Bernhard Kronauer

Hendrik Jan Vermeulen erforscht Schicksal eines Honnefers

SIEBENGEBIRGE. Der niederländische Musiker und Komponist Hendrik Jan Vermeulen erforscht das Schicksal eines Honnefers, der 1916 im Ersten Weltkrieg fiel. Am Donnerstag ist der Künstler mit der Performance "Krieg 1916 – Ein rheinischer Unteroffizier im Ersten Weltkrieg“ im Siebengebirgsmuseum zu Gast.

Der schlichte Gedenkstein, der an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnert, steht ganz in der Nähe der Bad Honnefer Pfarrkirche. 183 Namen sind dort zu lesen – Namen, die von ebenso vielen Schicksalen erzählen. Auch der von Bernhard Kronauer ist in den grauen Stein gemeißelt. Er starb im Jahr 1916 im Alter von 25 Jahren, irgendwo auf dem Schlachtfeld nahe einem kleinen Dorf in der heutigen Ukraine. Ein Grab, das man besuchen könnte, gibt es nicht. Dennoch ist Bernhard Kronauer nicht vergessen.

100 Jahre später hat sein Großneffe Hendrik Jan Vermeulen ein Rock/Pop-Album veröffentlicht, mit dem er nicht nur die Erinnerung an seinen Großonkel wachhalten möchte, sondern das er allen Opfern des Krieges gewidmet hat. Am Donnerstag, 20. Oktober, stellt der niederländische Musiker und Komponist sein Projekt „Krieg 1916“, das er als persönlichen Beitrag zur Debatte über die gemeinsame Verantwortung für den Frieden versteht, im Siebengebirgsmuseum in Königswinter vor.

„Obwohl ich 50 Jahre nach dem Krieg geboren wurde, hat mein Vater mir Geschichten über 'Den Krieg' erzählt. Über die Brüder seiner Mutter, die im Krieg gefallen sind, und das verursachte Leid“, erzählt Vermeulen, der mit seiner Familie in Groningen lebt. Als ihm seine Tante 2007 dann die Todeskarte ihres jüngsten Bruders Bernhard gab, habe sich für ihn „die Tür zu dieser vergessenen, schmerzhaften Welt geöffnet“.

Vermeulen begann zu recherchieren, reiste zur Spurensuche auch mehrfach nach Bad Honnef – der Heimat der Familie Kronauer – und besuchte die Schlachtfelder, auf denen Bernhard einst gekämpft hatte.

Mit 20 Jahren eingezogen

„Es sollen fünf Brüder meiner Großmutter im Ersten Weltkrieg gefallen sein“, berichtet Vermeulen. „Bernhard, der jüngste Bruder, ist mir im Gefühl ganz nah gekommen durch die intensive Suche nach Hinweisen über sein Leben als Soldat und wie er als Mensch war.“

Bernhard war 1912 im Alter von 20 Jahren eingezogen worden. Zwei Jahre später brach der Krieg aus. „Ich gehe davon aus, dass Bernhard als 'alter Soldat' die Hurra-Stimmung vom Juli 1914 etwas anders erfahren hat als die Bürger, die sich freiwillig meldeten.“

Am 30. September 1916 waren dann in der Honnefer Volkszeitung folgende Zeilen zu lesen: „Den Heldentod fürs Vaterland starb in Galizien der Pflegesohn unseres Mitbürgers Herrn Zimmermeister Kronauer, Unteroffizier Bernhard Kronauer. Seit 25 Monaten diente er als tapferer Soldat für Kaiser und Reich, bis er am 17. September bei einem Sturmangriff sein junges Leben dem Vaterland opfern musste.“ Vermeulen: „Es ist schwer, sich vorzustellen, was diese Nachricht bei seiner Familie ausgelöst hat. Es berührt mich selbst 100 Jahre später noch, diese Worte zu lesen und mir vorzustellen, dass sie so oder so ähnlich immer und immer wieder veröffentlicht wurden.“

In seinem Projekt „Krieg 1916“ hat Vermeulen versucht, die Geschichte seines Großonkels mit künstlerischen Mitteln nachzuvollziehen und universellen Gefühlen wie Trauer, Schuld und Scham, aber auch Stolz, Euphorie und Groll musikalischen Ausdruck zu verleihen. Begleitet werden die Kompositionen von zeitgenössischen Texten deutscher Kriegsdichter, die Einblick in die Zeitumstände geben.

Die Performance „Krieg 1916 – Ein rheinischer Unteroffizier im Ersten Weltkrieg“ findet am Donnerstag, 20. Oktober, um 19.30 Uhr im Königswinterer Siebengebirgsmuseum, Kellerstraße 16, statt. Der Kostenbeitrag beläuft sich auf sieben Euro inklusive Museumseintritt. Weitere Infos unter www.siebengebirgsmuseum.de.