Nachlass eines verfolgten Künstlers

Königswinter zeigt den jüdischen Maler Manfred Weil

Vor den Bildern eines bis ins hohe Alter produktiven Künstlers: Manfred Weils Tochter Schulamith und seine Witwe Alisa.

Vor den Bildern eines bis ins hohe Alter produktiven Künstlers: Manfred Weils Tochter Schulamith und seine Witwe Alisa.

KÖNIGSWINTER. Der jüdische Maler, den die Flucht vor den Nazis in die Schweiz führte und der bis zu seinem Tod in Meckenheim arbeitete, hinterließ ein beeindruckendes Werk. In Königswinter sind auch bisher nie gezeigte Gemälde zu sehen.

Er malte bis zuletzt. Jetzt werden im Haus Bachem Werke des Künstlers Manfred Weil ausgestellt – auch solche, die bislang noch nie zu sehen waren. Tochter Schulamith Weil hat sie aus dem Nachlass genommen, gerahmt und im Saal des Bürgermeisteramtes zusammen mit älteren Werken ansprechend präsentiert.

„Die Malerei ist mein Lebenselixier“, hatte ihr Vater seine Beziehung zur Kunst beschrieben. Im hohen Alter von 94 Jahren starb er nach einem bewegten Leben, das auch von Verfolgung durch die Nazis geprägt war, im Mai 2015.

Den Dokumentarfilm von Werner Müller über Weils Leben „Mich kriegt ihr nicht!“ sah er noch in der Rohfassung. Der zweistündige Streifen wurde nun an Weils 98. Geburtstag im Haus Bachem gezeigt, mitten in seiner Bilder-Welt und im Beisein von seiner Witwe Alisa und seiner Tochter, die an diesem Tag besonders intensiv an ihn dachten. Alisa Weil: „Es sind heute schon einige Tränchen geflossen.“

Der jüdische Rheinländer, am 29. April 1920 in Köln geboren, floh aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Belgien, begann dort sein Studium an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen, wurde nach Frankreich deportiert, floh aus dem KZ Gurs und dann kreuz und quer durch Europa bis in die Schweiz. Er überlebte den Naziterror.

Weil zeichnete Karikaturen für den "Vorwärts"

Nach dem Krieg setzte er sein Studium an den Kölner Werkschulen fort, wirkte als freischaffender Künstler in Köln, Bonn und zuletzt viele Jahre in Meckenheim-Merl, war Dozent an der Volkshochschule, zeichnete lange für den „Vorwärts“ die Karikaturen. Dieser forsche Strich ist auch in manchen Arbeiten zu erkennen.

„Er hatte früher einen schnelleren Pinselstrich, hat auch manche Werke überarbeitet“, erzählt Tochter Schulamith beim Streifzug durch die Ausstellung. Die gezeigten Bilder sind in verschiedenen Techniken entstanden; sie tragen Titel wie „Antikes Monument“, „Winterhaus“ oder „Schiff an der Mole“.

Auch eine Kathedrale malte Manfred Weil, der Sohn des jüdischen Kaufmanns Emil Weil und dessen katholischer Ehefrau Anna, sowie das Bild „Rabbiner mit Thora“. Schulamith Weil: „Hin und wieder kommt das Jüdische in seinen Arbeiten sporadisch durch.“

Fünf Jahre lang wurde der Dokumentarfilm über ihn gedreht, ging es zu Schauplätzen seines Lebens und der Flucht, die Weil mit Chuzpe überlebte. „Eine ganze Serie gibt es mit Zügen“, berichtet die Tochter, die auch das Bild „Bahnhof“ für die Königswinterer Ausstellung wählte. Es lässt sofort an die Odyssee des Künstlers denken. „Mein Vater sagte: 'Naja, vielleicht hat sich’s eingeschlichen.' Er behauptete immer, man muss das Bild sich entwickeln lassen.“

Faible für Frauenbildnisse

An der Stirnseite hängt das große Ölbild mit dem Titel „In der Mittagspause“. Ein Mann sitzt auf der Bank, liest intensiv die Zeitung. Oft sind allerdings Frauen Weils Motiv. „Nun ja, die Frauen geben mehr her“, hatte der Künstler einmal die Frage beantwortet, warum er vorzugsweise Frauen malt. Er hatte ein Faible fürs Weibliche.

Mit allen ihren Facetten erfasste er Frauen, ob mit dem Rötelstift beim Bild „Blick in die Ferne“, als Gouache bei „Mädchen in Rot“, als „Löwenflüsterin“ oder als „Frau mit Katze“ in Öl. Schulamith Weil: „Er hat immer frei gemalt, aus dem Kopf. Bei einem Auftrag zeichnete er vor dem Modell und malte dann frei.“ Beeindruckend die wunderschönen Mädchen in Buntstift auf Samtpapier oder die Tuschezeichnung „Auf der Bank“.

Weil hatte die sensiblen Sensoren, um die inneren Gefühle seiner Protagonisten zu erspüren und darzustellen, ihre Freude oder Traurigkeit, ihre Hoffnung, auch ihren Stolz. Den reichen Schatz, den Manfred Weil hinterließ, stellt seine Familie weiterhin aus, so wie nun im Haus Bachem.

Die Ausstellung ist bis zum 16. Dezember im Haus Bachem, Drachenfelsstraße 4, zu sehen. Öffnungszeiten: samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr.