Ein Tag rund um den Apfel

Obstwiesenfest in Uthweiler

KÖNIGSWINTER-UTHWEILER. Beim ersten Obstwiesenfest von „Chance 7“ und den neu ausgebildeten Obstbaumwarten in Uthweiler drehte sich alles um süße Früchte von alten Bäumen.

Das Rheinische Seidenhemdchen sieht gut aus und schmückt ungemein – jeden Garten. Denn was nach zarter Stoffhülle für die Damenwelt klingt, ist vielmehr ein knackiges Früchtchen, das 2016 in Nordrhein-Westfalen vom Pomologen-Verein sogar zur Obstsorte des Jahres gekürt wurde. Beim ersten Obstwiesenfest in der Baumschule Neuenfels in Uthweiler wurde dieser Apfel nun ebenso vorgestellt wie viele andere Sorten auch. Dafür sorgte das Naturschutzgroßprojekt „Chance 7“ des Rhein-Sieg-Kreises und dessen Obstbaumwarte, die gemeinsam in Zusammenarbeit mit Familie Neuenfels ein buntes Programm auf dem Gelände des 1898 gegründeten Unternehmens boten.

Den Besuchern viel Spaß wünschten Vizelandrat Sebastian Hartmann, Königswinters Bürgermeister Peter Wirtz und „Chance 7“-Leiter Georg Persch zum Auftakt. „Wer eine Obstwiese hat, findet hier seine Ansprechpartner“, so „Chance 7“-Projektleiter Ralf Badtke. 30 Obstbaumwarte wurden über dieses Naturschutzprojekt ausgebildet, die ehrenamtlich kreisweit alte und neu angepflanzte Bestände pflegen sollen. 2018 werden weitere 45 Interessenten für diese Aufgabe fitgemacht. Denn: „Der Rhein-Sieg-Kreis ist der streuobstreichste Landkreis in NRW, aber mit sinkender Tendenz, weil die Bäume überaltert sind oder unter mangelnder Pflege leiden“, erläuterte Badtke.

Ein Birnbaum kann 200 Jahre werden

„Dabei sind diese alten hochstämmigen Bäume ökologisch besonders wertvoll“, unterstrich Diplom-Biologin Barbara Bouillon am Stand der Biologischen Station Eitorf. „Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es circa 1200 Streuobstwiesen mit etwa 93.000 Hochstämmen. Ein Birnbaum kann 200, ein Apfelbaum 100 Jahre alt werden. Wir möchten die genetische Vielfalt der Obstsorten, den ökologischen Wert der Streuobstwiesen und das abwechslungsreiche Landschaftsbild unserer Region erhalten.“ 164 Apfelsorten, 35 Birnensorten und eine Mispel stellte sie vor – ob grün, gelb, mit roten Wangen oder auch marmoriert in leuchtendem Orangerot wie das Rheinische Seidenhemdchen. „Die Leute kennen nur Elstar, aber nicht die alten Sorten“, bedauerte Bouillon.

Am Stand der Obstbaumwarte, die unter dem Namen „Natürlich Streuobst!“, firmieren, konnten die Besucher von den Kostproben naschen und Äpfel nach ihrem Geschmack kaufen. Hier gab es etwa den Roten Bellefleur oder den Gravensteiner. Corinna Klein, Obstbaumwartin aus Windeck-Gerressen, beriet die Kunden. „Ich bin von Köln aufs Land gezogen und kam auf diese Weise zu einem Grundstück mit vielen alten, aber ungepflegten Bäumen. Ich möchte erhalten, was mich umgibt“, nannte sie ihre Intention, sich zur Obstbaumwartin ausbilden zu lassen. „Ich finde es wunderbar, das Wissen weiterzugeben und die Landschaft zu erhalten.“

Alte Apfelsorten erhalten

Klaus Müller aus Buchholz möchte Obstbäume in seinem Garten pflanzen. Das Faltblatt mit dem Steckbrief zu Kaiser Wilhelm und ein Versuchsapfel machten seine Entscheidung klar: Die royale Apfelsorte soll es werden. Dagmar und Paul Fuhrmann aus Ittenbach hatten Fragen zum Schnitt ihrer Apfelbäume. Vor zwei Jahren hatten sie alte Sorten angepflanzt. „Hier haben wir eine gute Beratung.“ Die Obstbaumwarte führten auch Baum-Schnitte vor. Corinna Klein: „Die alten Sorten brauchen Zeit zum Wachsen und Tragen. Manche sägen ihren Baum nach vier Jahren enttäuscht ab.“ Ein Rheinbreitbacher nutzte das Fest, um alte Sorten zu schmecken, die er aus seiner Kindheit kannte. Und: Ihn interessierten Infos zur Neuanpflanzung, die er auf einem einstigen Obstanbaugebiet in Rheinbreitbach in Erwägung zieht.

Am Saftmobil konnten Besucher ihre mitgebrachten Äpfel ausquetschen lassen. Besonders Kinder zog es zum Schaupressen bei Obstbaumwart Alexander Weisner. Und: Wie sich die Literatur dem Thema „Obst“ nähert, machten Mitglieder des Literaturcafés Troisdorf bei ihrer „Obst-Lesung“ deutlich.