische Ordensschwestern auf dem Klostergelände und arbeiten in der Seelsorge und der Betreuung der Altersheimbewohner. Die besondere Bedeutung von Heisterbach für den Orden der Cellitinnen lässt sich daran ablesen, dass die höchste aller Cellitinnen, Schwester Prema, den Orden bis zum 19. Dezember 2018 von Heisterbach aus leitete. Anlässlich des 180-jährigen Ordensbestehens kehrte sie dann jedoch ins renovierte Mutterhaus nach Köln zurück.