Sozialwohnungen gefragt

Flüchtlingsunterkünfte in Königswinter stehen leer

Noch ist die Paul-Moor-Schule Flüchtlingsunterkunft. Doch da es immer weniger noch nicht anerkannte Flüchtlinge gibt und das Gebäude über keine Wohnungen verfügt, soll es künftig unter anderem für Zwecke der Volkshochschule genutzt werden.

Noch ist die Paul-Moor-Schule Flüchtlingsunterkunft. Doch da es immer weniger noch nicht anerkannte Flüchtlinge gibt und das Gebäude über keine Wohnungen verfügt, soll es künftig unter anderem für Zwecke der Volkshochschule genutzt werden.

Königswinter. Der Leerstand in den Flüchtlingsunterkünften wächst stetig, weil immer weniger noch nicht anerkannte Flüchtlinge in Königswinter leben. Zugleich aber ist die Nachfrage nach Sozialwohnungen, unter anderem durch bereits anerkannte Flüchtlinge, riesig.

Aus diesem Dilemma sucht die Stadt nun mit einem neuen Nutzungskonzept für die Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen einen Ausweg. In seiner letzten Sitzung des Jahres hatte die Verwaltung den Stadtrat im nichtöffentlichen Teil über ihre Pläne informiert.

Im November lebten nur noch 356 Flüchtlinge in städtischen Unterkünften. 112 dieser Asylbewerber waren bereits anerkannt. Insgesamt werden in der Stadt nach Bezug der Objekte am Herresbacher Bahnhof (Apart-Hotel) und dem Neubau der Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft (WWG) an der Herresbacher Straße, beide in Oberpleis, aber insgesamt 687 Plätze zur Verfügung stehen.

Nach Auskunft der Bezirksregierung ist auch im ersten Quartal 2018 mit keinen weiteren Zuweisungen zu rechnen. Eine Prognose geht davon aus, dass Ende 2018 wieder 520 Flüchtlinge, unter ihnen 312 anerkannte, in städtischen Unterkünften leben werden.

Das würde bedeuten, dass voraussichtlich rund 200 Plätze nicht belegt wären. Diese Zahl wäre noch viel größer, wenn die anerkannten Asylbewerber auf dem freien Wohnungsmarkt für sie bezahlbare Wohnungen finden würden. Doch die sind absolute Mangelware, obwohl die Stadt eigens eine Arbeitsgruppe „Wohnungsbeschaffung“ eingerichtet hat, die unter Beteiligung der Koordinatorin für die Flüchtlingshilfe und der Mithilfe vieler Ehrenamtlicher in diesem Bereich große Anstrengungen unternimmt.

Vergebliche Suche nach bezahlbarem Wohnraum

Die oft vergebliche Suche nach bezahlbarem Wohnraum betrifft dabei nicht nur die anerkannten Flüchtlinge, sondern auch viele andere Menschen mit kleinem Geldbeutel. Von 126 Haushalten, die im Jahr 2016 einen Wohnberechtigungsschein erhalten haben, haben nach Angaben der Stadt 41 bis heute noch keine Wohnung gefunden. Bis September 2017 wurden weitere 96 Wohnberechtigungsscheine ausgestellt. 66 Haushalte sind aber bisher leer ausgegangen. Für die Wohnungen der WWG gibt es zum Beispiel lange Wartelisten.

Die Verwaltung kommt daher in ihrer Vorlage zu dem Schluss, dass in Königswinter dringend neuer Wohnraum geschaffen werden muss. Kurzfristig soll dies nun dadurch erreicht werden, dass nicht mehr benötigte Flüchtlingsunterkünfte in Wohnungen umgewandelt werden. Nach dem jetzt vorliegenden Nutzungskonzept sollen die beiden genannten Gebäude an der Herresbacher Straße und am Herresbacher Bahnhof ebenso wie die Einrichtungen am Pfarrer-Franßen-Weg in Ittenbach und am Domblick in Thomasberg als Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge zur Verfügung gestellt werden. Mit den Eigentümern oder Vermietern sind entsprechende Gespräche geplant. Bei einer Einigung könnten 102 anerkannte Flüchtlinge eine eigene Wohnung beziehen, die sie selber oder das Jobcenter dann finanzieren würden.

Gleichzeitig beabsichtigt die Verwaltung, die ehemalige Paul-Moor-Schule in Oberpleis und ein weiteres Objekt an der Kirchstraße 20 in Ittenbach, die beide der Stadt gehören, ganz als Flüchtlingsunterkünfte aufzugeben. Weil beide Gebäude über keine Wohnungen verfügen, müssten sie für viel Geld umgebaut werden. Daher ist eine andere Nutzung vorgesehen: Die Paul-Moor-Schule könnte künftig für Zwecke der Musikschule, der Volkshochschule oder der weiterführenden Oberpleiser Schulen genutzt werden. Ein weiteres Gebäude der Stadt an der Hauptstraße in der Altstadt soll zur Obdachlosenunterkunft werden.

Wenn die Pläne einmal alle umgesetzt sind, würden als Flüchtlingsunterkünfte nur noch das Übergangsheim am Stieldorfer Sportplatz, Haus Katharina in der Altstadt und das Haus Anna Maria an der Hauptstraße in Ittenbach, in dem sich früher erst ein China-Restaurant und später eine Pizzeria befunden hatten, übrig bleiben.