Drachenfels

Nibelungenhalle wurde vor 100 Jahren eingeweiht

Aus heutiger Sicht monströs, vor 100 Jahren hochmodern: Die Nibelungenhalle, ein Entwurf des späten Jugendstils. Inzwischen ist sie als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung anerkannt.

Königswinter. Die Herren der Richard-Wagner-Gesellschaft im feinen Zwirn, die Damen in knöchellangen, festlichen Kleidern. Heute vor 100 Jahren wurde die Nibelungenhalle am Drachenfels feierlich eingeweiht.

Seit dem 28. Juni 1913 ist der walhallaartige Kuppelbau Blickfang von Millionen von Besuchern. Heute und morgen wird dort Jubiläum gefeiert mit vielen Attraktionen.

Der Maler Hermann Hendrich initiierte den Bau dieses Tempels und konnte die Berliner Richard-Wagner-Gesellschaft als Geldgeber für dieses Projekt gewinnen. Der Künstler hatte zuvor bereits die Walpurgishalle im Harz und die Riesengebirgshalle in Schlesien errichten lassen. Aber die waren rechteckig. Am Drachenfels entstand ein imposanter Kuppelbau.

Eigentlich sollte er bereits am 22. Mai fertig sein - zum 100. Geburtstag des Komponisten Wagner. Aber das war dann doch nicht mehr zu schaffen. Denn erst am 7. Januar 1913 waren die Bauarbeiten auf dem Platz zwischen Kucksteinhof und Zahnradbahn-Trasse gestartet. Esel transportierten das Material.

Von Kränen etwa war nicht die Rede. Bautechnisch läuteten die Architekten Werner Berendt und Hans Meier dennoch eine Revolution ein. Die Kuppelkonstruktion aus Eisenbeton, die in sechs Schichten gegossen wurde, war Neuland. Eine Innenkuppel entstand dabei mit farbigen Bleiglasfenstern, die mit den zwölf Symbolen des Tierkreises geschmückt waren. In der oberen Kuppelhälfte wurden zwölf ovale Außenfenster eingelassen.

Zugrunde lag ein kompliziertes Lichtkonzept. Die Buntglasfenster sorgten für eine gedämpfte Raumatmosphäre. Der Trick: Die Blicke der Betrachter wurden so in die helleren, weil mit Oberlichten versehenen Gemäldenischen gelenkt. So kamen die großformatigen Ölbilder von Hermann Hendrich, auf denen er das Geschehen aus Wagners Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen" darstellt, besonders zur Geltung.

Übrigens stellten am Bau Unternehmen aus der Region ihr Können unter Beweis. Die Bonner Eisenbeton- und Betonindustrie GmbH erstellte sämtliche Konstruktionen von Kuppel über Vorhalle bis zu Säulen und Decken. Eine Pioniertat. Die Firma Joh. Lemmerz-Sohn besorgte die Schlosser- und Kunstschmiedearbeiten, die Mittelrheinische Kunstglaserei Honnef war ebenfalls hier am Werk.

Das Besondere: Unter dieser Kuppel werden gleich drei Aspekte bedient. Die Nibelungenhalle ist Kunsthalle, sie ist Gedächtnishalle für Richard Wagner mit der Aufforderung "Ehrt Eure Deutschen Meister!", sie ist Weihestätte mit vielen Zitaten aus der germanischen Götterwelt. Und über allem blinkt in der Kuppel der Sternenhimmel. Richard Wagner, der im Sommer 1862 mit Freunden den Drachenfels bestieg, jenen Berg, an dem Siegfried der Sage nach den Drachen getötet und in dessen Blut gebadet haben soll, hätte wohl seine Freude daran gehabt.

Vor der Halle stehend, können die Besucher zunächst die reichen Stein- und Kunstschmiedearbeiten an der Hülle des Bauwerks und das monumentale Portal studieren. Sie behandeln das Nibelungen-Thema mit den vom heimischen Bildhauer Franz-Josef Krings als Halbreliefs gestalteten Göttern Wotan und Loki, den Riesen Fasolt und Fafner sowie den Helden Hagen und Siegfried an den Strebepfeilern, mit den Zwergen, die das Nibelungengold verarbeiten, mit Schlangen und Drachen.

Im Jubiläumsjahr kündigen sich neue Ereignisse an. Die am Ende des Jugendstils, beim Übergang zur Art déco entstandene Halle wurde in das Förderprogramm für Kulturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen. Bund, Land und Deutsche Stiftung für Denkmalschutz beteiligen sich finanziell an der dringend nötigen Sanierung, die Inhaberin Marlies Blumenthal nun in Angriff nimmt. Ein Wunsch bleibt noch: dass sich Paten finden für die wieder zu errichtenden Bleiglasfenster.