Anregungen für die Gemeindearbeit

Königswinterer holen sich Tipps auf den Philippinen

Udo Casel beim Begegnungscafé für Flüchtlinge. Die katholische Kirche soll zukünftig mehr durch Ehrenamtliche getragen werden.

Udo Casel beim Begegnungscafé für Flüchtlinge. Die katholische Kirche soll zukünftig mehr durch Ehrenamtliche getragen werden.

Königswinter. Wie können Ehrenamtliche für die Pfarrgemeinde Königswinter-Am Oelberg gewonnen werden? Pfarrer Markus Hoitz und Gemeindereferentin Judith Effing reisen dazu für neue Impulse auf die Philippinen.

Das Erzbistum Köln geht ganz neue Wege: Pfarrer Markus Hoitz und Gemeindereferentin Judith Effing sollen sich in den kommenden zweieinhalb Wochen auf den Philippinen Impulse für ihre Arbeit in der Pfarreiengemeinschaft Königswinter-Am Oelberg holen. Das Bistum fördert darüber hinaus ab dem 1. Januar 2018 eine 50-Prozent-Stelle für Engagementförderung im Siebengebirge.

Bei der Reise vom 21. November bis 8. Dezember in den Pazifikstaat sollen sich 18 Mitarbeiter der pastoralen Dienste im Erzbistum Köln von der dortigen Ortskirche für die eigene Arbeit inspirieren lassen. Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat größtenteils leitende Pfarrer sowie Pastoral- und Gemeindereferenten vor allem aus den großflächigen Seelsorgebereichen eingeladen, die ganz bewusst als Team auf die Reise geschickt werden.

Von den Philippinern lernen

Es ist bereits die dritte Reise einer Delegation aus dem Erzbistum auf die Philippinen. Es gebe nicht viele Orte auf der Welt, wo man so gut für die pastorale Entwicklung in Deutschland lernen könne, wie dort, heißt es in Köln. Obwohl 82 Prozent der 100 Millionen Filipinos katholisch sind, stehen dort nur wenige Priester und eine noch geringere Anzahl an anderen hauptberuflichen pastoralen Diensten zur Verfügung. Sehr große Pfarreien mit bis zu 70 000 Katholiken sind der Normalfall. Partizipation, Dezentralität und ein lebendiges Glaubensleben werden daher besonders groß geschrieben.

In diesen Punkten können die Katholiken hierzulande durchaus vom kirchlichen Leben in dem asiatischen Staat lernen. Der „Pastorale Zukunftsweg“, den Woelki im Erzbistum angestoßen hat, sieht eine Umgestaltung der Kirche vor, die weniger von Hauptamtlichen und mehr durch Ehrenamtliche getragen wird. Dabei sollen die Gemeindemitglieder ihre besonderen Gaben einsetzen.

„Bisher waren der Pastor und Diakon für alles zuständig. Es ist alles auf die hauptamtliche Ebene verlagert worden, statt Laien zu engagieren“, sagt Hoitz. Um diesen Prozess in Gang zu setzen und engagierte Menschen dafür zu gewinnen, hat das Erzbistum seinen 181 Seelsorgebereichen zugesagt, zunächst für einen Zeitraum von vier Jahren 20-Stunden-Stellen zu finanzieren.

Das Wohl der Menschen

Die Stelle des Engagementförderers soll dabei die frühere Begleitung der eigenständigen Arbeitsbereiche Ehrenamtskoordination, Flüchtlingshilfe und Lotsenpunkt für die Caritas ersetzen. „Sie alle dienen dem Wohl der Menschen. Die Kirche sieht jetzt verstärkt ihren gesellschaftlichen Auftrag und ist für die Welt da“, sagt Diakon Udo Casel. So hätten beispielsweise die Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit gezeigt, dass sich ganz andere Leute engagieren als bei anderen kirchlichen Angeboten.

„Da tauchen Leute auf, die wir sonst nie sehen.“ Laut Hoitz gibt es viele Gemeindemitglieder, die sich als katholische Christen bereits in Bürgervereinen engagieren und ihr Lebensumfeld mitgestalten. Diese Menschen anzusprechen und zu vernetzen, werde eine Aufgabe des Engagementförderers sein. Als weiteres Beispiel nennt er Eisbach. „Wie bekommt man ein solches bürgerschaftliches Engagement wie dort auch in anderen Ortsteilen hin?“, fragt Hoitz. Auch in Ruttscheid gebe es eine Gruppe, in der die Menschen sich zuerst getroffen hätten, um über die Bibel zu diskutieren, und später dann ein Maiansingen organisierten. „Solche Bewegungen sollen starkgemacht werden.“

Casel, Beauftragter für die Diakonie, verspricht sich von dem neuen Mitarbeiter oder der neuen Mitarbeiterin auch eine Entlastung. Der neue Mann oder die neue Frau könnten als Lotsenpunkt die Zusammenarbeit der Hilfe für besonders bedürftige Menschen mit den Ämtern und den evangelischen Kirchengemeinden koordinieren. Der neue Mitarbeiter wird künftig auch als einziger Laie dem Pastoralteam angehören. Allein das ist schon eine grundlegende Veränderung in der kirchlichen Arbeit.