Rundgang mit dem Altstadtsanierer

Königswinterer Bahnhof als neue Visitenkarte

Über den Stand der Altstadtsanierung informieren sich Bürger und Politiker bei einem Rundgang. Hier sehen sie sich ein saniertes Haus an der Altenberger Gasse an.

Königswinter. "Aussagen werden nicht eingehalten, es gibt kein Feedback bei Anliegen! Sie kriegen viel Geld!" Dass die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) in der Altstadt keinen leichten Stand hat, wurde auch beim zweiten Sanierungsrundgang deutlich.

Werner Melchior, der technische Berater der Firma ZMB, konnte sich kaum zügeln. "Es wird viel versprochen und nichts gehalten. Die Leistung ist gleich null. Es wird viel Wind gemacht, aber es kommt nichts raus." Ins Detail gehen wollte Melchior freilich nicht bei seiner Schelte, die sich an Bernd Mailand und Dieter Wahlen von der DSK richtete.

Diesmal wurden Gebäude besichtigt, für deren Sanierung die Eigentümer bereits Zuschüsse erhalten haben. Zwei Projekte fallen in die Zuständigkeit der ZMB, der Zöller-Moses-Betriebsgesellschaft: das Drachenfelshotel mit der Eigentumswohnanlage an der Rheinallee und die ehemaligen "Königswinterer Stuben" an der Hauptstraße. "Es ist ein Verdienst von Werner Melchior, dass eine gemeinsame Lösung mit den Eigentümern herbeigeführt werden konnte", meinte Dieter Wahlen zu dem Objekt an der Rheinallee mit 33 Doppelzimmern im Hoteltrakt und den Eigentumswohnungen.

"Wir haben hier die Fassade gefördert." 70 Prozent der Mittel kommen von Bund und Land, 30 Prozent von der Stadt. "Unsere Investitionen liegen im siebenstelligen Bereich", so Melchior. Die Teilnehmer des Rundgangs, viele aus der Kommunalpolitik, besichtigten mit Betriebsleiterin Claudia Gatz den Hoteltrakt. "Zimmer, Bäder, Fenster - alles ist neu."

In dem sanierten Gebäude der ehemaligen "Königswinterer Stuben", wo vorübergehend im Erdgeschoss die "galerie 1" eingezogen ist, sind in der ersten und zweiten Etage bereits Hotelzimmer eingerichtet. Die dritte Etage ist noch im Urzustand. Das Gästehaus mit 14 Zimmern soll vom Drachenfelshotel betreut werden. Für das Erdgeschoss wird eine Gastronomie angestrebt. Empört war Melchior, weil die Denkmalbehörde nicht erlaubt hatte, dass ein Fahrstuhl eingebaut wird. 20.000 Euro Fördermittel flossen.

In einem der ältesten Häuser der Stadt an der Altenberger Gasse lebt seit 20 Jahren Rosemarie Werther. Sie nutzte 2008 die Gelegenheit, Fördermittel für die Restaurierung der Bruchsteinmauer des Gebäudes aus dem Jahre 1665 zu beantragen. Werthers Erfahrungen: "Man muss gut planen, um alle Gewerke unter einen Hut zu bringen. Die Arbeiten dürfen nicht vor Genehmigung beginnen. Es ist ein unglaublicher Papierkram."

Sogar ein Kindergarten hat Interesse angemeldet, in den alten Bahnhof einzuziehen. "Für viele Interessenten ist der Bahnhof reizvoll", so Architektin Severine Nicolaus, die mit ihrer Kollegin Katharina Chatterjee die Pläne vorstellte. Auch Reisezentrum, Arztpraxis, Physiotherapie, Apotheke und Verwaltung sind für die erste Etage denkbar. Im alten Wartesaal im Erdgeschoss wird es auf alle Fälle Gastronomie geben.

1,5 Millionen Euro stecken die Bauherren Horst Löwenberg und Bernhard Brodeßer von LBB-Immobilien in die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses, das auch barrierefrei werden soll und ein Blockheizkraft erhält. Die Glasfassade und die Aufteilung der Gebäude sollen bewahrt werden. Chatterjee: "Der Bahnhof wird wieder zur Visitenkarte der Stadt." Noch 2012 soll der Kaufvertrag zwischen der Stadt als Eigentümerin und LBB geschlossen werden. 2014 soll der Reisende am Bahnhof die Gastronomie nutzen können.