Ausstellung im Haus Bachem in Königswinter

Gespür für das Geheimnisvolle

Königswinter. Unter dem Titel "Geheimnisvolles, sagenhaftes Königswinter" zeigen derzeit 15 Künstler aus Königswinter ihre Arbeiten im Haus Bachem.

Es sind mehr als 480 kleine Einzelbilder, aufgenommen an allen Ecken und Enden der Stadt, die Marlene Peters am Computer zu einem imposanten Fotomosaik der Burgruine auf dem Drachenfels zusammengefügt hat. Schlossleuchten, Eselsdenkmal und Nachtansichten verschwimmen aus mehreren Metern Entfernung zum blaugrauen Himmel, während sich herbstliche Baumkronen und Hochwasser-Anzeigetafeln zur ockerfarbenen Ruine zusammenfügen.

Insgesamt zwei Wochen hat Peters an der Montage gewerkelt, die den Titel „Fragmente“ trägt – Fragmente einer wahrlich sagenhaften Stadt. Denn: „Hinter dem Werk steckt meine Überzeugung, dass es in Königswinter etliche Ecken gibt, die dem Altstadtsterben zum Trotz wirklich schön sind“, so die Künstlerin. Auch, wenn der Ort in erster Linie für den Drachenfels bekannt sei, zeige sich bei genauem Hinschauen, dass die wahre Schönheit der Stadt in ihrer Vielfalt liege.

Eben jenem „geheimnisvollen, sagenhaften Königswinter“ widmen sich in der gleichnamigen Ausstellung im Haus Bachem 15 kreative Köpfe der Gemeinschaft Königswinterer Künstler (GKK). Verwunschenes hat Königswinter, dessen bloßer Name bereits märchenhaft ist, schließlich zu Genüge zu bieten – man braucht bloß ein feines Gespür.

So wie Hans Joachim Peters, dessen „Grotesken in Eisen“ die Burkhard-Mohr-Skulpturen im Museumsgarten in ein völlig neues Licht tauchen: Aus einer diffusen Pastell-Farbwand gelb-blauer Schlieren herausragend, starren die Fratzen in eine zerschmolzene Farbwüste, hinter ihnen das Kirchgebäude. Auch Dave Deighton taucht mit seiner Enkaustik „Stadtgeister“ ins Übernatürliche ein: Ganz in Schwarz gehalten, wacht der Stadtgeist in der Bildecke über sein Heim, die Klosterruine Heisterbach.

Mietek Krzyzanowski hat sich derweil mit seinem Acryl-Farbrausch „Die alte Legende“ der gewaltigen Schönheit der Natur angenommen, symbolisiert durch die überdimensionale Meerjungfrau mit goldener Haut und feuerrotem Haar, die aufreizend im Rhein treibt. Presseschnipsel über frühere GKK-Ausstellungen säumen den Bildrand, wogen als Papierschiffchen in der Strömung, während der Mond in den Fluten versinkt. „Geheimnisvolles“, kommentiert der Künstler die Ausschnitte, „entsteht eben erst da, wo auch Menschen sind“.

Ein weiteres Highlight: Tuncay Elevis' Tonskulptur, simpel betitelt „Kopf mit Drache“. Leerer Blick, ausdruckslose Miene, in die gähnend leere Schädelhöhle starrt ein Lindwurm hinein – „der Drache hat das Hirn gefressen“, sagt Elevis, eine Allegorie auf das Gefühl mentaler Leere. Daneben ein überdimensionales „Drachenherz“, eine lebensechte Raku-Keramik von Li Mascha Bosselmann, und Veronika Dietz' Wald-Installation aus Naturmaterialien, in der sich ein Ton-Drache den Weg durchs Nachtigallental bahnt.

Den „echten“ Miniaturdrachen des Siebengebirges präsentiert Helene Ramershoven als Pappmaché-Feuersalamanders. Komplettiert wird das künstlerische Repertoire von Inge Berretz-Busch, Annelore Broscheid, Heinz Theo Dietz, Gerd Sander, Dietrich Sommerfeldt, Gisela Seggewiss und Heinz Wolter. Die Ausstellung in einem Wort: sagenhaft.

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 6. November, im Haus Bachem zu sehen. Geöffnet ist täglich von 14 bis 16 Uhr, montags sowie am 2. und 3. November geschlossen.