Schloss Drachenburg

Großer Besucherandrang bei Grimms Märchenfest

Dicht umlagerten die Jungen und Mädchen Rotkäppchen im Schlosspark – und warnten schon mal vor dem bösen Wolf.

Dicht umlagerten die Jungen und Mädchen Rotkäppchen im Schlosspark – und warnten schon mal vor dem bösen Wolf.

KÖNIGSWINTER. Grimms Märchenfest auf Schloss Drachenburg war auch in diesem Jahr wieder ein Besuchermagnet. Besonders die Kleinen machten Selfies mit den Helden aus dem Bilderbuch.

So sieht sie also in Wirklichkeit aus, die berühmte Frau Holle. Hoch oben, auf einem Balkon von Schloss Drachenburg, stand sie bei Grimms Märchenfest – und schüttelte unentwegt die Betten aus. Ihr Spitzenhäubchen wippte dazu im Takt. Zwischendurch winkte sie den Besuchern von der Brüstung herab zu. Schneeflocken wirbelten vom Himmel und gaben der Romanik des Schlosses am Drachenfels den besonderen Pfiff – einer Schneekugel-Szenerie gleich.

Pänz versuchten, die weißen Fetzen zu fangen. Und die kleine Naomi kannte „ihren Grimm“. Die Dreijährige stiefelte mit Oma Ute Bollenbacher die Steintreppen zu Frau Holle hinauf, packte einen Kissenzipfel und half aus Leibeskräften beim Schütteln. Die Flocken aus der Partyschaum-Kanone tanzten. Danach sang Naomi das Frau-Holle-Lied. Und Gisela Neumann aus Siegburg, die in diese Rolle geschlüpft war, zeigte sich gerührt. „So gerne habe ich noch nie die Betten ausgeschüttelt.“ Aber nicht nur die Pänz fühlten sich bei Frau Holle wie im Märchen, auch eine 82-jährige Omi stieg zu ihr „auf Wolke sieben“. Da wurden Kindheitsträume wahr. „Die Pechmarie habe ich zu Hause gelassen, nur die Goldmarie ist hier“, scherzte Frau Holle.

Fest auf das komplette Wochenende ausgedehnt

Nachdem im vergangenen Jahr bei der Premiere von Grimms Märchenfest Hochbetrieb auf dem Schlossgelände herrschte, wurde diesmal das Fest auf das komplette Wochenende ausgedehnt. Fast 2000 Besucher kamen bereits am Samstag. Ganz entspannt bewegten sie sich in der Märchenwelt von Schloss und Park. „Es ist super hier“, lobte Ute Bollenbacher. „Ich lese meinen Enkeln oft Märchen vor“, so die Bad Honneferin. Diesen Part übernahmen bei der Veranstaltung echte Märchenerzähler und zogen ihre Zuhörer in ihren Bann mit den spannenden Geschichten der Brüder Grimm.

Die Kinder staunten nicht schlecht, als ihnen die Märchenhelden auf dem Schlossgelände auf Schritt und Tritt begegneten. Das Gesicht zart wie Ebenholz und langes schwarzes Haar – Schneewittchen kreuzte auf. Kleine Mädchen umarmten sie, wollten ein Foto mit ihr und rieten ihr, nicht den Apfel zu essen. „Der ist giftig!“ Auf der breiten Schlosstreppe: König Drosselbart. „Ich habe in meiner Kindheit diese Märchen geliebt, heute lese ich sie meinen Enkeln vor“, so Heinz Erdmann. Für alle Märchenfestbesucher glänzte er in seiner Rolle. Lisa Schwientek aus Bonn war mit Jiwon und Jungah aus Südkorea gekommen. Freundlich lächelte König Drosselbart mit den hübschen Mädels in die Kamera. Ihr Selfie mit dem bösen Wolf müssen sie bestimmt zu Hause in Korea erklären.

Das Schloss ist wunderschön

Rapunzel, Schneeweißchen und Rosenrot schlenderten durch den Park, Rotkäppchen kam um die Ecke. Dornröschen war nach 99 Jahren erwacht. „Ein bisschen müde bin ich schon noch“, scherzte Silke Ramackers. Burgritter Jürgen Heß beschützte sie alle, während das tapfere Schneiderlein ja selbst mit zwei Fliegenklatschen gut ausgerüstet war. „Das Schloss ist wunderschön und das Märchenfest eine super Idee“, sagte Tamara Basoda aus Brohl, die mit ihren Kindern Cam Yilmaz (3) und Ceydan (9) erstmals auf das Schloss gekommen war. „Die Hüpfburgenwelt im Park ist toll. Frau Holle aber toppt alles.“ Und während diese immer wieder für Schneeschauer sorgte, vernebelte der Teufel die Südterrasse. Obwohl Schauspieler Manfred Bel wirklich ziemlich zum Fürchten aussah, belagerten ihn die Kinder vor der Hölle.

Auch das Kölner Figurentheater ist dabei

Geruhsamer ging es bei den Märchenerzählern zu. Im Zelt umringten die Kinder Andreas von Rothenbarth. In der Wagenhalle gab es Märchenhaftes von Octavia Kliemt. Und im Musikzimmer war ebenfalls Märchenstunde. Hier erzählten Karlheinz Schudt und seine Frau Rita Maria Fröhlef abwechselnd die schönsten Geschichten. In der Kunsthalle saßen die Pänz vor der Puppenspielbühne, auf der das Kölner Figurentheater den Teufel mit den drei goldenen Haaren und den gestiefelten Kater aufführte. Auf der Hauptbühne im Park gastierten das Kindertheater Odenwald und das Theater L’ Una Beulich.

Köstlich, wie sich beim Rotkäppchen kleine Zuschauer immer wieder einmischten. Als der Wolf sein Nickerchen ankündigte, warnte ein Mädchen: „Dann kommt der Jäger und schießt dich tot.“ In der Vorburg konnten die Besucher in den Zauberspiegel sehen und ihr Andenkenfoto aus dem Märchenland mit nach Hause nehmen.