Risse in Sankt Remigius

Kirche in der Altstadt wird 2016 saniert

KÖNIGSWINTER. Aus dem feinen Haarriss in der katholischen Pfarrkirche Sankt Remigius in der Altstadt ist mittlerweile ein kapitaler Riss geworden. Der Bau des Sea Life Centers ist allerdings nicht die Ursache.

Allein in den vergangenen zehn Monaten sei der Riss um einen Millimeter gewachsen, sagt Ulrich Fuchs, der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands. Im März fiel auf der genüberliegenden Seite des Kirchenschiffs Putz herab. Inzwischen steht fest: 2016 soll das Gotteshaus aufwendig saniert werden. Eine unmittelbare Gefahr für die Standfestigkeit des Gebäudes besteht nicht.

Die Ursache für die Risse, die quer durch die Kirchenwände gehen, ist noch unklar. Erstmals waren sie im Jahr 2006 aufgefallen. Bereits vor vier Jahren hatte der Kirchenvorstand zwei Sachverständige eingeschaltet. Eine Gutachterin wollte damals nicht ausschließen, dass der Bau des Sea Life Centers, das im Dezember 2005 in unmittelbarer Nähe eröffnet wurde, die Ursache gewesen sein könnte. Diese Theorie ist vom Tisch. "Ein neues Gutachten hat ergeben, dass ein Zusammenhang mit dem Bau des Sea Life Centers auszuschließen ist", sagt Fuchs.

Anfang 2013 hat die Kirchengemeinde Ägidius Strack als Bausachverständigen eingeschaltet. Der Projektleiter für die Sanierung von Schloss Drachenburg und die Neugestaltung des Drachenfelsplateaus nahm daraufhin die Gebäude in einem Umkreis von 250 Metern um die Kirche von außen und - wenn möglich - auch von innen in Augenschein. "Er hat dort keine vergleichbaren Schäden gefunden", berichtet Fuchs. Auch Bodengutachten für das Bauprojekt der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WWG) an der Hauptstraße belegen laut Fuchs den sehr standfesten Untergrund.

Im Archiv der Bezirksregierung fanden sich hingegen alte staatliche Gutachten, die belegen, dass die 1780 erbaute Kirche schon immer statische Probleme hatte. Ende der 1960er Jahre wurden daher bereits Sicherungsmaßnahmen vorgenommen. Die Bezirksregierung kommt ins Spiel, weil es sich bei Sankt Remigius um eine Patronatskirche handelt. Das heißt: Die Finanzierung von Instandhaltung und Sanierung des Kirchenschiffs ist Aufgabe des Landes und nicht der Kirchengemeinde oder des Bistums - und der Turm ist davon also ausgenommen. Das ist der Unterschied zu der wegen des Schimmelbefalls zurzeit geschlossenen Oberdollendorfer Kirche Sankt Laurentius.

In Absprache mit der Bezirksregierung wurde der Auftrag von Strack um zwei Jahre verlängert. Es ist geplant, einen Statiker, der auf historische Bauten spezialisiert ist, hinzuzuziehen, um einen endgültigen Plan für die Sanierung zu erstellen. 2016 ist dann die umfangreiche Innen- und Außensanierung der Kirche geplant. "Der Termin hat den Vorteil, dass dann das Altenheim Haus Katharina fertiggestellt ist und die Wochentagsmessen in der Kapelle stattfinden können", sagt Fuchs. Wie lange die Kirche wegen der Sanierung geschlossen werden muss, ist ebenso noch offen wie die Kosten.