135. Geburtstag der Drachenfelsbahn Fotos aus der Eskimo-Dunkelkammer

Königswinter. Kollodium-Nassplattentechnik heißt der Fachbegriff für die Bilder des Fotografen Christian Klant.

Der 37-Jährige, der aus Königswinter stammt, fotografiert die Drachenfelsbahn mit einer Technik, die in etwa ebenso alt ist wie die Bahn selbst. Seine Bilder werden zum 135. Geburtstag der Bahn 2018 zu sehen sein.

Ein ungewöhnlicher Gast mischte sich in dieser Woche unter die Touristen, die die Talstation als Ausgangspunkt für einen Ausflug zur Drachenburg oder auf den Drachenfels nutzten. Ausgerüstet mit einer altertümlich anmutenden Kamera und dem dazu gehörenden Equipment, fotografierte Christian Klant dort alles rund um die Zahnradbahn.

Seine Dunkelkammer hatte der 37-Jährige in der Werkstatt des Tourismusbahnhofs eingerichtet. Denn die Platten müssen noch nass in die Kamera, sofort belichtet und dann entwickelt werden. Als Dunkelkammer diente Klant dabei ein lichtundurchlässiges Zelt, das Eskimos normalerweise zum Eisangeln verwenden.

Denn Christian Klant, der in der Königswinterer Altstadt aufgewachsen ist und seit sieben Jahren in Berlin lebt, hat sich der heute kaum noch bekannten Kollodium-Nassplattentechnik verschrieben, die 1851 von zwei Engländern entwickelt wurde. Dabei werden die Glasplatten mit Kollodium begossen und mit Silbersalzen lichtempfindlich gemacht. Nach BWL-Studium, Diplomarbeit und selbstständiger Beratertätigkeit wurde Klant Berufsfotograf. „Meine Vorstellung eines perfekten Bildes habe ich mit der digitalen Fotografie aber nicht erreicht“, sagt er.

Technik gibt den Bildern größtmögliche Tiefe

Als er eines Tages das Porträt eines Mannes gesehen habe, das in der Nassplattentechnik entstanden sei, wusste er, dass das auch sein künftiger Weg sein sollte, weil diese Technik es ihm ermöglichte, seinen Fotos die größtmögliche Tiefe zu geben. Auch wenn er anschließend fast ein halbes Jahr gebraucht habe, um die notwendige Ausrüstung zusammenzubekommen.

2013 begann Klant mit ersten Porträts in der neuen Technik, verdiente aber noch mit normalen Auftragsarbeiten in digitaler Fotografie seinen Lebensunterhalt. Mittlerweile rentiert sich die Nassplattenfotografie jedoch für ihn. „Im vergangenen Jahr habe ich mit der analogen Fotografie erstmals mehr Umsatz als mit der digitalen gemacht“, berichtet er. „Das macht jedoch nicht nur mich als Fotografen glücklich. Es gibt auch Menschen, die das wertschätzen.“

Zu diesen Menschen gehört offensichtlich auch die Familie Streve-Mülhens. Bei einer Ausstellung in der Continuum Gallery im Wintermühlenhof im August 2015 wurden Dieter Streve-Mülhens und Fiona Achenbach, die Gesellschafter der Drachenfelsbahn sind, auf die Fotografien aufmerksam. „Damals entstand die Idee, die Geschichte der Drachenfelsbahn abzubilden“, sagt Klant. Im kommenden Jahr, zum 135-jährigen Jubiläum der Bahn, soll daraus eine Fotoausstellung im Tourismusbahnhof werden.

Möglicher Titel: „Technik – Mensch – Berg“. Die Bahn habe schließlich sehr viel mit Tradition zu tun, sagt Klant. Es habe ihn beeindruckt, dass selbst an einem Montagvormittag der erste Wagen Richtung Drachenfels fast voll gewesen sei. „Ich finde schön, dass die Menschen von heute mit Waggons von vor 50 Jahren unterwegs sind.“ Wenn er einen solchen Moment mit einer Technik festhalten könne, derer sich höchstwahrscheinlich auch die Fotografen bei der Eröffnung der Bahn im Jahr 1883 bedient hätten, mache dies die Sache noch reizvoller.

Nächste Visite im Juli

Für Christian Klant selbst ist seine Arbeit in Königswinter eine Art Zeitreise. „Ich habe durch das Fotografieren den Bezug zu meiner Heimat neu entdeckt.“ Er könne sich noch an das Geschrei der Esel erinnern in den Jahren, als er in seinem Elternhaus an der Grabenstraße gewohnt habe. Damals stand da gegenüber noch das Krankenhaus. Nach drei Tagen war sein erster Aufenthalt in Königswinter schon wieder beendet. Nach den Etappen Talstation und Drachenburg will er sich bei seiner nächsten Visite im Juli dann der Bergstation, dem Glaskubus und der Drachenfelsruine widmen.

Dabei verspricht die letzte Etappe des Großprojekts noch einmal eine echte Herausforderung für den Fotografen zu werden. Nicht wegen des Motivs, sondern wegen der Logistik. Schließlich wird die gesamte Ausrüstung inklusive Dunkelkammerzelt dann rund 100 Kilogramm wiegen.

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