Bilanz der Familienberatung

Immer häufiger familiäre Konflikte im Siebengebirge

Eine Familie auf dem Weg zur Beratung: Vor allem Streit oder Trennung der Eltern bringen Familiensysteme ins Wanken. (Symbolfoto)

Eine Familie auf dem Weg zur Beratung: Vor allem Streit oder Trennung der Eltern bringen Familiensysteme ins Wanken. (Symbolfoto)

Siebengebirge. Die Zahl der Beratungen bei der Familien- und Erziehungsberatungsstelle der Städte Bad Honnef und Königswinter ist erheblich gestiegen. Anlass für Beratungen geben vor allem familiäre Konflikte.

Wenn der Alltag einer Familie mit Problemen und Streitigkeiten belastet ist, hat dies nicht selten massive negative Auswirkungen auf die Kinder. Einen Beleg dafür liefert die Statistik der gemeinsamen Familien- und Erziehungsberatungsstelle (FEB) der Städte Bad Honnef und Königswinter. Allein 127-mal machten deren Mitarbeiter im vergangenen Jahr familiäre Konflikte als Beratungsgrund aus. Die Anzahl solcher Fälle ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen, 2017 waren es 102 Fälle. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, den die FEB vorgelegt hat.

„Die Zahl der Kinder, die durch familiäre Konflikte belastet sind, ist bedauerlicherweise seit Jahren konstant hoch“, heißt es in der Bilanz. Solche Konflikte werden von den Mitarbeitern als häufigste Ursache für den Beratungsbedarf genannt, gefolgt von eingeschränkter Erziehungskompetenz der Eltern oder Personensorgeberechtigten (60) und Auffälligkeiten im sozialen Verhalten der jungen Menschen (52).

Anlass für Beratungen gaben auch Entwicklungsauffälligkeiten (47), Problemlagen der Eltern (25) sowie schulische und seelische Probleme (18). In drei Fällen lag eine Gefährdung des Kindeswohls vor. Nachdem die Gesamtzahl der Beratungsfälle in 2017 mit 363 erstmals seit Bestehen der FEB unter 400 geblieben ist, stieg sie in 2018 wieder auf 452 Fälle. Es sei ein „beratungsintensives Jahr“ gewesen. Erheblich gestiegen ist die Zahl der Neuaufnahmen. Nachdem sie im Vorjahr leicht auf 270 zurückging, stieg die Zahl in 2018 um fast ein Viertel auf 331.

Anstieg der Neuanfragen

Mit 109 Anmeldungen kamen rund ein Drittel der Neuanfragen aus Bad Honnef, was einen Anstieg von rund 42 Prozent bedeutet. Aus Königswinter kamen 208 neue Anfragen. Zu 14 Fällen gab es keine Angabe. „Es freut mich, dass wir als Beratungsstelle aufgesucht werden und dass wir bekannter werden“, zieht FEB-Leiter Jürgen Scheidle ein Fazit. Bei 89 der im vergangenen Jahr abgeschlossenen Fälle ging es um Trennung oder Scheidung.

Die Zahl der Beratungsanfragen in diesem Kontext sei gleichbleibend hoch, so der Bericht. Rund 35 Prozent aller Beratungen berührten das Thema sowie deren Folgen für das Familiensystem direkt oder indirekt. Insgesamt wurden 284 Beratungen abgeschlossen, mehr als die Hälfte (171) davon innerhalb von drei Monaten. Lediglich in 23 Fällen dauerte die Begleitung länger als zwölf Monate.

Aktionswoche wird wiederholt

Neben den statistischen Werten stellt der Bericht auch inhaltliche Schwerpunkte des Arbeitsjahres vor. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens 2018 rief die Beratungsstelle das Angebot „5 Tage – 5 Themen“ ins Leben. An fünf aufeinenderfolgenden Tagen ging es um die Erziehungsthemen Kommunikation im Familienalltag, Eltern und Familie im digitalen Zeitalter, Regeln und Grenzen in der Erziehung, die emotionale Entwicklung von Kindern sowie das Abenteuer Pubertät.

„Die Aktionswoche soll es vom 18. bis 22. November noch einmal geben“, kündigt Scheidle an. Regeln und Grenzen in der Erziehung, das Selbstbewusstsein von Kindern, die kindliche sexuelle Entwicklung sowie Kommunikation sollen Themen sein.

Digitale Beratungsstelle

In der Teamklausur Anfang dieses Jahres war die digitale Beratungsstelle ein Thema. Dabei ging es um die Erreichbarkeit und Präsenz der FEB im Internet, aber auch um die Frage, wie sich die Beratungsstelle dort präsentieren will. Erkenntnis: „Wollen wir Eltern und vor allem Jugendliche erreichen, muss die FEB in jedem Fall neue Zugangswege ermöglichen.“

Im Herbst will die Beratungsstelle daher erstmals einen Elternabend in einem digitalen Format anbieten: In Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) Siebengebirge wird zunächst eine Woche lang der erste Teil eines Beitrages zur Pubertät in einer geschützten Cloud der VHS digital zur Verfügung gestellt, anschließend findet ein Elternabend dazu am Donnerstag, 14. November, in der Beratungsstelle in Königswinter statt.