Fliegerfreunde Westerwald

Flugplatzfest in Eudenbach zieht zahlreiche Besucher an

EUDENBACH. Zwei Tage trafen sich die Besucher zum Flugplatzfest in Eudenbach, das die Fliegerfreunde Westerwald mit den Kölner Segelfliegern zum elften Mal ausrichtete. Eine der Attraktionen: Der Katapultstart per Gummiseil.

Die „Gummihunde“ kamen am Sonntag auf dem Eudenbacher Flugplatz mächtig ins „Hecheln“. Kein Wunder – bei tropischer Hitze auf der Rollbahn zu stehen und zwei Gummiseile zum Bersten straff zu spannen, ist eine kräftezehrende Angelegenheit. Trotzdem: Die 20 Freiwilligen, die sich für diese Aufgabe gemeldet hatten, strahlten vor Freude, während der Schweiß rann – wer kann schon von sich behaupten, ein Flugzeug mit reiner Muskelkraft in die Luft befördert zu haben.

Der sogenannte Gummistart der SG 38 war einer der Höhepunkte beim diesjährigen Flugplatzfest. Das Gleitflugzeug, in dem der Pilot ausgesprochen luftig auf einer Art Holzstuhl sitzt, ist ein echter Oldtimer aus den 30er Jahren – ebenso die Startweise. „Das Ganze funktioniert wie eine Flitsch“, erläuterte Georg Linkowski von den Fliegerfreunden Westerwald, die mit den Kölner Segelfliegern zum elften Mal das Flugplatzfest ausrichteten. Während die Haltemannschaft das Flugzeug am Leitwerk mit einem Seil festhält, ziehen die sogenannten „Gummihunde“ die Zugseile straff.

Von „Gummihunden“ gezogen

Auf Kommando wird dann das Halteseil losgelassen und der Flieger in die Luft katapultiert. Der Nachteil: „Man braucht 20 Mann, um einen Einzigen in die Luft zu bekommen.“ Etwa 13 Sekunden schwebte die SG 38 am Sonntag in fünf bis sechs Metern Höhe über die Mußer Heide, um dann unbeschadet wieder aufzusetzen.

„Zuhause erreichen wir mit dem Gummistart auch Höhen von 20 Metern“, berichtete Pilot Norbert Schaden stolz. Entsprechend länger ist dann auch das Flugvergnügen. „Zuhause“ heißt übrigens auf der Wasserkuppe in der Rhön, der Wiege des Segelflugsports. „Früher musste man den Flieger dann auch per Hand wieder den Hang hinaufziehen“, erzählte Schaden schmunzelnd. „Das zeigt, dass der Segelflug immer ein Gemeinschaftssport war.“

Sehr viel höher hinaus wollten beim Flugplatzfest die Kunstflieger – und durften nicht. Die Deutsche Flugsicherung machte den Piloten einen Strich durch die Rechnung. Wegen des starken Flugverkehrs am Flughafen Köln/Bonn wurde keine Höhenfreigabe erteilt. Die Piloten durften nicht in Höhen von 1.000 Metern und mehr aufsteigen, die sie für ihr Kunstflugprogramm brauchen.

Aber auch die „abgespeckte Variante“ ließ die Zuschauer den Atem anhalten: So präsentierte Heinz Röltgen mit seinem Segelflieger erst einen formschönen Salto, um dann trudelnd wie ein Papierflieger senkrecht „abzustürzen“ und im letzten Augenblick wieder an Höhe zu gewinnen.

Da ging es bei den Rundflügen doch gemächlicher zu – ein bisschen „luftfest“ sollte man zumindest am Sonntag allerdings sein. Der böige Wind rüttelte bei Start und Landung ordentlich an den kleinen Segel- und Motorfliegern. Auch am Boden gab es viel zu erleben für große und kleine Flugzeugfans. Viele fliegende Denkmäler waren nach Eudenbach gekommen – der legendäre Fieseler Storch oder eine Messerschmitt ME 108 Taifun, ein ziviles Reiseflugzeug für vier Personen, das Anfang der 40er Jahre gebaut wurde.

Im offenen Cockpit angereist

Friedrich Diehl war mit seiner Klemm 35, Baujahr 1942, aus dem Siegerland ins Siebengebirge gedüst – „oben ohne“, denn der Zweisitzer hat ein offenes Cockpit. Insgesamt fünf alte Flugzeuge besitzt seine Oldtimerfluggemeinschaft – ein aufwendiges Hobby. „Auf eine Stunde fliegen kommen zehn Stunden Arbeit. Da muss man schon ein bisschen verrückt sein“, berichtete Diehl.

Viel Leidenschaft stecken auch die insgesamt 60 Mitglieder der beiden Luftsportvereine, die ihre Heimat am Eudenbacher Flugplatz haben, in ihr Hobby. Über die vielen Besucher am Wochenende beim Flugplatzfest freuten sie sich – ebenso über die gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu den Anwohnern in den umliegenden Orten. Beschwerden wegen des Flugverkehrs gebe es nur selten, dafür eine erfreulich positive Grundstimmung, so Linkowski. „Die Leute sagen mittlerweile: Das ist unser Flugplatz.“