Gesperrte Weinberge in Rhöndorf

Fleißige "Heinzelmännchen" bringen die Ernte ein

SIEBENGEBIRGE. Morgens um sieben war im Weinberg die Welt noch in Ordnung. Weil die Mitarbeiter der Winzer nach dem Arbeitsverbot der Bezirksregierung die Rhöndorfer Weinberge nicht betreten durften, sprangen meist sonntags in aller Herrgottsfrüh Königswinterer und Bad Honnefer in die Bresche.

Schnell machte die Geschichte von den Heinzelmännchen aus dem Siebengebirge die Runde. Die Heinzelmännchen aus Köln verrichteten der Sage nach nachts, wenn die Bürger schliefen, deren Arbeit. Als sie dabei jedoch beobachtet wurden, verschwanden sie für immer.

Ohne Zipfelmütze, aber mit genauso viel Fleiß gingen die Helfer im Weinberg an die Arbeit. Von Bürgermeister Peter Wirtz über Kommunalpolitiker, die Oberdollendorfer Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge (BNS) bis zu ganz normalen Bürgern halfen bis zu 120 Weinliebhaber in den Weinbergen der Familie Pieper. Ein ähnliches Bild bot sich im Weinberg von Karl-Heinz Broel. Ausdrücklich ohne Unterstützung oder Weisung der beiden Winzer.

"Ich hatte mehrere Motive. Das Kasperletheater mit dem Betretungsverbot war mit dem gesunden Menschenverstand nicht nachzuvollziehen", sagt Axel Bordihn, der die Hilfe in den Weinbergen der Familie Pieper organisiert hat. Mit den Winzern ist er seit langem befreundet. Vor allem fühlt er sich jedoch durch und durch als Königswinterer und will nicht mit ansehen, wie der Weinbau zu Grunde geht.

"Ich bin der Meinung, dass Eigentum verpflichtet und sich der VVS daran halten sollte. Aber es musste schnell gehandelt werden", meint er. Die Mitglieder des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge entscheiden am 5. November über eine finanzielle Beteiligung ihres Vereins an den Sicherungsmaßnahmen am Siegfriedfelsen.

Bereits Ende August hatte Bordihn die rund 120 Helfer zunächst über Mund-zu-Mund-Propaganda, dann über Mails und SMS informiert. An den Arbeitstagen waren bis zu 50 Helfer gleichzeitig im Einsatz. "Manche sind da ganz unbedarft rangegangen", sagt Bordihn. Es gab eine kurze Anleitung und schon ging es ab in die Reben. Anfangs stand der Rebschnitt auf dem Programm, später die Lese. "Wir haben uns dabei immer an die Rebsorten gehalten."

Die Trauben wurden in großen Bottichen gesammelt und anschließend bei Pieper vor die Tür gestellt - wie bei den echten Heinzelmännchen. Ihren Arbeitsplatz erreichten die Helfer über die Reihen zwischen den Reben und nicht über die von der Stadt Bad Honnef gesperrten Weinbergswege, worauf sie großen Wert legen.

Mitgewirkt hat auch Ignaz Schmitz von der Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge mit einigen Mitgliedern seines Vereins. Die Initiative kümmert sich ansonsten um die Streuobstwiesen in Oberdollendorf. Anfangs habe man an den Sonntagen um 7 Uhr in der Früh angefangen. Nach und nach habe man sich aber immer sicherer gefühlt und sei unvorsichtiger geworden. Es wurde immer länger und irgendwann auch samstags gearbeitet. Viel habe man dabei nicht falsch machen können. "Alles was über den Draht wächst, wurde weggeschnitten", sagt Schmitz.

Die langen Triebe hätten bereits ein dichtes Blätterdach gebildet, unter dem schädliche Feuchtigkeit entstanden sei. "Der Weinbau hat für die Region eine unheimlich große Bedeutung. Es wäre eine Katastrophe, wenn er weg wäre. Diese alte Kulturlandschaft muss erhalten bleiben", sagt Schmitz. Er und seine Familie seien mit dem Weinbau groß geworden, der Vater habe noch selbst in Oberdollendorf einen Weinbaubetrieb gehabt: "Das hat was mit Heimat zu tun."

Auch als Puffer zwischen dem Naturschutzgebiet und der Bebauung seien die Weinberge wichtig. "Das wären heute sonst alles Baugebiete." Nicht verhehlen will Schmitz aber auch, dass er und seine Mitstreiter nach getaner Arbeit meist glücklich aus dem Weinberg zurückkehrten. "Es war schon klasse und hat großen Spaß gemacht", sagt er. So dürfte es den Heinzelmännchen in Köln auch gegangen sein.

Jörg Erich Haselier, der Vorsitzende des Bürger- und Ortsvereins Rhöndorf, der die Hilfe im Broel-Weinberg koordinierte, teilte derweil mit, dass die Lese 2013 in den Rhöndorfer Weinbergen "auf wundersame Weise" vollzogen worden sei. Nachdem das Lesegut nun seinen wahren Bestimmungsort antrete, gehe das Hauptinteresse aller Leidtragenden und Weinaktivisten wieder in Richtung dauerhafter Lösung.

"Das noch fehlende Geld für den ungeliebten, aber faktisch unabwendbaren Zaun muss herbeigeschafft werden. Sonst wird es keine Lese 2014 mehr geben - nicht mit den Heinzelmännchen und auch nicht mit sonst irgendeiner rheinischen Lösung", so Haselier. Alle Hoffnungen ruhten nun auf der Mitgliederversammlung des VVS. "Wir können uns nur wünschen, dass Urban, der Patron der Winzer, uns auch an diesem Abend beisteht und es ein guter Tag für die Region wird."

Am Sonntag, 24. November, findet im Übrigen im Jesuiterhof der Familie Pieper ein großes Erntedankfest für alle Heinzelmännchen statt, das sich diese nach Ansicht der Winzer auch redlich verdient haben. Die sind sich jedenfalls nicht mehr so sicher, ob es sich bei den Heinzelmännchen einst in Köln wirklich nur um Sagenfiguren handelte.