Konzert in Niederdollendorf

Kinder sangen für Notfallseelsorge Bonn/Rhein-Sieg

NIEDERDOLLENDORF. Diese Engel haben keine Flügel und sie tragen Dienstjacken in der Farbe Lila. Notfallseelsorger sind immer dann im Einsatz, wenn es darum geht, Menschen in besonderen Grenzsituationen des Lebens beizustehen. Sie sind diejenigen, die Beistand leisten, bei Katastrophen und Schicksalsschlägen, die helfen und bleiben, solange sie gebraucht werden - ehrenamtlich, zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Um die Arbeit der Notfallseelsorge Bonn/Rhein-Sieg zu unterstützen, gaben die Kinderchöre und der Jugendchor der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkassel/Dollendorf, der Kinderchor "Lalelu" aus Bonn-Holzlar sowie der Schulchor der Grundschule Am Schnitzenbusch in Oberdollendorf gemeinsam unter dem Motto "Wie sieht ein Engel aus?" ein Benefizkonzert in der evangelischen Kirche an der Friedenstraße in Niederdollendorf.

Es war quasi ein Wunschkonzert. Albrecht Roebke, Pfarrer und Koordinator der Notfallseelsorge, mischte sich mit einem Körbchen unter die Besucher, die sich melden durften, um ein Zettelchen mit der Aufschrift des nächsten Programmpunktes zu ziehen. So wie June. Sie faltete das Papier auseinander und las laut die Aufschrift "Engel" vor. In diesem Fall handelte es sich um ein Gedicht: "Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel."

Insgesamt 24 Lieder, Gedichte und Geschichten wurden von den Chören, aber auch von Albrecht Roebke und Anne Kathrin Quaas, der Pfarrerin des Kirchenbezirkes Dollendorf, vorgetragen. Und jedesmal zündete Pfarrerin Quaas ein Lichtlein an. Sie lud die Besucher ein, die Kerzen am Schluss mit nach Hause zu nehmen: "Lichter gehen heute in die Welt!"

Das Benefizkonzert für die Notfallseelsorge war auch ein Dankeschön der Evangelischen Kirchengemeinde und der Oberdollendorfer Schule für Einsätze in der Vergangenheit nach vielen tragischen Ereignissen. "Das Thema ,Engel? passt zur Notfallseelsorge", sagte Kantorin Stefanie Dröscher, die mit "Lalelu"-Chorleiterin Astrid Klocke und Schulchorchefin Elisabeth Müller das Programm zusammengestellt hatte.

Fein einstudiert hatten die Kinder zwischen sechs und 14 Jahren die Lieder, die sie mit ihren hellen Stimmen und auch mit toller Bühnenpräsenz darboten. Titel wie "Trage ein Licht", "Lieber Gott, schick uns deine Engel", "Dein Schutzengel" oder auch der "Abendsegen" aus der Oper "Hänsel und Gretel" waren zu hören. Besonderen Spaß machte ein Lied in Mundart: "Ich wünsch mir vom Hillije Mann, was man sich net koofe kann - ne echte Fründ..." Sonderapplaus gab es auch für den kleinen Trommler Jonas Schütz. Pfarrer Roebke las die Geschichte "Oma hat einen Engel gesehen" vor. Fazit: "Man erkennt einen Engel nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen."

Auch Notfallseelsorger Horst Spiehs, der beruflich im psychosozialen Bereich, in der Krisenintervention tätig ist, freute sich über das Engagement der Kinder. "Wir sind 30 Notfallseelsorger in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis." Das interdisziplinäre Team aus Geistlichen, Psychologen und Traumatherapeuten wird von Koordinatoren gelenkt und von Polizei und Feuerwehr in akuten Fällen für psychische Erste Hilfe gerufen; aber auch in der Nachsorge kommen die ehrenamtlichen Notfallseelsorger zum Einsatz.

Mehr als 300 Einsätze pro Jahr leisten sie. Kompetenz und örtliche Nähe sind dabei ihre Stärken. In höchstens 30 Minuten erreichen diese Engel ohne Flügel in der Regel ihre Einsatzorte. Mit dem Konzerterlös wird ihr Engagement unterstützt.