Chancen für junge Leute

Jugendliche lernen Selbstständigkeit in Oberdollendorf

Fertig ist das neue Appartementhaus am Jugendwohnheim.

Fertig ist das neue Appartementhaus am Jugendwohnheim.

Oberdollendorf. Das neue Appartementhaus des Jugendwohnens Sankt Sebastian hat eröffnet. Der Neubau unterstützt das pädagogische Konzept der Einrichtung, das in einer späteren Phase des Aufenthalts auf eine größere Selbstständigkeit seiner Bewohner setzt.

Das strahlende Wetter spiegelte die Stimmung bei den Bewohnern und Mitarbeitern des Jugendwohnens Sankt Sebastian in Oberdollendorf. Nach weit über einem Jahr reger Bautätigkeit auf dem Gelände, im Zuge dessen reichlich Unruhe in der Einrichtung herrschte und einige Schülerinnen sogar in den Keller umziehen mussten, ist der Neubau endlich fertig. Pfarrer Darius Glowacki segnete das neue Haus.

Der Neubau unterstützt das pädagogische Konzept der Einrichtung, das in einer späteren Phase des Aufenthalts auf eine größere Selbstständigkeit seiner Bewohner setzt. Dazu sind in dem neuen Gebäude sieben neue Appartements entstanden, die zu den fünf im Altbau dazukommen. Damit bietet die Einrichtung nun insgesamt 17 Plätze im Verselbstständigungsbereich an. Fünf Jugendliche wohnen noch nicht in einem eigenen Appartement.

Eigene Appartements mit 24 Quadratmetern

Der Grundstein war im Mai 2017 gelegt worden. Die Idee, einen Neubau zu errichten, datiert genau zwei Jahre zurück. Sie hatte zwei Gründe: Das alte Haus Moringen wies Feuchtigkeitsschäden auf und musste abgerissen werden. Außerdem ist die Nachfrage nach Plätzen in der Einrichtung deutlich größer als das Angebot. „Wir haben unglaublich viele Anfragen. Wir können die Nachfrage nicht decken“, sagt Einrichtungsleiter Dietmar Willmann.

Im Jugendwohnen Sankt Sebastian sind Jugendliche und junge Erwachsene untergebracht, die durch die Jugendämter im Bereich der Hilfen zur Erziehung vermittelt werden und in der Einrichtung meist zunächst in einer Regel- oder Intensivgruppe betreut werden. Hierfür stehen 18 Plätze zur Verfügung. Mit den 17 Plätzen im Verselbstständigungsbereich sind jetzt insgesamt 35 vorhanden. Dazu kommen elf Plätze im MUT-Projekt für Schulverweigerinnen. Die Appartements, für die die Jugendlichen einen eigenen Schlüssel haben, sind jeweils 24 Quadratmeter groß und haben eine Küchenzeile sowie eine eigene Dusche und Toilette. „Vertrauen und Verlässlichkeit sind die Basis dafür, ein Appartement zu beziehen“, sagt Willmann. In der Regel gehen die Jugendlichen mit 17 Jahren in die eigene kleine Wohnung. Nach ein bis eineinhalb Jahren werden sie dann in die komplette Selbstständigkeit entlassen. Die Gesamtdauer des Aufenthalts im Jugendwohnen Sankt Sebastian liegt bei zwei bis drei Jahren. Die jüngsten Bewohner sind 13 bis 14 Jahre alt.

Bürgermeister Peter Wirtz begrüßte den Neubau „für junge Menschen, die woanders keinen Platz finden“. Durch die Erweiterungsmaßnahme habe der Campus unheimlich gewonnen. Er wünschte der Einrichtung, dass „der Aufbruchsgeist aus der Baumaßnahme fortbesteht und neuen Schwung im Interesse derer, die hier wohnen, bringt“.

Kosten von mehr als einer Million Euro

Der Neubau hat etwas mehr als eine Million Euro gekostet. Harry Wolff, Geschäftsführer der Heimstatt e.V. Bonn, die Trägerin der Einrichtung ist, betonte, dass in den Kosten die Umbaumaßnahmen für das MUT-Projekt, das eine neue Küche sowie neue Unterrichts- und Aufenthaltsräume erhalten hat, enthalten sind.

Neu entstanden ist auch ein Büro mit Besprechungsraum für die Mitarbeiter. Dieses steht auch für ambulante Hilfen zur Verfügung. Hierfür wurde eigens eine neue Fachkraft eingestellt. Außerdem wird die Einrichtung künftig durch ein neues Blockheizkraftwerk beheizt. Als letzter Teil harrt nur das Außengelände noch seiner endgültigen Fertigstellung. Hier fehlen noch vier Bäume, die in Zukunft Schatten spenden sollen.

Bei der Einweihung suchten die Gäste, unter ihnen auch mehrere Mitglieder der CDU-Ratsfraktion, Zuflucht unter einigen Zelten. Zu den Eingeladenen zählten auch die Nichte und der Neffe des Gründers Pater Johannes Haas, der die Einrichtung 1946 als Lehrlingswohnheim ins Leben gerufen hatte. Zu seinen Ehren wird demnächst eine Gedenktafel aufgestellt.