Lesung im Atelier Meerkatze

Nur beim Sonett sind sie sich uneins

Schlagabtausch in lyrischer Form: Axel Wendelberger (Mitte) vom Atelier Meerkatze begrüßte Kurt Volkert (l.) und Dieter Ditscheid.

Schlagabtausch in lyrischer Form: Axel Wendelberger (Mitte) vom Atelier Meerkatze begrüßte Kurt Volkert (l.) und Dieter Ditscheid.

13.04.2015 KÖNIGSWINTER. Dass Kurt Volkert malen und schreiben kann - das wissen die Besucher des Ateliers Meerkatze nach seinen Ausstellungen und spätestens seit der Lesung aus seinem Buch "Zwischenlandungen". Jetzt überraschte er das Publikum in der voll besetzten "Meerkatze" aber auch als Dichter - im Duett mit Dieter Ditscheid.

Passend zum Titel ihres ersten gemeinsamen Büchleins hatten sie den Abend unter das Motto "Hawedere - Lyrische Irritationen von Kurt und dede" gestellt. Seit Herbst des vergangenen Jahres führen die beiden den lyrischen Dialog. Kurt Volkert: "Dieter Ditscheids Gedichte begleiten mich schon länger. Der einfühlsame Wortschmied widmet sich in seiner Lyrik einer großen und abwechslungsreichen Thematik.

Er meistert die Kunst, unter anderem Lebens- und Gemütslagen schnörkellos in dichterischer Form darzustellen." Eines von Ditscheids Gedichten provozierte Volkert geradezu zu einer Erwiderung. Seine Antwort kam ungeplant in dichterischer Form. Von "dede" ermutigt, ging es weiter zu anderen Themen, so dass in wenigen Monaten so viel "Munition" vorlag, um daraus schon ein Buch zu machen.

Das Publikum hatte eine Menge Spaß. Ob nun beim anrührenden Blick auf die Ehefrauen der Dichter, Gisela Volkert und Gusti Ditscheid, oder aber aufs Ei. Bei Kurt Volkert wurde es eine "Ode an das Frühstücksei". Er dichtete: "Das Frühstücksei, das ist so köstlich, man kriegt's serviert in aller Welt, ob südlich, westlich, nördlich, östlich! Auf meinen Reisen hab' ich's überall bestellt." Und "dede" antwortete: "Als Student hoab i Eia gessen, gerührt, gebraten, auch gekocht, dann bin ich Ärzten aufgesessen und hab' sie 'drauf nicht mehr gemocht."

Einvernehmen beim Ei. Aber wie war das beim Sonett, eine Dichtform, die Dieter Ditscheid verehrt? Volkert: "Sie kam mir anfangs etwas befremdlich vor." Nachdem "dede" dem Neu-Dichter ein Sonett von Goethe geschickt hatte, dichtete der zurück: "Net so, net so, der Herr. Ich tu' mich schwer mit dem Sonett. Ich seh' den Zwang nicht ein. Lyrik darf nie gefangen sein in 'nem semantischen Korsett."

Themen waren darüber hinaus auch der Herbst, moderne Zeiten oder Hoffnung. Kurt Volkert, Jahrgang 1936, sagte: "Ich verdanke Dieter Ditscheid, dass er mir neue Wege in der Kunst zeigte." Der 15 Jahre jüngere Ditscheid stammt aus dem Westerwald und ist sehr vielseitig. Er studierte Architektur, Musikwissenschaft, Philosophie, Kunstgeschichte.

Der selbstständige Architekt war etliche Jahre Dozent an der Musikschule Königswinter. Und mit Prosa beschäftigt er sich bereits seit 1973. Zu dem Zeitpunkt sendete Volkert für den amerikanischen Nachrichtensender CBS News noch Reportagen aus den Krisenherden der Welt. (oro)