Im Tretauto zum Einsatz

Kinderfeuerwehr "Löschdrachen" in Königswinter

OBERDOLLENDORF. Der Nachwuchs der Feuerwehr in Königswinter stellt sich neu auf. Unter dem Namen "Löschdrachen" steht der Spaß im Vordergrund. 25 Jungen und Mädchen gehören zu Königswinters erster Kinderfeuerwehr.

„Hallo, hallo, hier spricht die Kinderfeuerwehr“, dröhnt es durch das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Oberdollendorf. Das ist an diesem Vormittag ganz in der Hand der „Löschdrachen“. Und die dürfen nicht nur ausprobieren, wie die Lautsprecheranlage funktioniert, sondern sogar mit Blaulicht zu einem Einsatz ausrücken – als erste Königswinterer Kinderfeuerwehr.

Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis neun Jahren werden einmal im Monat spielerisch an die Arbeit der Feuerwehr herangeführt. Der neue Kinderfeuerwehrwart Hardy Zehent und weitere zehn ehrenamtliche Drachenbändiger haben an diesem Tag alle Hände voll zu tun, die 25 Nachwuchskräfte im Zaum zu halten. Die brennen geradezu darauf, „richtig Feuerwehr zu machen“.

Jugendfeuerwehren, für die in Nordrhein-Westfalen ein Mindestalter von zehn Jahren gilt, sind seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der Löscheinheiten, nicht nur in Königswinter. Für die Freiwilligen Feuerwehren ist die Jugendarbeit zur Nachwuchssicherung unerlässlich. „Aber eigentlich ist es zu spät, erst bei den Kindern im Alter ab zehn Jahren anzufangen. Dann sind viele ja schon in anderen Vereinen oder in der Schule eingebunden“, sagt Lutz Schumacher, Sprecher der Königswinterer Wehr.

Hoher personeller Aufwand

2016 hat das Land Nordrhein-Westfalen daher die rechtlichen Voraussetzungen für Kinderfeuerwehren geschaffen. Vier Gruppen gibt es bereits im Rhein-Sieg-Kreis, die „Löschdrachen“ sind die fünfte. Andere Einheiten haben bereits ihr Interesse bekundet, allerdings ist der personelle Aufwand zur Betreuung einer solchen Kindergruppe immens. Zu den elf Betreuern, die sich um die Dollendorfer Pänz kümmern, zählen neben fünf aktiven Wehrleuten auch vier Mütter – darunter zwei mit pädagogischer Ausbildung – sowie zwei Mitglieder der Jugendfeuerwehr.

Spannend für die Verantwortlichen der Oberdollendorfer Löschgruppe war es im vergangenen Herbst, wie denn wohl die Resonanz auf die in den Grundschulen verteilten Werbeflyer für die Kinderfeuerwehr ausfallen würde. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen, wie Hardy Zehent beschreibt: „Wir sind überrannt worden. Innerhalb von nur fünf Tagen haben sich 60 Interessenten gemeldet.“

Da aber nur 20 Plätze zur Verfügung stehen, wurden alle Interessenten im November zu Schnuppertagen eingeladen. Danach verkleinerte sich die Zahl auf 45, was immer noch zu viel war. „Wir haben dann aber erst mal probeweise in zwei Gruppen mit allen weitergemacht – und daraus dann 25 Jungen und Mädchen ausgewählt, die jetzt offizielle Mitglieder der ersten Königswinterer Kinderfeuerwehr sind.“ Wer nicht zum Zuge kam, steht auf der Warteliste und kann später nachrücken.

Blaulicht ist mit an Bord

Malin und Emil haben es geschafft, sie sind jetzt „Löschdrachen“ und als solche an ihrer feuerroten Weste mit dem Schriftzug „Kinderfeuerwehr“ zu erkennen. Demnächst soll es auch eine richtige Uniform geben. Beim Feuerwehrausrückspiel muss jetzt aber noch die Ausrüstung aus dem Kleiderfundus der Jugendfeuerwehr herhalten.

Auf das Kommando „Achtung, fertig, Alarm“ schlüpfen Malin und Emil in Windeseile in die Jacken, setzen den Helm auf, ziehen die Handschuhe über – und los geht's im Feuerwehrauto zum Einsatzort. Dass es sich bei dem Löschfahrzeug um ein Tretauto handelt, ein Feuerwehr-Unimog in Miniaturformat, trübt den Eifer nicht im Geringsten – das Allerwichtigste ist nämlich mit an Bord: ein richtiges Blaulicht.

Malin und Emil geben ordentlich Gas. Am Einsatzort gilt es mit dem Wasserstrahl aus einem D-Rohr kleine Bälle von Pylonen zu schießen – kein Problem, für die angehenden Feuerwehrleute. Außer Atem parken die beiden „Löschdrachen“ nach dem erfolgreichen Einsatz ihre Autos wieder am Gerätehaus. Sie strahlen beide. Und darum geht es auch bei der Kinderfeuerwehr.

„Der Spaß steht ganz klar im Vordergrund“, betont Zehent. Wichtige Feuerwehr-Grundregeln haben die kleinen „Löschdrachen“ aber auch schon gelernt: Zum Beispiel wie man sich verhält, wenn es während der Gruppenstunde einen echten Einsatz gibt. „Das werden die Kinder garantiert auch erleben, wo wir über 100 Einsätze im Jahr haben“, so Schumacher.

Vielleicht wird demnächst dann auch Marlies Jänicke mit dabei sein. Die Mutter der neunjährigen Nathalie war im Herbst mit ihrer Tochter zum Schnuppertag gekommen – und ist selber bei der Freiwilligentruppe geblieben. „Ich konnte sofort in einen Grundausbildungskursus einsteigen. Nächste Woche ist Prüfung.“ Interesse, sich in der Feuerwehr zu engagieren, hatte Jänicke schon seit Längerem, wie sie erzählt. „Als dann der Flyer für die Kinderfeuerwehr kam, habe ich zu meiner Tochter gesagt: Das schauen wir uns gemeinsam an.“ Besser kann Nachwuchswerbung nicht laufen.