Isabella Archan zu Gast in Niederdollendorf

Nervenkitzel gespickt mit Humor und Ironie

Besonders beim Walking durch den Stadtwald kommen die Ideen zu ihren Krimis: Autorin Isabella Archan signierte im Gemeindezentrum Bücher.

NIEDERDOLLENDORF. War das nun Theater oder Lesung? Beides. Isabella Archan spielte auf großen Bühnen das Gretchen aus Goethes "Faust", sie ist den Fernsehzuschauern als Gynäkologin in der "Lindenstraße" oder als leicht gestörte Apothekerin aus "Diese Kaminskis" bekannt. Im Kölner "Tatort" mimte sie die Mutter eines Mordopfers.

Auch im evangelischen Gemeindezentrum ging es bei der Veranstaltung der "Dollendorfer Bücherstube" und der Evangelischen öffentlichen Bücherei Dollendorf um Mord und Totschlag. Aber: Die Schauspielerin schreibt nun selbst, was sie vorträgt. Isabella Archan begnügte sich allerdings nicht mit dem reinen Vorlesen aus ihrem Erstling "Helene geht baden", sondern begeisterte das Publikum mit szenischen Rezitationen.

Die Autorin erzeugte Nervenkitzel, spickte ihren Vortrag aber dennoch mit humorvollen und ironischen Akzenten. Sie verstand es, ihre Zuhörer in den Bann zu ziehen und geschickt die Verstrickungen und Verbindungen zwischen Opfer und Täter aufzudröseln. Und dabei schlüpfte sie gleich in verschiedene Rollen. "Ich bin ein Serienkiller, ein Psychopath. Ich bin ihr Jackpot", ließ sie den Mörder zum Opfer sagen. Und: "Sie werden Aufsehen erregen! Sie werden eine schöne Leiche!"

Isabella Archan stammt aus Graz und lebt in Köln. Die Hauptfigur ihres Romans, Kommissarin Willa Stark, hat ebenfalls erst in der Landeshauptstadt der Steiermark ermittelt, ehe sie in die Domstadt am Rhein wechselte. Das Fräulein Inspektorin aus Österreich wird für den Kölner Leitenden Hauptkommissar Peter Kraus schnell das "Fräulein Ösi", das es rasch "im kleinen Finger hat", wer der Mörder ist. Etwa der von Moni. Gruselig ihr Zustand als Leiche: "Die Schnittwunden am Bauch sind am schlimmsten. Kreuz und quer wie ein blutiger Jägerzaun. Die Haut klafft auf und wirkt an den blutigen Rändern wie oft gelesene Buchseiten."

Am Anfang und am Schluss ihrer Lesung animierte Isabella Archan die Zuhörer zum Mitmachen. "Tief einatmen, langsam ausatmen. Wir gehen jetzt auf eine kleine Reise in die Welt Ihrer Fantasie..." In der eine ältere, ehrenamtlich tätige Dame, Monis Mutti, in der Kantine des Männerknasts einem ganz speziellen Gefangenen "Schokostreusel" auf die Schlagsahne streute. Diagnostiziert wurde beim Toten eine schwere Vergiftung...

Die Krimi-Autorin: "Schreiben ist ein Tick mehr als Schauspielern, weil man eigenes kreieren kann." Wo sie die Ideen für ihre Mordsgeschichten herholt? "Die habe ich am laufenden Band, besonders beim Walking durch den Stadtwald", erzählte sie später beim Signieren ihrer Bücher. Dabei lag auch ihr gerade frisch erschienener zweiter Köln-Krimi mit dem Titel "Marie spiegelt sich" bereit. Anfang 2016 soll dann Buch Nummer drei auf dem Markt sein - ein Zahnarzt-Krimi.

Es geht literarisch weiter im Gemeindezentrum: Lesenswertes von der Frankfurter Buchmesse stellt am 20. Oktober Literaturwissenschaftlerin Margarete von Schwarzkopf vor. Ein griechischer Abend mit Literatur und Musik folgt am 24. November mit Autorin Vea Kaiser und dem Chor "Taktlos".