GA-Wandertag

Mit „Stunker“ Tom Simon auf der Fünf-Kilometer-Route

Für den Fotografen mimt Tom Simon den erschöpften Wanderer vor der Chorruine im Kloster Heisterbach.

Für den Fotografen mimt Tom Simon den erschöpften Wanderer vor der Chorruine im Kloster Heisterbach.

Königswinter. Tom Simon ist Schauspieler, Mitglied des Stunksitzungs-Ensembles, wohnt in Oberpleis und wandert seit seiner Kindheit - gerne auch im Siebengebirge. Da lag es nahe, mit ihm schon mal die Fünf-Kilometer-Route des GA-Wandertags zu erkunden.

Die „echten“ Wanderschuhe hat Tom Simon zu Hause gelassen. „Das wäre dann doch zu peinlich“, sagt der Schauspieler mit den Ausmaßen eines (kleinen) Rubeus Hagrid, dem Halbriesen aus Harry Potter, und grinst. Jetzt mal ehrlich. Fünf Kilometer? Das ist ein Spaziergang, wenn auch ein schöner. Und dass er sich vor der Klosterruine auf die Bank zu einem Nickerchen ausstreckt? Selbstverständlich nur Show. Denn das echte Wandern ist ihm in die Wiege gelegt.

Daher ist das Mitglied des N.N. Theaters Köln und des Stunksitzungs-Ensembles vorbereitet. Für den gemeinsamen Termin in der Klosterlandschaft Heisterbach hat der 55-Jährige einen Rucksack dabei. Und der ist nicht nur Show. Darin verbergen sich: eine Thermoskanne mit einem erstklassigen Espresso (gegebenenfalls mit – extra – Milch und Zucker für einen Milchkaffee für Weicheier), Wasser und köstliche Goudaschnittchen mit Kümmel.

Simon winkt ab. Das ist für Anfänger. „Bei uns zu Hause wurden freitags Frikadellchen gemacht.“ Im Akkord, für seine Eltern und seine sechs Geschwister. Am Samstagmorgen setzte die Familie aus Godesberg über den Rhein. „Dann ging es erst einmal zum Rudern auf Grafenwerth.“ Von diesen Kindheitserinnerung zeugen die fein säuberlich archivierten Fotos. Doch damit – die heutige Jugend würde vermutlich aufheulen – war noch lange nicht Schluss: Anschließend wurde im Siebengebirge gewandert. Der Vater hatte im Gepäck die Mundharmonika.

Der kleine Tom Simon mit seinem Vater beim Rudern in Honnef.

Der kleine Tom Simon mit seinem Vater beim Rudern in Honnef.

Die damals gesammelten Eindrücke haben sicherlich, wie Simon freimütig einräumt, seine Entscheidung beeinflusst, die Rheinseite zu wechseln und vor rund 15 Jahren in Oberpleis sesshaft zu werden. Auch mit den eigenen Kindern ist er gerne im Siebengebirge wandern gegangen. Oder auch im Urlaub, in der Nähe von Sonthofen. „Aber jetzt, in der Pubertät, wollen die natürlich nicht mehr so gerne mit Mama und Papa durch die Gegend ziehen.“

Wandern regt die Fantasie an

Dennoch hält er das Wandern nach wie vor für eine „Familienmeditation“, das „kenn' ich aus meiner Kindheit“. Wieder macht sich dieses breite, ansteckende Grinsen auf dem Gesicht breit, während die Hand fast gedankenversunken über das kleine Bäuchlein oberhalb der Wanderhose streicht. „Durch das Gehen kommt man auf andere Gedanken. Gedanken, auf die man sonst nicht kommt“, ist Simon überzeugt.

Das Wandern regt seine Fantasie an. Und, so glaubt er, nicht nur seine. „Es ist überliefert, dass der Weg durch das Nachtigallental unterhalb von Schloss Drachenburg zu den Lieblingswegen Beethovens gehörte“, sagt er. Und sieht plötzlich ganz gerührt aus: „Wer einmal ein Gewitter im Nachtigallental gehört hat, der kann sich vorstellen, dass das die Inspiration für die Pastorale war.“

Mit dem Rucksack im Siebengebirge ist Tom Simon unterwegs.

Mit dem Rucksack im Siebengebirge ist Tom Simon unterwegs.

Er zumindest weiß, wovon er spricht. Auf dem Weg der Fünf-Kilometer-Route, die zu Füßen des Stenzelbergs entlang führt, liegt auch Kloster Heisterbach. Für Simon ein mystischer Ort. Immer schon hat er, die Klosterruine vor Augen, sich vorstellen können, hier Theater zu spielen. „Das N.N. Theater spielt seit 30 Jahren an ungewöhnlichen Orte und versucht so, Menschen für das Schauspiel zu begeistern.“

Erste Versuche, im Kloster zu spielen, scheiterten. „Aber als ich Pfarrer Markus Hoitz gefragt habe, sagte er direkt: 'Tom, das machen wir'.“ Die Premiere vergangenes Jahr war ein voller Erfolg. Nun ist man mit drei verschiedenen Vorstellungen zurück. „Das Flair ist wunderbar“, sagt Simon, breitet die Arme aus und sieht plötzlich so gar nicht wie der müde Wanderer aus. Die Augen leuchten, die Arme rudern durch die Luft, die Hände scheinen förmlich nach den Worten zu greifen. „Wenn die blaue Stunde fällt, wenn die Beleuchtung die Bühne verändert, dann ist das immer ein besonderer Moment.“

Im Oktober beginnen die Proben für die Stunksitzung

Wenn die Aufführungen vorbei sind, wird Simon wieder durch das Siebengebirge wandern. Ende August beginnt das eigentliche Brainstorming für die Stunksitzung der kommenden Session. Im Sommer hat man sich schon mal im kleineren Kreis getroffen, nun wird es langsam ernst. Jetzt werden die Sketche geschrieben, Anfang Oktober beginnen die Proben.

Überraschungen vorbehalten, versteht sich. Im vergangenen Jahr hatte niemand mit einem Wahlsieg Donald Trumps gerechnet, im letzten Moment musste man anpassen, justieren. Dieses Jahr wird man auf die Ergebnisse der Bundestagswahl warten müssen.

Besonders, da das Geschäft der „Stunker“ nicht einfacher geworden ist. Viele der alten Feindfiguren – zum Beispiel Kardinal Meisner – sind ihnen abhanden gekommen, Angela Merkel ist als klassisches Feindbild ebenfalls nicht mehr tauglich. Aber sie werden neue Ansatzpunkte finden. Wie den Dieselskandal, der Simon derzeit besonders beschäftigt. Vor allem die ausbleibende Empörung. Über das alles wird er sich Gedanken machen. Wenn er durchs Siebengebirge wandert und dessen Schönheit in sich aufsaugt. Ganz nebenbei.