ZDF-Show auf Schloss Drachenburg

Holzfigur bringt 9000 Euro bei Bares für Rares in Königswinter

Königswinter. Für die vierte Primetime-Ausgabe von "Bares für Rares" hatten sich die Macher der ZDF-Show mit Schloss Drachenburg in Königswinter nicht nur einen besonderen Ort ausgesucht; es stand auch Weltmeisterliches zum Kauf an.

Eine tolle Kulisse hatten sich die Macher der ZDF-Trödelshow für die vierte Primetime-Ausgabe von "Bares für Rares" am Donnerstagabend ausgesucht. Das Team um Horst Lichter traf auf sich Schloss Drachenburg in Königswinter. Da bei der Aufzeichnung Ende April super Wetter geherrscht hatte, gab es wunderschöne Bilder vom Drehort. Gerade die Luftaufnahmen mit dem Rhein im Hintergrund sorgten für besonderes Flair. Mit der Sendung erreichte das ZDF 5,03 Millionen Menschen bei einem Marktanteil von 19,0 Prozent.

Passend zur Kulisse hatte sich das ZDF auch ein paar wahre Schätzchen ausgesucht, die zunächst die Experten Heide Rezepa-Zabel, Albert Maier, Sven Deutschmanek und Detlev Kümmel zu begutachten und schätzen hatten, ehe die Händler im Schloss dann darauf bieten konnten.

So war das absolute Highlight eine echte Goldmedaille von der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien, bei der Deutschland Weltmeister wurde. Diese Goldmedaillen wurden damals in einer limitierten Auflage von 100 Stücken produziert. Von den 585er Goldmedaillen wurden allerdings nur 32 tatsächlich auch verliehen, an Spieler, Trainer und einige DFB-Funktionäre. Und eine dieser 32 ganz besonders angefertigten Medaillen - an den Noppen für das Halsband zu erkennen - hatte Fabian Fuhrmann mitgebracht. Der 28-Jährige hatte das Goldstück bei einer Auktion für knapp 10.000 Euro ersteigert, zuletzt war es drei Jahre im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln ausgestellt.

Verkäufer nahm Medaille wieder mit nach Hause

Fuhrmann wünschte sich für die Medaille mehr als 10.000 Euro, was für ein Raunen im Publikum sorgte.  Deutschmanek schätzte das Stück aber sogar auf 25.000 Euro, da nicht klar war, wem sie verliehen wurde. Wäre das eindeutig gewesen, hätte der Experte den Wert noch höher angesetzt. Hätte die Medaille beispielsweise um den Hals von Lothar Matthäus gehangen, hätte Deutschmanek die Medaille auf 100.000 Euro taxiert.

Mit dem Wissen ging es für Fuhrmann zu den Händlern Ludwig "Lucki" Hofmaier, Wolfgang Pauritsch, Susanne Steiger, Walter "Waldi" Lehnertz, Fabian Kahl, Julian Schmitz-Avila und Elke Velten. Die starteten sparsam mit ihren Geboten und endeten zunächst bei 2500 Euro. Nachdem Verkäufer Fuhrmann die Expertise zitierte, bot Wolfgang Pauritsch noch 12.000 Euro. "Vorher hätte ich darüber wahrscheinlich geredet, aber nachdem ich die Expertenschätzung kenne, bin ich da nicht dabei. Unter der Expertise gebe ich es nicht ab", so der Verkäufer, der das Stück schließlich wieder mit nach Hause nahm.

Mit dem größten Batzen Geld aus der Sendung marschierte so Robert Logister. Der Niederländer hatte eine Skulptur aus Holz mitgebracht. Laut Expertise dürfte die Plastik zwischen 1680 bis 1720 geschnitzt worden sein. Da es sich bei dem verwendeten Material um Lindenholz auf Nussbaum gebeizt handelte, das gut verarbeitet werden konnte, könne das Stück aus Süddeutschland oder möglicherweise auch aus Frankreich stammen.

Die große Figur eines Römers könnte ein Teil einer monumentalen Kreuzigungsgruppe gewesen sein und fand Anklang bei den Händlern. Am Ende ging die Skulptur für 9000 Euro an Fabian Kahl. Logister hatte sich 10.000 Euro dafür gewünscht, die Schätzung lag bei 8000 bis 9000 Euro. Am Ende war der Niederländer aber mit dem Geschäft zufrieden.

