Königswinter

NRW-Stiftung übernimmt 93 Hektar Wald

KÖNIGSWINTER. Das Gelände am Petersberg, das bisher dem Bund gehörte, wird ans Wildnisgebiet angegliedert.

Ganz so wild wie in den kanadischen Wäldern geht es auf dem Petersberg nicht zu. Aber immerhin: Überwiegend sind es alte Hainsimsen-Waldmeister-Buchenwälder, die auf den Hängen aus durchgewachsenem Rammholz hervorgegangen sind. Und schön und unberührt wirken die Bäume außerdem.

Bislang gehörte eine unter Naturschutz stehende, 93 Hektar große Fläche unterhalb des Petersberger Grand Hotels und in östlicher Richtung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Gestern hat die bundeseigene Behörde das Waldstück und drei weitere Flächen in den Kreisen Düren, Siegen-Wittgenstein und Rhein-Erft aber offiziell an die Nordrhein-Westfalen-Stiftung übertragen. Insgesamt handelt es sich um Flächen mit einer Größe von insgesamt 1100 Hektar, die größtenteils zum Nationalen Naturerbe gehören und den Besitzer wechseln.

Am Petersberger Hang will die Stiftung die Fläche ans dortige Wildnisgebiet angliedern. Bedeutet: Sie muss einerseits ihrer Verantwortung gerecht werden, die Wanderwege zu sichern, will aber darüber hinaus einen Raum schaffen, in dem sich Natur auch erholen kann. Beispielsweise durch die natürliche Entwicklung von Tot- und Altholz.

Das betonte auch Stiftungspräsident Harry Voigtsberger bei der Vertragsunterzeichnung mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, NRW-Umweltminister Johannes Remmel und BImA-Vorstand Axel Kunze. Den Naturschutz voranzutreiben, sei eine Aufgabe in Zusammenarbeit mit biologischen Stationen, Forstämtern, Umweltbehörden und Naturschutzverbänden. "Wir bleiben Partner vor Ort", sagte Voigtsberger.

Für die NRW-Stiftung ist das Siebengebirge kein Neuland. Über einen Zeitraum von 20 Jahren hat sie die Drachenburg umfangreich restauriert. Vor anderthalb Wochen sind sechs Hektar des bei Wanderern beliebten Nachtigallentals in den Besitz der Stiftung übergegangen, die das Land Nordrhein-Westfalen 1986 zu seinem

40. Geburtstag mit dem Ziel gegründet hat, Naturräume zu erhalten. Bislang gehörten der Düsseldorfer Stiftung rund 20 Hektar im Rhein-Sieg-Kreis, nun sind es mehr als 100.

Johannes Remmel versicherte gestern, dass die bestehenden Wege für Spaziergänger erhalten bleiben sollen: "Unser Naturerbe ist ein wertvoller Schatz direkt vor unserer Tür. Es ist aber auch ein Schatz, den es immer wieder neu zu entdecken und zu bewahren gilt." Naturschutz bestehe nicht nur aus Schützen, sondern ebenso aus Erleben und Erfahren.

Und während Bundesumweltministerin Hendricks erklärte, dass die Unterzeichnung des Rahmenvertrages ein guter Tag für den Naturschutz und ein wichtiger Schritt sei, um "dieses Erbe der Natur dauerhaft für künftige Generationen zu bewahren", betonte Axel Kunze, Naturschutz sei gleichsam Bundes- und Landesangelegenheit und müsse deshalb "länderübergreifend stattfinden".

Die Übergabe an die NRW-Stiftung ist insofern etwas Besonderes, als dass sie zur ersten Tranche eines Bundestagsbeschlusses gehört, der noch zwei weitere Übertragungen an Stiftungen oder Umweltverbände vorsieht, allerdings auf ganz Deutschland bezogen.

Wildnisgebiete

Ganz so wild, wie es sich anhört, ist das Wildnisgebiet nicht. Wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) feststellt, müssen Wildnisgebiete "ausreichend große, (weitgehend) unzerschnittene nutzungsfreie Gebiete sein, die dazu dienen, einen vom Menschen unbeeinflussten Ablauf natürlicher Prozesse dauerhaft zu gewährleisten."

Das Bundeskabinett hat 2007 eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen. Ziel: Zwei Prozent der Landesfläche Deutschlands sollen sich bis 2020 wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln können.

Weitere Flächen

Außer dem Petersberg hat die Nordrhein-Westfalen-Stiftung 632 Hektar in der großen Drover Heide bei Düren übernommen. Dort war bis 2004 ein Truppenübungsplatz untergebracht. 293 Hektar Hochflächen betreut sie künftig bei Siegen mit der Trupbacher Heide, bis in die 90er Jahre hinein militärisch genutzt. Einen letzten Rest des alten Bürgewaldes in der Jülich-Zülpicher Börde beherbergt die Steinheide bei Kerpen, von der 71 Hektar übertragen wurden. "Gerade das Militärgelände muss gut gesichert werden", betonte Stiftungssprecher Winfried Raffel.