Drachenfelshotel in Königswinter

Neuer Betreiber setzt auf Medizintouristen

In zentraler Lage zwischen Rheinallee und Marktplatz liegt das Drachenfelshotel. ARCHIVFOTO: FRANK HOMANN

In zentraler Lage zwischen Rheinallee und Marktplatz liegt das Drachenfelshotel. ARCHIVFOTO: FRANK HOMANN

KÖNIGSWINTER. Der Blick aus der sechsten Etage auf den Drachenfels und die Rheinlandschaft kann sich sehen lassen. Seit einigen Tagen können Gäste des Drachenfelshotels diese Aussicht wieder genießen. Zielgruppe des neuen Eigentümers, dessen Mutterunternehmen in Abu Dhabi sitzt, sind Medizintouristen aus den arabischen Ländern.

Mitte November war das Hotel in bester Lage an Rheinallee und Marktplatz vor dem Königswinterer Amtsgericht versteigert worden. Den Zuschlag erhielt die Baynunah Suites GmbH mit Sitz in München für 860.000 Euro. Beim ersten Termin ein halbes Jahr vorher hatte sich noch kein Käufer gefunden.

Nach einem Vergleich, den der Zwangsverwalter vor dem Bonner Amtsgericht erreicht hatte, musste der bisherige Betreiber, die ZMB GmbH mit Sitz in Remagen, das Hotel bis zum 31. Januar räumen. Seit dem 6. Februar hat der neue Eigentümer das Gebäude renoviert und neu möbliert, soweit dies in gerade mal einer Woche möglich war. Am vergangenen Donnerstag wurde das Hotel neu eröffnet. Dazu war die gesamte Nachbarschaft eingeladen.

Das ist in erster Linie die Eigentümergemeinschaft. In dem Gebäude befinden sich 42 Eigentumswohnungen, deren Besitzer in den vergangenen Jahren mit dem Hotelbetrieb äußerst schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Die ZMB zahlte mehrere Jahre keine Strom- und Gasrechnungen mehr. Die Ausfälle in Höhe von mehr als 300.000 Euro mussten die Mitbewohner auffangen. Doch aus dem Erlös der Zwangsversteigerung stehen der Eigentümergemeinschaft gerade einmal fünf Prozent des Schätzwerts zu.

"Das Hotel war eine Ruine", sagt der neue Direktor Ghazi Sader. In der Kürze der Zeit wurden der alte Teppichboden im Eingangsbereich, Frühstücksraum und an der Rezeption durch Holzböden ersetzt und die Wände gestrichen. Die 33 Zimmer sollen nach und nach an Aufenthaltsqualität gewinnen. "Mein Wunsch ist es, von drei auf vier oder fünf Sterne zu kommen. Das geht aber nur peu à peu", so Sader. Er denkt darüber nach, das Schwimmbad wieder in Betrieb zu nehmen oder Kosmetik für das männliche Publikum anzubieten.

Stammgäste am bisher einzigen deutschen Sitz der Baynunah Suites GmbH in München sind Medizintouristen aus dem arabischen Raum. "Wir sind nur eine kleine Tochter des Mutterunternehmens in Abu Dhabi", berichtete Najib Merimi, der in München Direktor ist und zur Eröffnung gekommen war. Das Mutterunternehmen Baynunah sei zwar vor allem auf Hotels spezialisiert, verkaufe aber zum Beispiel auch Lebensmittel in Ägypten oder Datteln in Abu Dhabi.

Die Tochter in München betreibt dort seit 2009 ein Apartmenthaus nahe dem Stachus. Apartments sind bei arabischen Familien besonders beliebt, weil diese oft mit einem Großteil der Familie nach Europa reisen. "Da kommen oft sieben bis acht Personen mit Putzfrau", sagt Merimi. Er selbst sei das zwölfte Kind in seiner Familie. Die Medizintouristen würden dabei meist zwischen einem Monat und zwei Jahren zur Behandlung bleiben.

Königswinter ist das zweite Objekt in Deutschland. Die Nähe zu den medizinischen Angeboten in Bonn und Köln macht den Standort attraktiv. Mit einem Shuttle-Bus und der Fähre sollen die Hotelgäste im Zwei-Stunden-Takt zum Beispiel zur Behandlung nach Bad Godesberg gebracht werden. Zurzeit sucht die Baynunah Suites GmbH dort noch ein zweites Gebäude, am liebsten wie in München mit Apartments.

Weil das Drachenfelshotel von den Zimmergrößen her für manche Medizintouristen aus den arabischen Ländern nicht ideal ist, sind dort auch ganz normale Gäste ausdrücklich willkommen. "In Königswinter finden doch sehr viele Hochzeiten statt. Dann können die Leute bei uns übernachten", sagt Sader.