Torten im alten Wartesaal

Neues Café eröffnet im Königswinterer Bahnhof

Sarah (l.) und Aileen Schell freuen sich auf die ersten Gäste im alten Wartesaal. FOTOS: FRANK HOMANN

Sarah (l.) und Aileen Schell freuen sich auf die ersten Gäste im alten Wartesaal. FOTOS: FRANK HOMANN

Königswinter. Im sanierten Königswinterer Bahnhof eröffnet am 23. Juni ein Café mit Konditorei. Die Gesamtinvestition liegt bei zwei Millionen Euro.

Die Handwerker im Königswinterer Bahnhof haben zurzeit alle Hände voll zu tun. Zum einen ist noch einiges zu tun bis zur Eröffnung von „Sarahs Café und Konditorei“ am Sonntag, 23. Juni, um 9 Uhr. Zum anderen haben sie häufig eine Kaffeetasse in der Hand. Sarah und Aileen Schell, die künftig zusammen mit ihrer Mutter im alten Wartesaal Regie führen werden, müssen schließlich die neue High-Tech-Kaffeemaschine ausprobieren, die in den letzten Tagen geliefert worden ist.

„Wir freuen uns jeden Tag, wie das Café immer mehr Gestalt annimmt“, sagt Aileen Schell. Ihr Vater Oliver hatte den Bahnhof im April 2017 der LBB-Immobilien abgekauft. Das Hennefer Unternehmen hatte das Gebäude fünf Jahre zuvor von der Stadt Königswinter erworben, die eigenen Pläne für eine Gastronomie später jedoch aufgegeben. Die Familie Schell hat laut Oliver Schell fast zwei Millionen Euro in das Objekt gesteckt, den Kaufpreis inklusive, und hofft, dass das neue Angebot von Touristen und Einheimischen gleichermaßen angenommen wird.

Im Oktober 2018 begann die Grundsanierung des Bahnhofs. Und auch wenn noch einige Restarbeiten zu erledigen sind, ist von dem „kleinen Trümmerhaufen“, wie die Schells ihr Eigentum vor der Sanierung getauft hatten, nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil: Die Bereiche für die Gäste sind ebenso ansehnlich wie die insgesamt neun kleinen Räume hinter den Kulissen, die der normale Gast nicht zu sehen bekommt. Da gibt es ein Trockenlager, einen Kühlraum, eine Küche zum Herrichten von herzhaften Speisen, eine Spülküche, um Geschirr und Backutensilien zu säubern, und als Zentralen der Produktion eine glutenfreie Backstube und eine nicht glutenfreie Backstube mit einem großen Backofen. „Wir haben ja den Platz, um die beiden Bereiche komplett zu trennen“, sagt Sarah Schell.

Schallschutzfenster sorgen für Ruhe

500 Quadratmeter stehen im Erdgeschoss zur Verfügung. Allein 140 Quadratmeter groß ist der frühere alte Wartesaal, den man von der Bahnhofsallee oder auch vom Bahnsteig aus betreten kann. Zum Glück haben die Denkmalschützer darauf bestanden, dass das große bunte Glasfenster mit Königswinterer Motiven an seinem Originalplatz zur Bahnhofsallee geblieben ist. „Wir hatten zunächst befürchtet, dass das Fenster uns zu viel Licht nimmt. Im Nachhinein ist das aber eine gute Entscheidung“, sagt Aileen Schell. Das Fenster steht ebenso unter Denkmalschutz wie die Fliesen, die in den Sitzbereichen jetzt durch einen Holzboden bedeckt werden. Schließlich sitzt man nicht mehr in einem Wartesaal, sondern in einem gemütlichen Café. Die Züge donnern auch nicht mehr vorbei wie früher. Hinter den neuen Schallschutzfenstern ist das Geräusch gut zu ertragen.

An der Theke darf der Gast zwischen einem großen Angebot an Torten und Kuchen wählen. Natürlich kann man die süßen Verführungen auch mit nach Hause nehmen. Zusätzlich gibt es ein Angebot an belegten Brötchen, wobei die Backwaren von der Bäckerei Gilgens geliefert werden. Auch Frühstück und kleine Mittagsgerichte bekommt man im Café, das wochentags bereits um 7 Uhr öffnet. Nur mittwochs ist Ruhetag.

Wer nicht im Wartesaal sitzen möchte, kann auch in Sesseln im benachbarten Kaminzimmer oder in der Lounge Platz nehmen. Oder aber im Außenbereich an der Bahnhofsallee, wo weitere 60 Plätze zur Verfügung stehen – mit Blick auf den Drachenfels. Dort, wo früher die Bahnhofsgaststätte war, befindet sich jetzt der rund 80 Quadratmeter große Eventraum mit separatem Eingang, den man für private Feiern mieten kann.

Die Familie Schell erfüllt sich mit dem eigenen Café einen Lebenstraum. Mutter Hedwig machte vor 30 Jahren eine Ausbildung zur Konditorin, Tochter Sarah (22) absolvierte ein triales Studium zur Konditormeisterin, ihre Schwester Aileen (24) studierte Handelsmanagement und wird sowohl im Büro als auch in der Backstube tätig sein. „Uns allen gemeinsam ist, dass wir für unser Leben gerne backen“, sagt die neue Chefin Sarah Schell, deren Namen das Café auch tragen wird. Aileen und Sarah Schell sind vor einigen Monaten eigens aus Bonn nach Königswinter gezogen und wohnen nun an der Drachenfelsbahn. Ihr sehnlichster Wunsch ist, dass die Heerscharen von Touristen, die zwischen Rhein und Siebengebirge unterwegs sind, einen kleinen Abstecher zum auch von außen frisch sanierten Bahnhof unternehmen. Und nicht nur, um Zug zu fahren.