Neue Zukunft für „Krämer's Laden“

Historisches Gebäude in Königswinter wird saniert

Bild aus alten Zeiten: Das Lebensmittelgeschäft der Familie Krämer an der Hauptstraße in der Königswinterer Altstadt um 1920.

Bild aus alten Zeiten: Das Lebensmittelgeschäft der Familie Krämer an der Hauptstraße in der Königswinterer Altstadt um 1920.

Königswinter. Das historische Gebäude des ehemaligen „Krämer's Laden“ in Königswinter wird grundlegend saniert. Der Anbau wird abgerissen. Wir werfen einen Blick auf die Bauarbeiten und auf die Historie des Hauses.

Peter Krämer hält eine alte Lampe in der Hand, die er gerade unter einem Haufen Schutt entdeckt hat. Er inspiziert die Glühbirne im trüben Morgenlicht. „Zumindest ist kein Hakenkreuz drauf“, stellt er fest und schmunzelt. Wenn er durch die Räume von „Krämer's Laden“ an der Ecke Hauptstraße/Generalkonsul-von-Weiß-Straße streift, dann tut er das nicht als geschichtsbegeisterter Vorsitzender des Heimatvereins Siebengebirge, sondern als Enkel.

Sein Großvater hat das Gebäude gebaut, seit mehr als 100 Jahren ist es das Stammhaus der Peter Krämer GmbH und Ko. KG. Nun will die Familie dem markanten Gebäude mit Hilfe der Bad Honnefer Architektin Christine Antonie Lutz neues Leben einhauchen.

Entstehen sollen im Alt- und im Neubau fünf Wohnungen von 40 bis 100 Quadratmeter Größe. Nur im Erdgeschoss des Altbaus ist wieder Gewerbe geplant. „Wir wollen mit dem Innenausbau in diesem Bereich warten, bis wir wissen, wer dort einzieht. So können wir eventuellen Sonderwünschen noch nachkommen“, erklärt die Architektin.

Geschwungener Balkon bleibt erhalten

Fest steht hingegen, dass der augenfällige Lahn-Marmor, der das Erdgeschoss des Gebäudes prägt, und der geschwungene Balkon an der Hausecke erhalten bleiben werden. Rund eine Million Euro investiert die Familie Krämer in die Renovierung und den sich anschließenden Neubau. Ein Abriss des Haupthauses wäre für sie nie infrage gekommen. „Es ist der Stammsitz des Unternehmens“, sagt Peter Krämer mit Nachdruck.

Das Haus hat eine lange Geschichte. Krämers Großvater war Bäcker, „doch mein Vater konnte aus gesundheitlichen Gründen den Beruf, den er ebenfalls erlernt hatte, nicht ausüben“, erzählt Krämer. Daher entstand in dem Gebäude ein Lebensmittelgeschäft – mit angeschlossener Kaffeerösterei im Nebengebäude. „Man konnte es in der ganzen Stadt riechen, wenn geröstet wurde.“ In dem Nebengebäude, von dem schon jetzt nur noch die Mauern stehen – das Dach wurde bereits entfernt – war aber auch die Waschküche untergebracht, „da wurde für die ganze Belegschaft gewaschen“, erzählt Krämer, während er durch die bereits weitgehend entkernten Räume des Haupthauses geht.

Auf dem Boden in einem der Räume liegt noch ein schwerer Spülstein. Hier war einst die Küche. „Die Haushilfe saß hier, auch als sie schon alt war, und konnte aus dem Fenster sehen, wer geschellt hatte“, erinnert sich Krämer. Jeder Winkel, jedes Stück vergilbte Tapete hält Erinnerungen für ihn bereit, es ist, als würde das Haus Familiengeschichte atmen.

 

Erster Spar-Selbstbedienungssupermarkt

1958 wurde das Gebäude aufwendig saniert und umgebaut – und anschließend eröffnete der erste Spar-Selbstbedienungssupermarkt in Königswinter. Weitere Geschäfte gab es in Oberdollendorf und Thomasberg sowie bis 1971 eine Lebensmittelgroßhandlung in Aegidienberg. 1977 dann zog der Laden der Krämers von der Hauptstraße weg die Generalkonsul-von-Weiß-Straße in Richtung Rhein hinunter – und nach Umbauten richtete sich eine Apotheke im Eckgebäude ein.

Seit 2014 laufen die Planungen für Sanierung und Neubau bereits, nicht immer lief alles problemlos. „Im Nebengebäude war ein Trafo eines Energieversorgers untergebracht. Wir haben lange verhandeln müssen, bis die sich bereit erklärt haben, ihn zu verlegen“, erinnert sich Lutz. Auch die Gestaltungssatzung für die Altstadt bereitete der Architektin manches Kopfzerbrechen. „Daher bin ich jetzt richtig froh, dass es endlich losgeht“, sagt sie und muss lachen. Mit allzu großen Überraschungen rechnet sie nicht mehr, „wir haben ja eigentlich schon alles entkernt und vorbereitet“. Daher hofft sie auch, dass alles Ende des Jahres fertig ist.

Für die Familie Krämer ist die Sanierung des Stammhauses offensichtlich ein Herzensanliegen, aber auch Lutz hält die Investition in die Königswinterer Altstadt für klug. „Königswinter ist der neue heiße Scheiß“, ist sie fest überzeugt. „Es tut sich gerade so viel hier.“ Und ein Baustein dieser Entwicklung ist der alte „Krämer's Laden“ und sein neues Leben.