Ersatz für Palastweiher-Unterkunft

Jugendhof soll zum Winterquartier werden

KÖNIGSWINTER. Der Jugendhof Rheinland soll zum Winterquartier für Flüchtlinge werden, die in Königswinter in einer Notunterkunft leben. Die Stadt hofft auf eine rasche Einigung mit der österreichischen Jufa Jugend & Familiengästehäuser Holding GmbH als neuer Eigentümerin.

"Wir stehen in aussichtsreichen Verhandlungen mit dem Unternehmen", sagte der technische Dezernent Theo Krämer gestern dem General-Anzeiger auf Nachfrage. Erst wenn der Vertrag mit der Jufa abgeschlossen sei, könne man allerdings in die Detailplanungen gehen. Erst dann wird auch feststehen, wie viele Flüchtlinge im Jugendhof Rheinland vorübergehend untergebracht werden können. Am Palastweiher leben bis zu 100 Menschen in Zelten.

Mit zwei weiteren Eigentümern, deren Liegenschaften ebenfalls Optionen für eine Notunterkunft sein könnten, wird die Stadt noch Kontakt aufnehmen.

"Es wird höchste Zeit, dass wir eine Unterkunft finden. Die Flüchtlinge müssen dringend aus der Zeltstadt am Palastweiher raus", meinte Krämer gestern. Die Pagodenzelte sind zwar beheizbar, bei Frost aber kaum mehr geeignet. Nach Angaben der Bezirksregierung bleibt die Notunterkunft in Königswinter mindestens sechs Monate bestehen. Die ersten Flüchtlinge kamen hier am 21. August an. Die Notunterkunft wird inzwischen vom DRK Westfalen-Lippe betrieben.

Der Jugendhof ist für die Stadt besonders interessant, weil die Jufa den Gebäudekomplex erst im Laufe des kommenden Jahres umbauen und sanieren möchte. Am 29. Juni 2015 hatte das in Graz beheimatete Unternehmen einen Erbpachtvertrag mit dem Landschaftsverband Rheinland unterzeichnet, der dem neuen Eigentümer die Nutzung und ein Vorkaufsrecht einräumt.

Das ehemalige Tagungsgebäude unterhalb des Petersbergs soll bis Frühjahr 2017 in eine Herberge für Jugendliche, Familien und Seminargäste umgebaut werden. Offizieller Name: "Jufa Hotel Rheinland. Tor zum Naturpark Siebengebirge". Geplant sind insgesamt 78 Zweibett- und Vierbettzimmer mit 150 bis 165 Betten. Das Gebäude soll umfangreich saniert werden.

Noch in dieser Woche sollen nach Angaben der Stadt 42 weitere Asylbewerber in Königswinter eintreffen, fünf wurden bereits zugewiesen. Asylbewerber sind im Unterschied zu den Menschen in der Notunterkunft bereits registriert und haben im Normalfall bereits einen Asylantrag gestellt. Danach werden sie auf Wohnheime in ganz NRW verteilt.

Parallel zur Suche nach einer Alternative zur Notunterkunft am Palastweiher treibt die Stadtverwaltung mit Hochdruck auch die Planungen zum Bau weiterer Heime für Asylbewerber voran. Bisher sind sie im Flüchtlingsheim in Stieldorf, in der Oberpleiser Paul-Moor-Schule, die aber eigentlich nur ein Provisorium sein soll, sowie dezentral in Wohnungen untergebracht. Zurzeit sind das in Königswinter 348 Menschen. Mit den 47 Neuzuweisungen wären es mehr als 390. Dazu kommen die zurzeit 80 Flüchtlinge in der Notunterkunft am Palastweiher.

Der Jugendhof

Wo sich jetzt der Jugendhof Rheinland befindet, stand einst Haus Heisterberg inmitten eines Weinbergs, dem Pfaffenröttchen, wo die Reben des Klosters Heisterbach wuchsen.

Haus Heisterberg wurde 1872 als Altersruhesitz des Kaufmanns Albert Heinrich Caron erbaut und 1919 an den Kölner Industriellen Ottmar E. Strauss verkauft. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude beschädigt und nach dem Krieg abgerissen.

1953 ging die Ruine an den Landschaftsverband Rheinland, der dort den Jugendhof Rheinland erbauen ließ. Das Haupt- und Verwaltungsgebäude wurde 1959 in Betrieb genommen.