Theater vor der Chorruine Heisterbach

Kölner N. N. Theater begeistert 700 Zuschauer

HEISTERBACH. "20.000 Meilen unter dem Meer", "Heidi" und "Der Brandner Kaspar" standen beim Sommertheater des Kölner N. N. Theaters vor der Chorruine Heisterbach auf dem Programm. Die Fortsetzung für 2019 ist bereits geplant.

Ein ernstes Thema – aber so einige Lacher unter den 270 Besuchern gab es dennoch beim Stück „Der Brandner Kaspar“, das vom N.N. Theater Köln vor der Chorruine von Heisterbach zum Abschluss des Sommertheaters aufgeführt wurde.

Es entbehrt ja auch nicht einer gewissen Komik, wenn der schwarzgekleidete, bleich ausschauende Tod das Taschentuch zum Schnäuzen vom vermeintlich nächsten Opfer annimmt. Oder sich von dem Mann mit Kirschgeist abfüllen lässt und ihm die Hand reicht, damit er in den Bergen Edelweiß für die Liebste pflücken kann. Das Freilufttheater war voll besetzt – und nach der Aufführung erhoben sich die Besucher, um die drei Akteure mit Applaus zu überschütten.

Eindrucksvoll, dass ein so kleines Ensemble die Geschichte vom Brandner Kaspar, die auf einer Erzählung von Franz von Kobell aus dem Jahre 1871 basiert, so mitreißend auf die Bühne bringt und dabei die simple Kulisse – ein kuppelförmiges Zelt aus Kunstfolie – so geschickt auszunutzen versteht, dass sie mal Tanzsaal, mal Himmel mit Petrus, mal steiler Berg, mal Krankensaal und ein weiteres Mal das Zuhause vom Brandner ist.

Kartenspiel um weitere Lebensjahre

Der Brandner, von Michl Thorbecke gespielt, der zudem auch den brummelnden Petrus abgab, ist rüstiger Büchsenmacher und Jagdhelfer am Tegernsee. Der Witwer hat zwei gestandene Söhne, Georg und Toni, und seinen zweiten Frühling mit Marie. Logisch, dass er sich wehrt, dem Tod, auch Boandlkramer genannt, zu folgen. Vielmehr ringt er ihm ab, um weitere Lebensjahre Karten mit ihm zu spielen. Und damit der Kramer, von Gregor Höppner kongenial dargestellt, Kaspars kleine Schummelei beim Kartenmischen nicht bemerkt, macht er ihn betrunken.

Schließlich ist klar: Der Brandner ist erst in 20 Jahren, mit 90, reif für den Tod. Dafür fälscht der Boandlkramer auch das Buch des Petrus und bringt etwas Unordnung in die himmlische Ordnung. Bernd Kaftan ist der dritte Schauspieler im Bunde, der die Huberliesl als Randfigur verkörpert und eindrucksvoll für Musik und Ton sorgt. Ein gelungener Schachzug, diese Lebensverlängerung?

Der Büchsenmacher jedenfalls verliert seine neue Flamme beim Fest an einen anderen Mann – die Zuschauer beobachten die Ballbesucher beim Tanz durch die geöffnete Zelttür dank einer geschickten Regie durch Ute Kossmann und Christine Per. Kaspars beide Söhne fallen im Krieg. Bemerkenswert, wie hinter der durchsichtigen Wand der Kampf der Soldaten als Schattenspiel dargestellt wird. Schließlich sehnt sich der Brandner Kaspar nach dem Jenseits, als der Kramer ihn ins Paradies schauen lässt. Auf des Kramers Schwingen geht es hinüber. Auch dieser Schluss: genial. Der Tod – er ist im prallen Leben zu Hause.

Nicht minder begeistert waren auch die rund 320 Zuschauer, die zum Auftakt der Sommerbühne die Aufführung „20 000 Meilen unter dem Meer – Ein stürmisches Tiefseeabenteuer“ sahen. Sonntag brachte das Ensemble zudem „Heidi“ samt Almöhi und Ziegenpeter vor rund 100 Besuchern auf die Bühne. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Mitorganisator Tom Simon angesichts der rund 700 Zuschauer insgesamt. Die Fortsetzung des Theaters steht bereits fest. Termine sind der 30./31. August sowie der 1. September 2019.