Interview mit Stephanie Reuter

Feuerwerkerin sorgte bei Rhein in Flammen für den Lichterzauber

Bei der Arbeit: Feuerwerkerin Stephanie Reuter.

KÖNIGSWINTER. Weltmeisterlich. Die Feuerwerker der Firma Steffes-Ollig aus Müllenbach in der Eifel feuerten bei Rhein in Flammen fünf Feuerwerke ab, auch in Honnef und Königswinter. Mit Großfeuerwerkerin Stephanie Reuter (26) sprach Roswitha Oschmann.

Dieser Job ist ein Kracher?
Stephanie Reuter: Er macht sehr viel Spaß.

Der Umgang mit Schwarzpulver liegt ja in der Familie?
Reuter: Mein Bruder und ich sind die dritte Generation Feuerwerker. Aber unsere Firma besteht bereits seit 1868. Johann Josef Steffes-Ollig gründete einen Schwarzpulverhandel. 1950 führte mein Opa Helmut Reuter die Pyrotechnik ein.

Sehr erfolgreich sogar...
Reuter: Wir wurden dreimal Weltmeister in der Sparte Musikfeuerwerk und zweimal Weltmeister bei normalen Feuerwerken. 2011 beides zusammen. In Italien und Kanada war ich dabei.

Herzklopfen?
Reuter: Immer, besonders vor Musikfeuerwerken. Bei einem normalen Feuerwerk kann ich bei einer Fehlzündung noch reagieren. Aber wenn die Musik läuft und am Himmel ist nichts ... Oh, weh. Musikfeuerwerke sind sehr aufwendig. Unsere Familie sucht die Musik gemeinsam aus. Bei Meisterschaften muss auch ein Anteil landestypische Musik dabei sein - das reicht von Brings bis Beethoven. Dazu müssen die Effekte passen. Mein Vater macht die Pläne.

Wie bereiten Sie ein Feuerwerk vor?
Reuter: Wir stellen Abschussmörser auf. Mehrere zusammen bilden ein Gestell, mehrere Gestelle sind eine Batterie. In die Mörser, das sind Hülsen mit unterschiedlich großem Durchmesser zwischen 60 und 100 Millimetern, kommen die Bomben. Es gibt Kugel- und Zylinderbomben, die unterschiedliche Effekte erzielen. Unter jeder Bombe ist eine Treibladung aus Schwarzpulver angebracht. Die Bomben sind durch eine Schwarzpulverschnur verbunden. Über Funk wird sie gezündet. Das Schwarzpulver explodiert, die Bombe wird aus dem Rohr geschleudert. Damit nicht alles auf einmal hochgeht und die Bomben auch erst am Himmel explodieren, sind Verzögerungszünder in der Schnur und in der Bombe eingebaut. Je größer das Kaliber ist, umso höher ist die Explosion.

Bauen Sie die Bomben selbst?
Reuter: Nein, die werden importiert. Es dauert mehrere Stunden, um eine Bombe zu bauen. Das sind zwei Papphalbschalen, die mit Schwarzpulver und Chemikalien, die für Farbe sorgen, gefüllt sind. Die Hälften werden zusammengefügt und mit Papier überklebt.

Was war das größte Erlebnis?
Reuter: 2012 war ich mit fünf Leuten in Kuweit, wo 80 Feuerwerker drei Wochen lang das größte Feuerwerk der Welt mit 250 Abschusspositionen auf einer Breite von fünf Kilometern bauten. Das war Guinness-Rekord.

Ist für Sie schon mal ein Feuerwerk gezündet worden?
Reuter: Zu meinem 18. Geburtstag. Als ich geboren wurde, hat mein Vater auch ein Feuerwerk gemacht. Aber da war er für einen Auftrag unterwegs.

Als Bombenleger...
Reuter: Oh, den Ausdruck hasst er wie die Pest.