Trickbetrug im Siebengebirge

Oberdollendorf ist Hotspot für falsche Polizisten

Siebengebirge. Die Bonner Polizei registriert immer mehr Fälle der dreisten Betrugsmasche. Im Königswinterer Ortsteil Oberdollendorf telefonierten die Gauner sogar systematisch ganze Straßenzüge ab.

Mit immer größerer Dreistigkeit versuchen Trickbetrüger, ältere Menschen um Ersparnisse und Wertsachen zu bringen, indem sie sich am Telefon als Polizisten ausgeben. Hotspot dieser Masche ist Königswinter-Oberdollendorf, wo in diesem Jahr schon 50 Taten registriert wurden.

Am Donnerstag war die Bonner Polizei dort mit einer großen Aufklärungskampagne auf dem dm-Parkplatz am Proffenweg und in einzelnen Straßen aktiv.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Bereits im vergangenen Jahr wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Bonn, zu dem Bad Honnef und Königswinter gehören, 740 Betrugsfälle registriert, bei denen ältere Menschen als Opfer ausgeguckt worden waren.

Dazu zählen der Enkeltrick und der falsche Polizist. Das waren dreimal so viele Taten wie 2017. In 14 Fällen waren die Betrüger erfolgreich. In diesem Jahr, das erst acht Wochen alt ist, wurden bereits rund 700 Anrufe gezählt.

Nur drei waren erfolgreich, was Polizeisprecher Robert Scholten auf die gute Aufklärungsarbeit und die Informiertheit der Zielgruppe zurückführt. Allerdings habe es sich dabei um Schäden von mehreren Zehntausend Euro gehandelt. Allein in dieser Woche seien es schon etwa 200 Betrugsversuche gewesen.

Hohe Dunkelziffer

Die Dunkelziffer dürfte dabei weitaus höher liegen, so Scholten. Viele Opfer würden sich aus Schamgefühl nicht melden. Die Spur zu den Tätern führe oft zu türkischen Callcentern. Erst am Mittwoch hatte die Kölner Polizei einen 30-jährigen Bonner festgenommen, der im Verdacht steht, sich als Polizist ausgegeben zu haben.

Wie berichtet, soll er Geldbeträge im sechsstelligen Bereich verwaltet haben, die von Senioren in Telefonaten durch Callcenter in der Türkei erbeuten wurden. „In diesem Jahr sind fast ausschließlich falsche Polizisten unterwegs“, sagte Scholten – der Enkeltrick kommt kaum noch vor.

Ein deutlicher Schwerpunkt liege in Oberdollendorf, wo von den Trickbetrügern ganze Straßenzüge abtelefoniert würden. Dabei liefe ein typischer Betrugsversuch so ab: Die Täter suchen aus dem Telefonbuch Namen, die nach älteren Menschen klingen. Bei den Anrufen erscheint dann oft der Notruf der Polizei, die 110, um die Opfer in Sicherheit zu wiegen.

Opfer sollen Wertsachen und Geld aushändigen

Die Täter berichten von Einbrüchen in der Nachbarschaft und behaupten, dass auch bei den Angerufenen eingebrochen werden soll. Deshalb sollten sie vorsichtshalber Wertsachen und Bargeld aushändigen. Zum Teil begleiten sie die Opfer sogar zum Bankschließfach.

„Der Parkplatz eignet sich sehr gut für unsere Aktion“, sagte Scholten während der Informationsaktion in Oberdollendorf. Hier treffe man Menschen in mittlerem Alter mit ihren Eltern an, die um die 80 und damit die richtige Zielgruppe seien.

Die Passanten reagierten meist sehr positiv auf die Kampagne. „Die Menschen sind sehr, sehr dankbar. Viele wussten noch nichts von dem Phänomen“, sagte Carsten Schäfer vom zuständigen Kommissariat. Die geringe Erfolgsquote der Betrüger führt auch er auf die Aufklärung zurück. Scholten: „Wir wollen ins Bewusstsein der Menschen eindringen. Der Schutz der Senioren, die zu den Schwächeren in der Gesellschaft gehören, ist uns ein echtes Anliegen.“