Kurt Volkert stellt in Königswinter sein Buch "Zwischenlandungen" vor

Neun Kollegen starben in Kambodscha

Im gemütlichen Bambussessel aus Bangkok: Kurt Volkert daheim in Oberdollendorf.

Im gemütlichen Bambussessel aus Bangkok: Kurt Volkert daheim in Oberdollendorf.

KÖNIGSWINTER. Das Lob stand in der Zeitschrift "The New Yorker": Kurt Volkert, "der Mann, der die Kamera gehalten und bedient hat", sei einer der besten Journalisten des Vietnam-Krieges gewesen.

Kurt Volkert war an einigen Brennpunkten der Welt, bis er 1993 nach Königswinter zog und ein neues Kapitel aufschlug.

Mit seiner Frau Gisela erwarb er ein marodes Fachwerkhaus in der Altstadt, das die beiden sorgsam restaurierten. Als "Atelier Meerkatze" entwickelte es sich zu einem beliebten Treffpunkt und Ausstellungsort.

Der Mann mit der Kamera hatte im Ruhestand ein neues Feld für sich entdeckt: das Malen. Träumt er manchmal von seinen Erlebnissen an vorderster Front in Kriegs- und Krisengebieten? "Nein", antwortet Kurt Volkert und wiegelt sogleich bescheiden das positive Urteil ab: "Andere haben unter Feuer auch gute Fotos gemacht und gute Filme gedreht."

Er sitzt im bequemen Bambusrohrsessel in seinem Haus in Oberdollendorf. In Bangkok hatte das junge Ehepaar Volkert seinerzeit diese Möbel gekauft. "Davon können wir uns nicht trennen." So präsent wie diese Stücke sind auch die Erinnerungen. Kurt Volkert hat jetzt ein Buch geschrieben. Unter dem Titel "Zwischenlandungen" schrieb er "Geschichten von unterwegs und daheim" auf.

Der 78-Jährige verfügt über ein blendendes Gedächtnis. Er hat nie Tagebuch geführt - bis auf jene Zeit, als er sich in Kambodscha auf die Suche nach den sterblichen Überresten seiner Kollegen begab.

 Im Mai 1970 hatten die Roten Khmer an einem Tag neun Journalisten brutal ermordet. Erst viele Jahre später konnte Volkert diese tragischen Ereignisse aufklären und mit einem Ausgrabungsteam die Opfer bergen.

Nur durch einen Zufall war er damals nicht im Team des amerikanischen Nachrichtensenders CBS News, dessen Expedition auf der Suche nach einer Geschichte in die Katastrophe führte. Volkert wartete in seinem Hotel vergeblich auf die Kameraden.

20 Millionen Zuschauer erreichte Kurt Volkert damals mit seinen Reportagen. "Es herrschte eine harter Konkurrenzkampf unter den Sendern."

Er trauert dieser Epoche nicht nach. "Es war ein Lebensabschnitt - mit allen guten und allen negativen Seiten." Sein Ding war es auch nicht, danach im Korrespondenten-Club in Hongkong herumzuhängen und "Weißt-Du-noch"-Geschichten aufzuwärmen. Hatte er Glück? "Ich bin überall so reingestolpert", sagt Volkert, der vom Bruder eines Army-Kameraden den Tipp erhielt, sich bei CBS vorzustellen.

Er bekam den Job, aus dem Stand. Der kleine Aufschub zum Heiraten wurde ihm gewährt. Im März 1967 trat Kurt Volkert seinen Dienst in Saigon an.

"Beim WDR wäre ich nicht mal durch die Vordertür gekommen", scherzt er. "Fünf Jahre war ich in Asien, meist in Vietnam, auch in Bangkok und in Tokio." Stempel aus seinem Pass sind auf dem Buchumschlag abgebildet.

Und zwischen den Leinendeckeln finden sich auf 300 Seiten Kurzgeschichten, die unter Beweis stellen, dass Kurt Volkert nicht nur ein ausgezeichneter Kameramann und guter Beobachter war, sondern auch hervorragend zu schreiben versteht.

Oft mit einem Augenzwinkern. Der Leser erfährt, wie das Leben eines Kriegsreporters ablief. Da ist etwa die Geschichte von "Boom-Boom" Ri, seinem vietnamesischen Tontechniker, einem tapferen Mann, "viel tapferer als ich".

Kurt Volkert erinnert an Kollegen wie den zweifachen Pulitzer-Preisträger Horst Faas oder an seinen Freund Bert Quint. Er erzählt, wie er sich von der auf dem Züricher Bahnhof wartenden Journalistenmeute entfernt und Alexander Solschenizyn bereits Stationen vorher im Zug abpasst, den wütenden russischen Dichter filmt und als Erster bei der Ankunft die Tür öffnet. Am liebsten ist ihm aber die (fast unglaubliche) Geschichte von der schwarzen Katze in Rom.

Am Donnerstag, 18. Dezember, 19 Uhr, wird Kurt Volkert sein Buch im Atelier "Meerkatze", Meerkatzstraße 2, vorstellen. Dieter Dittscheid liest daraus.

Zur Person

Kurt Volkert wurde 1936 in Roth bei Nürnberg geboren. Mit 20 wanderte er zu seinem Onkel nach Amerika aus, meldete sich freiwillig zur US-Army, um zur Nachrichtentruppe zu gelangen, und wurde Kameramann.

Bei einem Dreh über Schneelawinen lernte er seine Frau Gisela aus Düsseldorf kennen, die er 1967 heiratete. Als Kameramann bei CBS News und berichtete er aus aller Welt.

Zwischen 1985 bis 1993 brach Kurt Volkert von Rom aus zur Berichterstattung im Nahen Osten, Afrika und Europa auf. Danach zog er nach Königswinter.

Gedichte statt Frontberichte

Auf Seite eins des Buchs steht ein Beruhigungs-Brief aus Saigon an Volkerts frisch angetraute Ehefrau:

"Berichterstatter ist ein wichtiger Beruf, wenn man auch manchmal Angst dabei hat. Eines habe ich gelernt, dass ich immer das Schöne lieben werde, die Ruhe, die Musik, Blumen, die noch nicht abgeschnitten sind." Gerade hat der Autor etwas neues Schönes entdeckt: Gedichte schreiben.

Heute wäre er ungern Kriegsreporter. "Die Welt hat sich verschlechtert. Sie ist unübersichtlich geworden. Es gibt neue Kräfte wie die ISIS, es ist ein Krieg ohne Spielregeln."