Unübersichtliche Verkehrsführung

Königswinterer Promenade wird zur Fußgängerzone

Königswinter. Um die Verkehrsprobleme an der Rheinallee in Königswinter zu lösen, müssen Radfahrer demnächst im Schritttempo fahren oder stellenweise komplett absteigen. Die Stadt stellt derzeit entsprechende Schilder auf.

Später Nachmittag auf der Rheinallee in Königswinter zwischen Longenburg und Clemens-August-Straße. Eine Momentaufnahme: Ein junger Mann in Hemd, Bügelfaltenhose und Aktentasche über der Schulter fährt auf seinem Trekkingbike in Richtung Niederdollendorf – auf dem Geh-, nicht auf dem Radweg. In Gegenrichtung ist ein älterer Herr auf einem E-Bike unterwegs, ohne Hemd und ohne Helm, dafür mit relativ hoher Geschwindigkeit und freundlichem Lächeln im Gesicht. Gleich dahinter folgen zwei Radfahrer, augenscheinlich professionell ausgestattet vom Rennrad bis zum Helm, abwechselnd den Windschatten des Vordermanns nutzend. Mit Schritttempo jedenfalls ist hier niemand unterwegs. Zumindest noch nicht.

Das soll sich ändern. Der rund zwei Kilometer lange Abschnitt der Rheinallee zwischen Longenburg und der Haltestelle Denkmal wird künftig zur Fußgängerzone. Derzeit stellen städtische Mitarbeiter die entsprechenden Verkehrsschilder auf, die mit dem Zusatz versehen sind „Radfahrer frei“. „Das heißt, Radfahrer dürfen hier zwar fahren – allerdings maximal mit Schrittgeschwindigkeit“, erklärt Theo Krämer, Technischer Dezernent der Stadt Königswinter.

Radfahrer müssen absteigen

In einem rund 100 Meter langen Abschnitt zwischen Eselsbrunnen und Ampel an der Fähre, der verkehrstechnisch als besonders gefährlich gilt, heißt es künftig sogar: Radfahrer müssen absteigen und schieben. Die Quasi-Umwandlung in eine Fußgängerzone ist eine der Maßnahmen, die die Arbeitsgemeinschaft Fahrradwege beschlossen hat, um die Verkehrssicherheit auf der Uferpromenade zu erhöhen und brenzlige Situationen zwischen Fußgängern und Radfahrern zu entschärfen. „Es war Gefahr in Verzug“, sagt Krämer. „Wir mussten jetzt handeln.“

Im Mai stellte Thomas Baum vom Planungsbüro VSU im Bauausschuss die Ergebnisse einer umfassenden Untersuchung der Rheinallee vor. Insgesamt 79 Mängel am Rad- und Fußweg hatte der Stadtplaner aufgelistet, darunter die unübersichtliche Verkehrsführung, Stolperkanten, fehlende Markierungen, wacklige Geländer. Sein Fazit: Die Stadt hat ein Problem mit der Verkehrssicherungspflicht. „Eine grundsätzliche Neuordnung auf der Rheinallee kann es aber erst geben, wenn der Bahnübergang an der Drachenfelsstraße und die Ersatzstraße fertig sind“, so Krämer. „Das wird – im Idealfall – frühestens in fünf Jahren der Fall sein. So lange können wir nicht warten.“

20 neue Verkehrszeichen

Nach zahlreichen Ortsterminen habe sich die AG Fahrradwege, der Vertreter der Ratsfraktionen, des Allgemeinen Deutschen Fahrrad- Clubs (ADFC) und der Verwaltung angehören, zu einem Vorgehen in mehreren Schritten entschieden. Bis Monatsende sollen Stolperfallen wie Wurzeln und beschädigte Gehwegplatten auf dem gesamten Abschnitt entfernt werden. In dieser und der nächsten Woche stellen die städtischen Mitarbeiter 20 neue Verkehrszeichen auf, montieren im Gegenzug alte ab und nehmen erforderliche Markierungen vor. In Höhe Longenburg wurden zudem bereits zwei Barrieren versetzt installiert, eine weitere folgt noch in Höhe der Haltestelle Denkmal.

„Wir haben uns erst mal bewusst gegen die harte Variante entschieden“, stellt Krämer klar. Die hätte geheißen: Vollsperrung der Rheinallee für Radfahrer. „Uns ist klar, dass dieses Vorgehen nicht jedem gefallen wird“, räumt er ein. „Aber unsere Hoffnung ist, dass diese Aktion letztlich auf positive Resonanz stößt, akzeptiert wird und dazu führt, dass Radfahrer und Fußgänger mehr Rücksicht aufeinander nehmen.“

Situation wird gezielt beobachtet

In den kommenden Tagen und Wochen will die Verwaltung die neue Situation gezielt beobachten und in der nächsten Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses im September über die bis dahin gewonnenen Erkenntnisse berichten. „Wenn es gut läuft, können wir diese Regelung in den kommenden fünf Jahren fortführen“, hofft Krämer.

Wenn nicht, sehe die Arbeitsgemeinschaft nur die Möglichkeit, die Promenade für Radfahrer zu sperren und sie über eine Umgehung zu führen. Die könnte dann nach einer auch vom ADFC favorisierten Route von der Longenburg über den Bahnhof und die Wilhelmstraße über eine nicht noch nicht abschließend geklärte Strecke die Radfahrer in Höhe Denkmal wieder an den Rhein führen. „Aber“, so Krämer, „das wäre eine Maßnahme, die wir nicht wollen. Doch letztlich können wir nur an die Vernunft der Menschen appellieren.“