Carsharing in Königswinter

Nach Feierabend wird der Dienstwagen zum Bürgerauto

Blick in den WWG-Dienstwagen: Bürgermeister Peter Wirtz begutachtet ihn, während Geschäftsführer Andreas Pätz ihn auflädt.

Blick in den WWG-Dienstwagen: Bürgermeister Peter Wirtz begutachtet ihn, während Geschäftsführer Andreas Pätz ihn auflädt.

KÖNIGSWINTER. Wirtschaftsförderungsgesellschaft will neue Wege gehen und wagt mit dem Elektrofahrzeug eine spezielle Form des Carsharings.

Er ist weiß, gut ausgestattet und sehr, sehr leise: Der neue Dienstwagen der Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft (WWG) Königswinter. Denn bei dem Fahrzeug handelt es sich um ein Elektroauto. Aber das Fahrzeug soll mehr sein: ein Bürgerauto. Geplant ist, das Auto außerhalb der Dienstzeiten ihm Rahmen eines Carsharings allen Interessierten gegen Entgelt zur Verfügung zu stellen.

Entwickelt wurde diese besondere Form des Carsharings an der Technischen Hochschule Deggendorf, die im Jahr 2010 ein Forschungsprojekt für ein Transportsystem auf Basis von Elektrofahrzeugen auf den Weg brachte. Mittlerweile ist daraus das Unternehmen E-Wald geworden, das deutschlandweit 200 Elektrofahrzeuge sein Eigen nennt und nun weiter wachsen will - vor allem in Nordrhein-Westfalen, wie Vertriebspartner Roland Boecker erläutert. Das besondere an dem System: E-Wald wendet sich bewusst an Kommunen und Firmen.

Aber neben diesen "Hauptmietern" sollen die Fahrzeuge, wenn sie nicht benötigt werden, auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Konkret heißt das im Fall der WWG: Zwischen 9 und 17 Uhr steht es für Hausmeisterdienste und andere Dienstfahrten den WWG-Mitarbeiter zur Verfügung. "Da das Auto mehr als 140 Kilometer ohne aufladen schafft, reicht das für unsere Fahrten völlig aus", erläutert WWG-Geschäftsführer Andreas Pätz. Anschließend wird das Auto wieder auf dem Parkplatz der WWG in der Altstadt geparkt und an die Ladestation angehängt.

Nach 17 Uhr und am Wochenende aber soll es zum Bürgerauto werden. Wer sich einmalig für sechs Euro auf der Plattform von E-Wald anmeldet, erhält eine Kundenkarte, die er bei der WWG abholen kann. "Wir überprüfen dann auch, ob der Angemeldete einen Führerschein hat", so Pätz. Danach kann man jederzeit über den PC oder das Smartphone das Auto buchen - stunden- oder tageweise. Steht es zur Verfügung, kann der Bürger zum Auto gehen, mit seiner Kundenkarte das Auto öffnen und losfahren.

Zum vereinbarten Zeitpunkt bringt er den Wagen zurück, hängt es an die Stromversorgung an der WWG-Zapfsäule an und geht. Denn der Strom ist inklusive, selbst wer längere Strecken unterwegs ist, kann - an ausgewählten Zapfsäulen - kostenlos "aufladen". Auch eine Vollkaskoversicherung (mit 1000 Euro Selbstbeteiligung) ist im Preis von 6,99 Euro pro Stunde und

45 Euro pro Tag (42 Euro für den Folgetag) inbegriffen. Zudem arbeitet E-Wald mit Flinkster, dem Carsharing-Angebot der Bahn, zusammen. Daher haben die Mitglieder Zugriff auf 3600 Fahrzeuge in Deutschland und Europa - immer zu den gleichen Konditionen. "Der Strom, den wir verwenden, ist zu 100 Prozent Ökostrom - wenn natürlich nur bilanziert", so Boecker. Das System sei "stationsgebunden", das Auto muss also an seinen Ausgangspunkt zurück. Die WWG ist nicht Besitzer des Autos, sondern hat es nur gemietet. Zunächst einmal für zwei Jahre. Wie es dann weitergeht, dürfte der Erfolg zeigen. hek

Weitere Infos gibt es bei der WWG unter der Rufnummer 02223/92340.