Historisches Anwesen

Junges Paar renoviert Königswinterer Villa Thomé

Niederdollendorf. Die leerstehende Hofanlage hatte es Martin Lieber und Johanna Kurscheid schnell angetan, nachdem sie nach Niederdollendorf gezogen waren. Vor einem guten Jahr kauften sie das alte Gemäuer, um es zu restaurieren. Es ist zum Schmuckstück geworden.

Herr Thomé muss in der Hofanlage mit Haupthaus, Gesindehaus und Remise auf dem 1800 Quadratmeter großen Grundstück prächtig gelebt haben. Mehr als der Name ist allerdings von dem Herrn, der Ende des 18. Jahrhunderts die nach ihm benannte Villa an der Hauptstraße in Niederdollendorf errichten ließ, nicht bekannt.

Auch wenn die neuen Eigentümer, Johanna Kurscheid und Martin Lieber, die im Dezember Nachwuchs erwarten, in Zukunft gerade mal 170 der 750 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche in den drei Gebäuden selbst nutzen, lässt es sich darin wieder sehr gut wohnen.

Das war nicht immer so. „Das Haus verfiel immer mehr“, sagt Kurscheid. Die beiden – er Bornheimer, sie Troisdorferin – schauten dabei quasi zu, nachdem sie 2015 nach Niederdollendorf gezogen waren. Mit der Zeit warfen sie selbst ein Auge auf die Villa.

Kirchengemeinde gab dem Paar den Zuschlag

Und als dann eines Tages ein Schild „Zu verkaufen“ an dem Gebäude hing, schrieben sie der Kirchengemeinde Sankt Michael als Eigentümerin einen Brief. „Es gab noch andere Interessenten, aber man hat sich dann für uns entschieden. Wohl weil wir die Gebäude erhalten wollten“, vermutet Lieber. Im August 2017 unterschrieben sie den Notarvertrag.

Dabei wäre ein Abriss des Haupthauses, das in der heutigen Form im Jahr 1870 neu errichtet worden war, durchaus gerechtfertigt gewesen. Die Statik des Gebäudes hatte sehr gelitten. Die Schäden waren so massiv, dass der Zimmermann etliche tragende Balken erneuern musste.

Um so erstaunlicher ist, dass es trotzdem seit dem Beginn der Sanierung im September 2017 „nicht eine Stunde Bauzeitverzögerung gab“, so Lieber. „Es ist nichts Unvorhersehbares passiert, weil wir vom Schlimmsten ausgegangen sind.“

Die beiden wussten über den Zustand der Gebäude Bescheid, nachdem sie vor dem Kauf einzelne Bauteile öffnen durften. Dabei half, dass Lieber vom Fach ist: Der gelernte Elektrotechnikermeister, der auch schon bei einer Firma für Altbausanierung beschäftigt war, kümmert sich bei der Sanierung nicht nur um die Elektrik, sondern auch um die Bauleitung, den Heizungsbau, die Sanitäranlagen und die Inneneinrichtung. „Eben um alles,was kompliziert ist“, sagt der 40-Jährige.

Mit seinem derzeitigen Arbeitgeber hat er für die Bauphase eine Teilzeitvereinbarung geschlossen. Johanna Kurscheid arbeitet als Ärztin im Johanniterkrankenhaus. „Wir wollten so modernisieren, dass man sieht, dass es ein altes Haus ist. Wir haben nach historischem Vorbild gearbeitet“, so Lieber.

Geschichtsbewusst und mit Fingerspitzengefühl saniert

Das Haupthaus wurde dabei komplett entkernt und in seiner Raumaufteilung verändert. Die Villa steht mit ihrer repräsentativen Pilaster-Fassade seit 1988 unter Denkmalschutz. Und auch wenn innen nur das Treppenhaus, der Fliesenboden und ein Teil der Türen denkmalgeschützt sind, wurde überall geschichtsbewusst saniert. So wurden die 3,50 Meter hohen Decken mit Stuckelementen und das sonst moderne Bad mit Fliesen im Jugendstil verziert.

Vor allem die Villa Thomé spart nicht mit Reizen. Die denkmalgeschützten Mettlacher Platten im Flur sind ein echter Hingucker. Die schmiedeeiserne offene Wendeltreppe, über die man vom Esszimmer im Erdgeschoss das Wohnzimmer im ersten Obergeschoss erreicht, ist es nicht minder.

Das gilt auch für die Maisonettewohnung im zweiten Obergeschoss mit ihren Fachwerkbalken, die allerdings nur noch der Deko dienen. Oder den halbrunden Fenstern. Und der Zugang zu einer Dachterrasse mit Siebengebirgsblick. Auch von außen hat das Ensemble aus drei Gebäuden gewonnen.

Der erste Mieter ist schon eingezogen

Die Remise wurde von dem weniger ansehnlichen Putz befreit und zeigt jetzt ihr ursprüngliches Gesicht aus Fachwerk und Backstein. Und die Villa ist wieder ein echtes Schmuckstück. In der ehemaligen Remise mit 165 Quadratmetern wohnt bereits seit März der erste Mieter. Im August zogen Lieber und Kurscheid selbst in das Haupthaus, während die 95 Quadratmeter große Maisonettewohnung im Dachgeschoss noch im Bau ist.

Eine komplette Großbaustelle ist zurzeit noch das ehemalige Gesindehaus, von dem nur zwei Außenwände stehen geblieben sind. „Da konnten wir die losen Holzbalken als Brösel mit den Händen raustragen“, sagt Kurscheid. Im Mai 2019 soll die 140 Quadratmeter große Wohnung bezugsfertig sein. Irgendwann folgen die Außenanlagen.

Ohne die Vermietung an drei Parteien wäre die Sanierung nicht zu finanzieren gewesen. Mit einem Auge auf mögliche Mietinteressenten wurde der Baufortschritt zunächst auf einer Homepage und schließlich, weil es einfacher war, auf Facebook dokumentiert. Auf den Fotos ist das Paar teilweise nur zwischen nackten Mauern zu sehen.

Alte Fässer im Keller zerfielen bei Berührung

Auch wenn Kurscheid und Lieber der Sinn zurzeit noch nicht nach großer Party steht – den Raum dafür hätten sie. In einem ehemaligen Gewölbekeller liegen einige alte Weinfässer. Weitere Fässer zerfielen beim Berühren in ihre Bestandteile.

Hier sollen später einmal Mieter und Eigentümer feiern können. Auch einen Brunnen gibt es auf dem Grundstück, 15 Meter tief und trotz der Nähe zum Rhein zurzeit – wegen des niedrigen Pegels – ohne einen Tropfen Wasser.

Das Schönste für die neuen Eigentümer der Villa Thomé ist aber, dass sie sich in Niederdollendorf jetzt richtig angekommen fühlen. „Hier freuen sich alle, dass wir bauen“, sagt Johanna Kurscheid. „Mancher bleibt vor dem Haus einfach stehen und sagt, wie toll er es findet, was wir aus der Villa gemacht haben.“