Außergewöhnlich war auch ein sogenanntes Lampophon. Es demonstriert, wie schon in den 1920er Jahren versucht wurde, Technik in Möbel zu integrieren. Bei dem Stück wurde ein stromangetriebener Plattenspieler in eine Stehlampe eingebaut. "Da aber der Tonarm mit 'Made in England' gemarkt ist, könnte ebenfalls das etwas pompös wirkende Gestell aus der Art Déco-Zeit der 20er Jahre auch von dort stammen", so die Expertise.

Unter dem Plattenteller aus geprägtem Messing mit Motiven im arabischen Stil befindet sich die eigentliche Lampe. Mit dem oben angebrachten Deckel, der eine sehr edle Außen- und Innenbespannung aus besticktem Seidenstoff aufweist, kann das Gerät komplett geschlossen werden. Der Grund für die Herstellung dieses Kombinationsgeräts beruhteunter anderem darauf, dass sich in den damaligen Zimmern nur wenige Steckdosen befanden und der Tatsache, dass die Stromrechnung damals nach der Anzahl der vorhandenen Steckdosen erfolgt sei und nicht am Stromverbrauch. So konnte nur eine Steckdose zwei unterschiedliche Apparate mit Strom versorgen. Das Stück wurde auf 700 bis 1800 Euro geschätzt, verkauft wurde es schließlich für 1050 Euro an "Waldi".

Regimentskasse wiegt rund 40 Kilo

Eine ziemliche Rarität hatten auch Eva und Johannes Wolf im Gepäck. Vater und Tochter stellten Albert Maier eine Regimentskasse vor. Diese stabil aussehende und schwere Eisentruhe mit circa vierzig Kilogramm, die wahrscheinlich aus dem süddeutschen Raum stammt, datiert aus dem 17. Jahrhundert, um 1650/1660. Etwas ganz besonders ist das außergewöhnliche Schloss mit einer ganz speziellen Mechanik. So kann das Schloss nur mit bestimmten Tricks und einem extra angefertigten Schlüssel geöffnet werden. Sehr eindrucksvoll sei auch die Abdeckung der verschiedenen Schlösser und der Mehrfachverriegelung im Deckelinnern, die dekorativ mit Chimären verziert ist und deutlich auf die Renaissance hinweise", so Maier.

Beeindruckt zeigten sich auch die Händler. Nachdem sich das Duo 2000 bis 2500 Euro erhofft und Maier die Truhe auf  1500 bis 2000 Euro geschätzt hatte, ging die Rarität schließlich sogar für 3650 Euro an die Bornheimer Schmuckhändlerin  Susanne Steiger.

Andy Borg verkauft Fotokamera

Prominenter Gast der Sendung war Schlagersänger und Moderator Andy Borg, der eine über 100 Jahre alte Fotokamera im Gepäck hatte. Die sogenannte Plattenkamera datierte Experte Deutschmanek um 1885/1890. Die Kamera ist zusammenklappbar, mit einem großes aber ebenfalls klappbaren Stativ ausgestattet und somit ein gut transportables Reise-Accessoire. Deutschmanek schätzte die aus England stammende Reiseplatten-Kamera auf 350 bis 400 Euro. Borg hatte das Stück seinerzeit für 130 Euro gekauft, die Summe wollte er auch wieder bekommen. Doch es gab mehr für den Schlagersänger: 450 Euro von "Waldi". Das Geld will er nun in eine Wiedergutmachung - für ein Essen mit seiner Frau zum Hochzeitstag - investieren. "Letztes Jahr hat meine Frau Hochzeitstag gefeiert, ich eine Woche später", so Borg mit einem Augenzwinkern.

Die weiteren Verkäufe

  • Die "Elegante Dame mit Foxterrier", eine Figur aus spezieller Keramik, ging für 3000 Euro (Schätzwert: 3500 bis 4000 Euro) an Elke Velten.
  • Den "Torwart-Automaten" aus der Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts - bei dem Originalautomaten, dem bekannten "Bajazzo", gab es noch keinen Torwart - sicherte sich für 1710 Euro (Schätzwert: 1500 Euro) "Waldi".
  • Einen Silberbecher aus dem 17- Jahrhundert erstand Wolfgang Pauritsch für 3000 Euro (Schätzwert: 2000 bis 2500 Euro).