Kamellebomber über Eudenbach

Hochbetrieb beim Modell-Flugtag im Siebengebirge

Zahlreiche „Zaungäste“ verfolgen die Darbietungen auf den Eudenbacher Flugplatz.

Zahlreiche „Zaungäste“ verfolgen die Darbietungen auf den Eudenbacher Flugplatz.

EUDENBACH. Beim Pfingstflugtag auf dem Eudenbacher Flugplatz sind viele spektakuläre Manöver am Himmel zu sehen. Das Publikum ist begeistert.

„High Noon“ auf der Mußer Heide: Es herrscht Hochbetrieb am Sonntagmittag auf dem Eudenbacher Flugplatz. Fast ein Dutzend Maschinen sind zeitgleich „ready for take off“. Die Motoren surren auf. Wie an einer Perlenkette aufgereiht steigt ein Flieger nach dem anderen steil in den Himmel auf – um dann nicht etwa Kurs auf ferne Gefilde zu nehmen, sondern hoch in der Luft eine „Eudenbacher Acht“ nach der anderen zu fliegen. Für die Piloten bedeutet das volle Konzentration: angesichts einer ganzen Schwadron „Carbon Cubs“, die am Himmel kreist, ist es eine echte Herausforderung, die eigene Maschine nicht aus dem Blick zu verlieren. Schließlich sitzen die Piloten ja nicht selbst im Cockpit, sondern steuern ihre Modellflugzeuge vom Boden aus. Glücklicherweise gab es beim traditionellen Pfingstflugtag der Modellfluggruppe (MfG) Eudenbach aber trotz des regen Flugverkehrs keinen Crash.

„Die Dinger fliegen richtig gut“, lobte Moderator Klaus Bachmann die Flugeigenschaft der „Carbon Cubs“. Während man mit den als Buschflugzeug konzipierten Original-Fliegern „zum Angeln auf der nächsten Sandbank landen kann“, punkten die in Eudenbach zum Einsatz kommenden Modelle durch ihre nahezu „unkaputtbare“ Bauweise. Die so genannten „Schaumwaffeln“ sind quasi „fliegendes Verpackungsmaterial“: ihre dicken Styroporbäuche sehen aus wie Schaumgummi. Ausgestattet sind sie dennoch mit modernster Flugtechnik. Groß in Mode sind da derzeit Elektromotoren, die mit einem Lithium-Polymer-Akku angetrieben werden. „Die zeichnen sich durch ihre Leichtigkeit und hohe Ladekapazität aus“, berichtet Pressereferent Igor Diegmann. Vorteil gegenüber den herkömmlichen Verbrennungsmotoren ist zudem, dass es keine Einschränkungen hinsichtlich des Fluglärms gibt. Wer mit einem Verbrenner in die Luft gehen möchte, muss vorher eine Art Lärm-TÜV bestehen – wer zu laut ist, erhält keinen Lärmpass und damit auch keine Startgenehmigung. Von den modernen Elektrofliegern hingegen ist lediglich ein feines Surren zu vernehmen, auch wenn selbst eine einfache „Schaumwaffel“ locker Geschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern erreichen kann.

Im Vergleich zu den hypermodernen Turbinen-Jets ist das allerdings, als würde man einem Panda einen Porsche gegenüberstellen: die pfeilschnellen Maschinen, die echtes Kerosin im Tank haben, erreichen Spitzengeschwindigkeiten von 300 bis 400 Stundenkilometern. Da wird selbst das weitläufige Modellflugareal auf der Mußer Heide schnell zu klein. „Man muss schon frühzeitig die Kurven einleiten“, erläutert Diegmann. Für Thomas Singer und Wolfgang Klühr ist das allerdings kein Problem: die beiden Piloten sind Welt- und Europameister im Jetflug und begeisterten am Sonntag das Publikum mit einem atemberaubenden Synchronflugprogramm. Nicht ganz so schnell, aber nicht weniger spektakulär war Gastpilot Uwe Müller aus Köln unterwegs: Er ließ seine „Alchemy“, eine spezielle Kunstflugmaschine, am Himmel Quadratloopings, Kobra-Rollen und Kuban-Achten drehen. „Rumfliegen kann jeder. Die Schwierigkeit ist es, ein vorgegebenes Flugprogramm genau abzufliegen und dabei auch die Geschwindigkeit konstant beizubehalten“, so Diegmann. Bei der Flugdarbietung von Jürgen Lob indes spielten weder Tempo noch Flugprogramm eine Rolle. Viel interessanter war die Fracht, die der „Kamellebomber“ an Bord hatte, und die er – sehr zur Freude der vielen Kinder – in luftiger Höhe ablud: jede Menge Gummibärchentüten.

Wurden die Miniatur-Flugzeuge früher noch nach detaillierten Bauplänen aus Hunderten von Einzelteilen eigenhändig zusammengebaut, braucht man heutzutage nur noch den Karton auszupacken – ein Vorteil, gerade für Einsteiger, zumal entsprechende Sets bereits für kleines Geld zu haben sind. Aber es gibt sie trotzdem noch, die Bastler, die ihren Flieger komplett selbst zusammenleimen. Dieter Enkelmann ist so einer: Gerade tüftelt er an einer Dornier 17-Z 2 „ganz aus Holz“ – einem zweimotorigen Bomber, der im letzten Weltkrieg zum Einsatz kam. „Den Plan habe ich von einem Fliegerkameraden erhalten“, berichtet der MfG-Vorsitzende. Seit einem Jahr ist er nun schon beim Basteln und braucht mit Sicherheit noch ein weiteres, bis der drei Meter große Flieger startklar ist.