Typisierungsaktion in Oberpleis

Kerstin hofft auf ein zweites Leben

Glückliche Tage in Porto: Das Foto zeigt die 28-jährige Kerstin während eines Urlaubs vor zwei Jahren.

Glückliche Tage in Porto: Das Foto zeigt die 28-jährige Kerstin während eines Urlaubs vor zwei Jahren.

Siebengebirge. Familie und Freunde aus Oberpleis suchen einen Stammzellspender für die 28-Jährige Kerstin, die an einer akuten Form von Leukämie erkrankt ist. Eine große Typisierungsaktion findet am 3. September in der Aula des Gymnasiums am Oelberg statt.

An jenem Tag vor sechs Wochen, als Deutschland bei der Fußball-EM Frankreich unterlag, begann für Kerstin und Jonas Larbig der Alptraum. Da erhielten die Eltern der sechs Monate alten Maya in der Bonner Uniklinik die Diagnose, dass die 28-jährige Kerstin an akuter myeloischer Leukämie erkrankt ist.

Kerstin, die das Gymnasium am Oelberg in Oberpleis besucht hatte und inzwischen mit ihrer Familie in Poppelsdorf wohnt, bekam am Montag zuvor starkes Fieber. Die junge Frau suchte einen Arzt auf, der Verdacht auf eine Lungenentzündung stand im Raum. Bis Donnerstag verschlechterte sich ihr Allgemeinzustand so sehr, dass sie mit dem Rettungswagen ins Marienhospital gebracht wurde. Dort wurden verschiedene Untersuchungen gemacht. Danach ging es direkt weiter in die Uniklinik, wo sich weitere Tests anschlossen, bis sich der Verdacht auf Leukämie als Realität herausstellte. Kerstin wurde sofort auf die Intensivstation verlegt, weil ein Lungenflügel bereits erheblich in Mitleidenschaft gezogen und auch die Milz sehr stark vergrößert war.

„Wir haben dann dort das Fußballspiel zusammen auf der Intensivstation gesehen“, erzählt Jonas. Das junge Paar hatte an diesem Abend andere Sorgen als das Ausscheiden der deutschen EM-Kicker. Am folgenden Tag war Kerstins Zustand dann so kritisch, dass direkt mit dem ersten Chemotherapie-Zyklus begonnen wurde.

Nach einer Woche durfte sie auf die Station Liebermeister umziehen. In der vergangenen Woche fand der zweite Chemo-Zyklus statt. „Die Ärzte haben aber von Anfang an klar gemacht, dass Kerstin eine Stammzelltransplantation braucht“, sagt Jonas. Da jeder dritte Patient einen geeigneten Spender in der eigenen Familie findet, wurde Kerstins Bruder getestet, der aber nicht infrage kommt. Deshalb setzt die junge Familie jetzt ihre ganze Hoffnung darauf, weltweit einen Spender zu finden, was bisher noch nicht gelungen ist. In Deutschland haben sechs von sieben Blutkrebspatienten einen registrierten genetischen Zwilling, der durch seine Stammzellspende häufig zum Lebensretter wird.

 

Um Kerstin und anderen Patienten zu helfen, planen Familie und Freunde gemeinsam mit der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine Aktion zur Gewinnung neuer Spender. Sie findet am Samstag, 3. September, von 11 bis 16 Uhr in der Aula des Gymnasiums am Oelberg in Oberpleis statt. Auch Geldspenden wollen sie sammeln, da jede Typisierung pro Person rund 50 Euro kostet. Die Initiatoren hoffen deshalb, dass am 3. September ganz viele Leute kommen. Dazu werden in den kommenden Tagen auch Flyer verteilt und Plakate aufgehängt.

Der Flyer mit der Spendenadresse ist bereits bei Facebook auf der Seite „Kerstin will leben“ zu finden. Mehr als 2000 Personen haben ihn dort geteilt, über 150 000 gesehen. Die Wahl traf dabei keineswegs zufällig auf Oberpleis, obwohl der Lebensmittelpunkt der jungen Familie in Bonn liegt. Kerstin, die in Aegidienberg aufgewachsen ist, besuchte dort das Gymnasium. Ihre Mutter ist heute noch Kindergärtnerin in einer Oberpleiser Kita. Beraten wurde das Initiativteam von Klaus Breuer. Der ehemalige Schulleiter des Oelberg-Gymnasiums hatte vor viereinhalb Jahren die Typisierungsaktion für die Lehrerin Monika Werfel organisiert, bei der sich mehr als 1400 Menschen in Oberpleis und Niederdollendorf hatten testen lassen.

Ein Wochenende konnte Kerstin bisher nach Hause. Ihre Tochter Maya, am Rosenmontag geboren, darf sie an zwei Tagen in der Woche für rund eine Stunde sehen. Da Kindern der Zutritt zur Station nicht erlaubt ist, finden die Begegnungen in einem Raum statt, den die Bonner Leukämie-Initiative eingerichtet hat. „Wenn Kerstin das nicht hätte, wäre es ganz, ganz schwer. Für ihre Psyche ist das enorm wichtig“, sagt Jonas. Zum Glück seien seine Frau und er sehr positiv denkende Menschen. Auch das Krankenhaus, die Ärzte, vor allem aber die Familie, Freunde und Bekannten gäben ihnen extrem viel Kraft. Der 30-Jährige ist optimistisch, dass Kerstin schnell wieder auf die Beine kommt.

Die Typisierungsaktion findet am Samstag, 3. September, von 11 bis 16 Uhr in der Aula des Gymnasiums am Oelberg in Oberpleis statt