Café zieht in den Wartesaal

Konditorei entsteht am Königswinterer Bahnhof

Bahnhofseigentümer Oliver Schell vor dem denkmalgeschützten Fenster im alten Wartesaal.

Bahnhofseigentümer Oliver Schell vor dem denkmalgeschützten Fenster im alten Wartesaal.

Königswinter. Der neue Eigentümer des Bahnhofs, Oliver Schell, will den Konditorei-Betrieb im Mai aufnehmen. Den Bau von Wohnungen hat die Stadt aber nicht erlaubt: wegen der vorbeiratternden Züge.

Eigentlich sollte am 1. Juni 2018 im alten Wartesaal des Königswinterer Bahnhofs eine Konditorei mit Café eröffnen. So hatte es der Eigentümer Oliver Schell im Frühjahr 2017 geplant. Der Termin ist lange verstrichen. Doch jetzt kommt endlich Bewegung in die Sache.

„Seit Ende September habe ich die Baugenehmigung der Stadt“, sagt Schell. Seit einigen Tagen haben die Bauarbeiten im denkmalgeschützten Bahnhof begonnen. Am Anfang steht die Sanierung des großen bunten Glasfensters des alten Wartesaals mit typisch Königswinterer Motiven wie Rhein, Petersberg, Fähre oder Drachenfelsbahn. Schell hätte das Fenster gerne versetzt und zur Straße hin durch eine Scheibe aus klarem Glas ersetzt. Dies ließ die Untere Denkmalbehörde jedoch nicht zu.

Neben der Sanierung des Fensters wird die erste Bauphase dem Dachdecker und dem Zimmermann vorbehalten sein. Schell geht jetzt davon aus, die Konditorei mit Café im Mai 2019 eröffnen zu können. Dann würde nach 14 Jahren wieder Leben in den Bahnhof einziehen.

Erste Pläne sahen ein Restaurant vor

Im April 2017 hatte Schell den Bahnhof der LBB-Immobilien mit Sitz in Hennef abgekauft. Das Hennefer Unternehmen, das den Bahnhof fünf Jahre zuvor von der Stadt Königswinter erworben hatte, hatte seine Pläne aufgegeben, selbst an diesem Ort Gastronomie zu schaffen. Man hatte erkannt, dass sich ein Restaurant, wie man es seit vielen Jahren erfolgreich im Hennefer Bahnhof betreibt, in Königswinter nicht so einfach kopieren lässt.

Einnahmen wird Oliver Schell künftig nur im 500 Quadratmeter großen Erdgeschoss des Bahnhofs erzielen können. Wobei der alte Wartesaal 140 Quadratmeter misst. Daneben gibt es ein Kaminzimmer und einen weiteren rund 80 Quadratmeter großen Raum, der für Geburtstags-, Hochzeits- oder Beerdigungsfeiern vorgesehen ist.

Der Plan, im Obergeschoss Wohnungen und Wohngemeinschaften für Studenten zu schaffen, hat sich inzwischen zerschlagen. „Das hat die Stadt nicht genehmigt“, sagt Schell. Der Bahnhof sei aus dem Bestandsschutz gefallen. Eine neue Wohnnutzung müsse den heute geltenden Richtlinien für „gesundes Wohnen“ entsprechen. Der Lärmschutz sei in drei Metern Entfernung zu den Bahngleisen mit entsprechenden Fenstern vielleicht noch zu leisten, die Erschütterungen der vorüberratternden Züge würden jedoch jede Norm sprengen.

Bestandsschutz ist weggefallen

„So etwas ließe sich nur mit einer Entkoppelung des Gebäudes für einen sechsstelligen Betrag verbessern. Die geplante Vermietung von Wohnraum an acht bis zehn Studenten konnte daher in Königswinter nicht realisiert werden“, so Schell. Die Folge sei, dass vermutlich in ganz Deutschland eine Wohnnutzung von Bahngebäuden nicht mehr möglich sei, sobald die Gebäude aus dem Bestandsschutz gefallen sind. „Oder es müssten sich Gesetze oder die Ansichten der Verantwortlichen in den Bauämtern ändern, was aber nicht wirklich zu erwarten ist.“

Dennoch ist er zuversichtlich, mit der Konditorei und dem Café genügend Geld zu erwirtschaften, dass sich die Investition rentiert. „Das kann ich zwar erst nach drei bis vier Monaten Betrieb sagen. Aber wenn wir einen Sommer wie in diesem Jahr haben, glaube ich, dass das Projekt rentabel ist. Da war Königswinter ja unglaublich voll.“