Lesung in Königswinter

"Historie so verpacken, dass sie spannend ist"

Gabriele Hamburgers Kriminalromane spielen in alten Gemäuern. Bei der Lesung geht es um die Abtei Heisterbach.

Gabriele Hamburgers Kriminalromane spielen in alten Gemäuern. Bei der Lesung geht es um die Abtei Heisterbach.

Die Schriftstellerin Gabriele Hamburger liest zum Auftakt der "Literatur in der Kapelle"

Blitz und Donner! Kaum ist die Donatus-Kapelle, die dem heiligen Donatus, dem Patron gegen Unwetter, Blitzschlag, Hagel und Feuersbrunst gewidmet ist, frisch gestrichen, spielt sich in dem Kleinod ein Krimi ab. Bei der Auftaktveranstaltung "Literatur in der Kapelle" des Bürgervereins am kommenden Donnerstag liest Gabriele Hamburger aus ihrem Kriminalroman "Vanitas". Mit der Autorin aus Heisterbacherrott sprach Roswitha Oschmann.

Ausgerechnet ein Krimi in einer Kapelle?
Gabriele Hamburger: In einer Kapelle bietet sich vor allem als Thema Heisterbach an. Die im 17. Jahrhundert unerfreulichen Verhältnisse in der Abtei beschreibe ich in "Vanitas". Daraus lese ich - eine Passage szenisch zusammen mit Norman Liebold, der die April-Lesung gestalten wird.

Für die Zuhörer wird das gleichzeitig eine spannende Geschichtsstunde?
Hamburger: Es ist faszinierend, was allein im 17. Jahrhundert hier alles passierte. Man bekommt einen engeren Bezug zu seiner Region, wenn man ihre Geschichte kennt. Viele denken wohl ähnlich, sonst wäre der Ruf nicht so laut, 1000 Jahre Königswinter zu feiern. Unsere Regionalgeschichte liegt mir am Herzen. Sie war die Antriebsfeder, überhaupt zu schreiben.

In Ihrem ersten Buch Vanitas waren Sie auf dieser Rheinseite unterwegs. Hat Königswinter als Schauplatz ausgedient?
Hamburger: Das liegt an den Ereignissen. Die Belagerung Bonns im November 1673 und der spektakuläre Anschlag auf Wilhelm von Fürstenberg im Februar 1674, der damals in ganz Europa Aufsehen erregte, füllte "Exitus" schon. Zudem traf die Bonner Belagerung unsere Region ebenfalls. Truppen befanden sich auch rechtsrheinisch und nahmen Siegburg ein.

Politik in einem Krimi klingt trocken!
Hamburger: Stimmt! Daran wäre ich bei "Exitus" fast gescheitert. Ich will mit unserer Geschichte vertraut machen. Aber je mehr Politik, desto unverdaulicher wird es, trotz aufregender Ereignisse. Erst im zweiten Anlauf gelang es mir, Historie so zu verpacken, dass sie auch spannend ist.

Wie ist Ihnen das gelungen?
Hamburger: Die Entführung des Sohnes meines Helden Christoph Salentin, bei der die Kidnapper ihm eine seltsame Leistung abpressen, verwickeln ihn in politische kriminelle Taten, hinter die er nur langsam kommt. Geheimnisvolles weckt das Interesse sogar für schnöde Politik.

Warum haben Sie auf die übliche Mordaufklärung verzichtet?
Hamburger: Vor 350 Jahren hatte man kaum Mittel, Kriminellen nachzuspüren. Wer nicht auf frischer Tat ertappt wurde, entwischte meist. Deshalb entschied ich mich für den echten Krimi.

Was verstehen Sie unter echtem Krimi?
Hamburger: Detektivroman ist Verbrechensaufklärung, Krimi - Verstrickung in Kriminelles. Ohne den Knalleffekt Mord am Anfang muss Spannung erst aufgebaut werden. Das ist für die Leser mühsamer, dafür geht man mit dem Helden enger durch Himmel und Hölle, als wenn man einer Mordaufklärung entgegenfiebert. Einige sagten mir, nachdem sie in meine Krimis hineingefunden hätten, erlebten sie fesselndes Kopfkino bis zum Ende. Das ist der Krimi-Effekt!

Man spürt in Ihren Büchern den rauen Wind der Frühen Neuzeit, aber inwieweit sind Ihre Krimis wirklich authentisch?
Hamburger: Ich halte mich streng an die wahren Ereignisse. Die historischen Personen handeln so, wie sie es tatsächlich taten und selbst meine Fantasiefiguren sind keine Jetztzeitleute. Beide Bücher enthalten außerdem Kurzfassungen zur Historie. Wer Spannung liebt, sollte das aber erst am Schluss lesen.

Ist eine Lesung in einer Kapelle etwas Besonderes für Sie?
Hamburger: Es wäre toll, wenn die Kapellenlesungen wie auch die Veranstaltungen von "Literatur im Siebengebirge" auf viele Interessenten stießen. Das Siebengebirge hat das Potenzial - ähnlich wie die Eifel - eine anerkannte literarische Kulturregion zu werden.

Die Lesung unter dem Motto "Der dreißigjährige Krieg und die Abtei Heisterbach" findet am Donnerstag, 26. März, 19 Uhr in der Rauschendorfer Donatus-Kapelle statt.

Zur Person

Gabriele Hamburger stammt aus Karlsruhe und lebt seit 1972 im Bonner Raum. Die Juristin zog mit ihrer Familie vor 20 Jahren nach Heisterbacherrott. Sie engagiert sich im Verein "Literatur im Siebengebirge" (LiS) und in der Königswinterer FDP. Bisher wurden zwei historische Krimis von ihr veröffentlicht: "Vanitas" (2011) und "Exitus" (2013).