50 Jahre Elysée-Vertrag

Geschichten aus dem deutsch-französischen Alltag

Holger Löttel.

HEISTERBACHERROTT. Wie wirkte sich der Elysée-Vertrag auf die Menschen aus? Der Verein zur Förderung der Partnerschaft Königswinter-Cognac um den Vorsitzenden Karsten Hinrichs hatte 50 Jahre nach Unterzeichnung des Abkommens zwei Französinnen und einen Franzosen ins Haus Schlesien eingeladen.

Dort berichteten sie über ihr Leben in Deutschland: Monique Jacquemin aus Königswinter, Lehrerin am CJD, Germanistin Marie Mechineau aus Ramersdorf und Koch Jean-Marie Dumaine aus Sinzig.

Holger Löttel, Leiter der Edition und des Archivs der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Rhöndorf, steuerte zu den Erzählungen aus dem Alltag historische Details bei - farbig und anekdotenreich. So erfuhren die Besucher, dass der "General" durch seine Kriegsgefangenschaft über sehr gute Deutschkenntnisse verfügte und sich so mit dem Kanzler aus Rhöndorf gut verständigen konnte, während Konrad Adenauer die Sprache des Nachbarlandes nicht beherrschte.

Marie Mechineau wurde nach ihrem Germanistikstudium in Frankreich Sprachassistentin an einem Gymnasium in Berlin, dann ging sie zur Gesellschaft für übernationale Zusammenarbeit in Bonn, einem Partner des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW). Bis zur Geschäftsführerin schaffte sie es dort.

Die Geburt ihrer beiden Söhne stoppte sie. "Von Frankreich kannte ich es, dass die Mütter bald wieder arbeiten. Hier waren die Möglichkeiten nicht gegeben." So arbeitete sie eine Zeitlang selbstständig fürs DFJW. Ihre Kinder hat sie deutsch-französisch erzogen. Sie fühlt sich als Französin in Deutschland zwischen zwei Stühlen sitzend. "In Frankreich blühe ich auf, aber bin ich dort, fehlt mir bald Deutschland."

Vor allem um das Kochen ging es bei Jean-Marie Dumaine, der mit seiner Frau Colette 1979 das Restaurant "Vieux" in Sinzig eröffnete. Mit zwei Koffern war der normannische Bauernsohn vier Jahre zuvor nach Deutschland gekommen. Nachdem er die Wildpflanzen kennengelernt und damit eine neue Küche kreiert hatte, entdeckte ihn 1986 der Gault Millaut. Seither ist das "Vieux" in allen Gastro-Führern, Dumaine hat heute 25 Mitarbeiter.

"Meine Oma wollte mich nie in Deutschland besuchen. Aber dann war sie doch da und hatte viel Vergnügen bei der Schiffsfahrt auf dem Rhein", so der preisgekrönte Koch, der Probehäppchen mitgebracht hatte. Hans-Joachim Zick untermalte französisch-musikalisch am Klavier. Und Hinrichs überreichte allen Akteuren des Abends eine Zwei-Euro-Prägung mit dem Konterfei Adenauers und de Gaulles.