Verfügbarkeit der ehrenamtlichen Kräfte

Freiwillige Feuerwehren haben Personal-Probleme

Siebengebirge. Anders als in anderen Regionen haben die Freiwilligen Feuerwehren im Siebengebirge zurzeit keine Nachwuchssorgen. Ein größeres Problem bereitet ihnen die Tagesverfügbarkeit ihrer ehrenamtlichen Einsatzkräfte.

Auch die Beschwerden von Bürgern über die Alarmierung durch Sirenen sorgen bei der Wehrleitung für Verdruss. Im Gespräch mit dem General-Anzeiger betonten Frank Brodeßer, Wehrleiter in Bad Honnef, Michael Klingmüller, stellvertretender Wehrleiter in Königswinter, und Ulrich Rechmann, Wehrleiter in der Verbandsgemeinde Unkel, dass ihre Einheiten gut aufgestellt sind.

325 Aktive in Königswinter stehen jeweils 135 Einsatzkräften in Honnef und der VG Unkel gegenüber. Auch die Zahl der Frauen steigt. In Oberdollendorf gibt es sogar eine Wehrführerin. Positiv ist die Entwicklung auch bei den Jugendfeuerwehren.

Das Problem der Tagesverfügbarkeit versuchen die Wehrleitungen zu lösen, indem zum Teil mehrere Einheiten gleichzeitig alarmiert werden. Der relativ hohe Anteil von Feuerwehrleuten bei den Städten und Gemeinden, die dort bevorzugt eingestellt werden, erleichtert dabei einiges. In Bad Honnef sind allein zwölf bis 13 Einsatzkräfte in der Verwaltung beschäftigt.

Viele Betriebe verlangen Aufwandsentschädigungen

„Tagsüber ist so die Grundstärke immer gegeben“, so Brodeßer. In der VG Unkel sind fast alle Mitarbeiter der Bauhöfe im Löscheinsatz. In Königswinter gibt es besonders feuerwehrfreundliche Gewerbebetriebe wie die Zera. Allerdings verlangen immer mehr Betriebe Aufwandsentschädigungen, wenn sie einen Feuerwehrmann freistellen.

Lange gefordert und endlich bewilligt wurde der Königswinterer Wehr ein zweiter hauptamtlicher Gerätewart. Seine Aufgabe ist es, die Fahrzeuge und Ausrüstungen in Schuss zu halten. In Bad Honnef gibt es den zweiten Gerätewart bereits seit längerem. In der VG Unkel ist auch diese Aufgabe ausschließlich ehrenamtlich besetzt.

In einem Jahr kommen die drei Wehren im Siebengebirge auf rund 900 Einsätze. Allein im Juli musste die Königswinterer Wehr 58 Mal ausrücken. „Da hagelte es einen Alarm nach dem anderen“, so Klingmüller. Immer häufiger werden die Wehren zu Hilfeleistungen wie Türöffnungen gerufen. Auch auf der Autobahn sind sie im Einsatz.

Die Königswinterer werden im Schnitt dreimal pro Monat, die Honnefer ein- bis zweimal pro Monat zu Absicherungen alarmiert, weil die Polizei es nicht in ausreichender Zeit zum Unfallort schafft. Irrtümlich auslösende Brandmeldeanlagen sorgen häufig für unnötige Einsätze. „Wir haben mehr als 30 solcher Anlagen in Bad Honnef“, sagt Brodeßer.

Beschwerden über Lärm durch Sirenen

Wenig erfreut sind die Wehrführer auch über die Beschwerden über Lärmbelästigung durch Sirenen. Hier sind die Wehren in der Verbandsgemeinde Unkel noch auf diese Form der Alarmierung angewiesen, da sie mit ihrer Analogalarmierung noch technisch hinterherhinken und die Funkmeldeempfänger nur einen Erreichungsgrad von 20 bis 30 Prozent haben.

„In Rheinbreitbach haben wir im gesamten Jahr nur 30 Einsätze, davon vielleicht zwölf bei Nacht. Da von einer Belästigung in jeder Nacht zu sprechen, was manche tun, ist da doch wohl etwas übertrieben“, sagt Rechmann. In Bad Honnef wird nur bei Großbränden über Sirene alarmiert, in Königswinter nur bei größeren Bränden und nur im betroffenen Ortsteil.

Sehr zufrieden sind die Wehrleitungen mit der Kooperation mit den Nachbarkommunen. „Die Zusammenarbeit mit Bad Honnef klappt prima“, sagt Klingmüller. Das funktioniere auch über die Landesgrenze zwischen NRW und Rheinland-Pfalz hinweg, stimmt Rechmann zu. Immer wieder werden die Wehren zu sehr ungewöhnlichen Einsätzen gerufen. Sicher einer der kuriosesten war ein Hamster, der in Oberpleis zwischen den Stangen seines Käfigs festklemmte. Auch hier wusste die Feuerwehr zu helfen.