Konzert auf Schloss Drachenburg

Leidenschaftlich und intensiv

In eleganter Abendrobe spielte die Violinistin Laia Montserrat in der Kunsthalle von Schloss Drachenburg auf ihrer Geige, die aus der Werkstatt des Bad Honnefer Geigenbauers Arthur Betz stammt.

In eleganter Abendrobe spielte die Violinistin Laia Montserrat in der Kunsthalle von Schloss Drachenburg auf ihrer Geige, die aus der Werkstatt des Bad Honnefer Geigenbauers Arthur Betz stammt.

KÖNIGSWINTER. Die Violinistin Laia Montserrat begeistert auf Schloss Drachenburg ihr Publikum. Ihre Konzerttourneen führten die Künstlerin bereits in Musikmetropolen der Welt wie die Carnegie Hall in New York.

Ein bisschen aufgeregt war Maria Hoberg dann doch. Die elfjährige Geigerin aus Unkel durfte mit einem Konzertsatz von Friedrich Seitz quasi das „Vorprogramm“ für Laia Montserrat auf Schloss Drachenburg gestalten. Die Fünftklässlerin an der Jugenddorf Christophorusschule (CJD) Königswinter und die Künstlerin aus Barcelona haben mehrere Gemeinsamkeiten: Sie sammeln Auszeichnungen und spielen beide ein Instrument des Bad Honnefer Geigenbauers Arthur Betz, der hochbegabte Nachwuchskünstler in seiner Reihe „Musikfestival Menzenberg“ fördert.

Nachdem das Weingut Menzenberg privatisiert wurde, wechselte Betz nun erstmals mit dem Festival auf das Schloss Drachenburg. Rund 100 Besucher wurden in dem gediegenen Ambiente der Kunsthalle von der jungen Unkelerin, die kürzlich Platz zwei auf Landesebene im Wettbewerb „Jugend musiziert“ errang und von Tatjana Betz unterrichtet wird, und ihrer acht Jahre älteren „Kollegin“ regelrecht verzaubert. Einfühlsam dazu die Begleitung am Klavier durch den moldawischen Pianisten Sergej Filioglo.

Laia Montserrat aus der Soloklasse des Kölner Professors Viktor Tretjakow war in Marias Alter, als sie für ihr Mendelssohn-Violinkonzert den ersten Preis mit Auszeichnung beim Wettbewerb Jeunesses Musical of Sóller erzielte. Viele Preise folgten in England, Italien, Frankreich, Spanien und in den USA. Ihre Konzerttourneen führten die Künstlerin bereits in Musikmetropolen der Welt wie die Carnegie Hall in New York. Und nun eben spielte sie auf Schloss Drachenburg.

Die Zuhörer, die den Auftritt der bildhübschen jungen Dame im langen roten Kleid verfolgten, dürften das Urteil des Komponisten Marcello Abbado spätestens nach dem hochvirtuosen „Tzigane“ von Maurice Ravel nachvollziehen können: Bei einem weltweit ausgetragenen Wettbewerb bezeichnete der Maestro Laia Montserrat als „most distinguished Violinist“ und die Jury urteilte: „Great girl, great performer, lots of potential…, lots of fantasy… and with temperament.“

Mit der Legende von Henryk Wieniawski startete die Violinistin, um danach die Canzonetta aus dem Violinkonzert Peter Tschaikowskis in D-Dur, die Romanze Andaluza aus den Spanischen Tänzen von Pablo Sarasate und die Meditation aus der Oper „Thaïs“ von Jules Massenet zu spielen. Trotz ihrer Jugend ausgefeilt in der Technik und mit unglaublicher Intensität und Leidenschaft am Werk, machte Montserrat in der ersten Halbzeit Lust auf mehr.

Mit ihrer fein singenden Betz-Violine, die sie meisterhaft beherrschte, verschmolz sie geradezu. Mit Johannes Brahms' Allegro aus der Sonate N3 mit ihren vielen Details und Klangfarben wusste sie in kongenialer Zwiesprache mit Pianist Filioglo das Publikum dann auch nach der Pause zu verzaubern.

Mit Ravels „Tzigane“ setzte Laia Montserrat dann einen Schlusspunkt, der es in sich hatte. Die englisch-ungarische Großnichte des Jahrhundertgeigers Joseph Joachim, Jelly d’Arányi, hatte Maurice Ravel eine Nacht lang Zigeunerweisen vorgespielt, woraufhin er versprach, für sie ein Stück zu komponieren. Als er sich schließlich ans Werk machte, hörte er sich Capricen von Paganini an, um die Möglichkeiten der Geige auszuloten.

Sie gelten als technisch kaum zu überbieten, doch Ravel wollte sie wohl noch übertreffen. Die Uraufführung in London gelang. Und auch Laia Montserrat wusste die Musik mit Brillanz darzubieten. Das Publikum war begeistert und wurde mit Debussys „Bonne Nuit“ als Zugabe verabschiedet.