Initiative gegen das Insektensterben

Königswinter schafft insektenfreundliche Wiesen

Königswinter. Auf 55.000 Quadratmetern sollen in Königswinter bald Lebensräume für Bienen & Co. entstehen. Außerdem will die Stadt die Grünpflege umstellen, um Insekten zu schonen.

Selten waren sich die Mitglieder des Königswinterer Planungs- und Umweltausschusses so einig wie im vergangenen November, als die Verwaltung das Konzept dafür vorstellte, wie auf einer Gesamtfläche von 55.000 Quadratmetern insektenfreundliche Wiesen angelegt werden sollten. Dort sollen Pflanzen gedeihen können, die besonders viel Nektar und Pollen erzeugen und deshalb besonders von Honigbienen angeflogen werden.

Vorausgegangen war ein entsprechender Antrag der Koalition aus CDU, FDP und Grüner Alternative Königswinter. Anschließend wurden zusammen mit einem Fachbüro neun städtische Flächen identifiziert. Auf einigen von ihnen sollte mit Blühstreifen nachgeholfen werden, die mit sogenanntem autochthonen Saatgut angesät werden. Autochthone Pflanzen kommen in der Regel wild vor und haben sich an die gegebenen Umweltbedingungen angepasst. Auf allen Flächen soll darauf geachtet werden, dass nur noch mit einem Balkenmähwerk geschnitten wird, um sicherzustellen, dass die Insekten fliehen können. Das Mähen mit Kreiselmähwerken überleben sie meistens nicht.

Um das Projekt zu starten, wurde – wie von der Politik gewünscht – der Kontakt zu verschiedenen Umweltorganisationen und Imkern gesucht, wie die Verwaltung jetzt in einer Vorlage für den Planungs- und Umweltausschuss mitteilte. Diese reagierten zwar äußerst positiv, waren aber aus personellen oder finanziellen Gründen nicht bereit, die Flächen in Eigenregie umzuwandeln und anschließend zu pflegen. Lediglich eine beratende Tätigkeit stellten sie in Aussicht.

Stadt setzt Projekte eigenhändig um

"Aufgrund der Wichtigkeit des Projektes wurde entschieden, die Umsetzung eigenständig durchzuführen", heißt es in der Verwaltungsvorlage für die Ausschusssitzung. Hierzu wurden sechs Flächen ausgewählt, auf denen die Pflege auf die Bedürfnisse einer Insektenweide abgestimmt wurde.

Bereits umgesetzt wurde die Maßnahme mit Nachsaat auf einer Fläche in Heisterbacherrott zwischen Friedhof und Multifunktionsplatz. Auch am Bootshaus in Oberkassel, das auf Königswinterer Gebiet liegt, wurde die Pflege umgestellt. Am Klärwerk in Dollendorf wurde eine Wiesenfläche aufgefräst und mit autochthonem Saatgut neu eingesät.

Darüber hinaus sollen die geplanten Maßnahmen auf weiteren vier Flächen realisiert werden – auf dem ehemaligen Rhenag-Gelände an der Hauptstraße in Niederdollendorf, am Waldfriedhof in Oberdollendorf sowie auf einer Fläche an der Straße Im Untersten Garten in Heisterbacherrott. Die Fläche zwischen der Dollendorfer Straße und dem Fronhofgelände in Heisterbacherrott soll beispielsweise zweimal im Jahr mit dem Balkenmäher gemäht werden. Das Mahdgut wird anschließend ausgetragen und abgefahren. Etwa 20 Prozent der Fläche werden nicht gemäht, damit die Insekten dort überwintern können.

Straßenbegleitgrün soll seltener gemäht werden

Durch den erhöhten Aufwand bei der Pflege der Grundstücke, die nun allein Aufgabe der Stadt ist, entstehen Mehrkosten in Höhe von rund 20.000 Euro. Die Verwaltung würde gerne auch noch einen Schritt weitergehen: Durch eine Änderung bei der Pflege des sogenannten Straßenbegleitgrüns sollen die Blühflächen vergrößert werden, um den Insekten besonders in Zeiten, in denen die Weiden in der Landwirtschaft gemäht werden, mehr Nahrung zu bieten.

Hierzu soll künftig der erste Schnitt, der im April und Mai aus Gründen der Verkehrssicherheit erfolgt, nur an den Randbereichen und in den erweiterten Kreuzungsbereichen durchgeführt werden. Das soll auch für den zweiten Schnitt im Juni oder Juli gelten. Nur beim dritten Durchgang von August bis Oktober sollen dann alle Bereiche und zusätzlich alle Wirtschaftswege gemäht werden. Diesem Vorschlag muss der Planungs- und Umweltausschuss bei seiner Sitzung am Mittwoch, 11. September, um 17 Uhr im Rathaus Oberpleis erst noch zustimmen.