Bauprojekt an der Königswinterer Straße

Haselmaus zwingt zu neuer Planung

Drei Mehrfamilienhäuser (hinten) und insgesamt acht eingeschossige Gebäude entstehen an der Königswinterer Straße. VISUALISIERUNG: WOHN-KREATIV

Drei Mehrfamilienhäuser (hinten) und insgesamt acht eingeschossige Gebäude entstehen an der Königswinterer Straße.

OBERPLEIS. Wegen der Haselmaus hat der Investor des Bauprojektes an der Königswinterer Straße in Oberpleis seine Planungen noch einmal überarbeitet.

Jetzt sind dort noch drei zweigeschossige Mehrfamilienhäuser mit Staffelgeschoss mit jeweils zehn Wohnungen und acht statt der ursprünglich vorgesehenen zehn eingeschossigen Gebäude mit jeweils einer Wohnung geplant. Klientel soll vor allem die Generation "50plus" sein. Die Bauzeit soll rund zwei Jahre betragen.

Bei artenschutzrechtlichen Untersuchungen im Spätsommer war festgestellt worden, dass aufgrund der in dem Baugebiet vorhandenen Gehölze Habitate der geschützten Haselmaus nicht ausgeschlossen werden könnten. Für artspezifische Untersuchungen war es damals indes bereits zu spät. Sie sollen nun im Sommer 2015 nachgeholt werden. Da der Investor, die Regionalis Bonn GmbH, das Bebauungsplanverfahren jedoch unbedingt weiterführen und einen Satzungsbeschluss im Sommer dieses Jahres ermöglichen wollte, wurde die Planung geändert.

Die drei Mehrfamilienhäuser sind nach dem neuen Entwurf vier Meter weiter von der Königswinterer Straße entfernt - aus Rücksicht auf die dortigen Gehölzstrukturen. Auch die Planstraße, die das neue Wohngebiet erschließt, wurde weiter nach Osten verlegt. Die Erschließung der Tiefgaragen wurde ebenfalls anders gelöst. Aufgrund der Gehölzstrukturen und des bestehenden Siefens im Osten des Plangebiets kann auch der gewünschte Fußweg nicht angelegt werden. Stattdessen soll nun ein Fußweg zwischen der Mozartstraße und der Königswinterer Straße der Erschließung der Gebäude dienen.

Auch auf eine potenzielle, geringfügige Überschreitung der Geruchsimmissionen im äußersten Nordosten des Gebiets wurde vom Investor bei der Umplanung eingegangen. In der Nähe befindet sich ein Geflügelzuchtbetrieb.

Der städtische Planungs- und Umweltausschuss hatte sich im Februar vergangenen Jahres für den Entwurf der Regionalis und gegen zwei andere Konzepte ausgesprochen. Die Politiker überzeugte vor allem, dass sich der Entwurf im Vergleich mit der Konkurrenz sehr bescheiden ausnimmt. Bei einem der anderen Konzepte waren 89 Gebäude vorgesehen, bei dem anderen fast 40 Häuser. Das ursprünglich einmal an diesem Standort angestrebte Mehrgenerationen-Projekt spielte in allen drei Konzepten allerdings nur eine untergeordnete Rolle.

"Das hätte man auch schon früher prüfen können", stellte Roman Limbach (CDU) im Planungs- und Umweltausschuss im Hinblick auf die artenschutzrechtlichen Untersuchungen fest. Auch nach der Umplanung bleibe das Bauprojekt jedoch interessant. "Gut, dass ein Plan B auf dem Tisch liegt", meinte Lutz Wagner (Königswinterer Wählerinitiative). Der überarbeitete Entwurf wurde vom Ausschuss am Ende zustimmend zur Kenntnis genommen.

Wuseliger Kletterer in Baumkronen

Die Haselmaus zählt zu den Schläfern oder Bilchen, einer Nagetiergruppe, die einen großen Teil des Jahres im Winterschlaf verbringt. Während dieser Zeit zehren die Tiere von den Fettvorräten, die sie sich im Herbst angefressen haben.

Der kleine Bilch ist nur etwa so groß wie der Daumen eines Erwachsenen und wiegt 15 bis 40 Gramm. Haselmäuse besiedeln Wälder und Gebüsche. Dort bewegen sie sich während der Nacht geschickt von Ast zu Ast auf der Suche nach Blüten, Früchten, ölhaltigen Samen, aber auch Insekten. Den Tag verbringen die Tiere in selbst gebauten Nestern in Baumhöhlen oder versteckt angelegt in dichtem Pflanzenbewuchs. Haselmäuse sind in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete selten geworden oder völlig verschwunden. Schuld daran ist die weitreichende Vernichtung der natürlichen Lebensräume.

In Europa steht sie unter Schutz, ihre Lebensräume in der Regel jedoch nicht. Anders als die übrigen Bilche wie Garten- oder Siebenschläfer gilt die Haselmaus als sehr störungsempfindlich (vor allem lichtscheu) und wird deshalb fast nie in der Nähe menschlicher Siedlungen gefunden.