Leistungsnachweis in Niederdollendorf

Feuerwehren im Rhein-Sieg-Kreis zeigen ihr Können

Siebengebirge. 120 Feuerwehrleute aus neun Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises maßen beim Leistungsnachweis in Niederdollendorf ihr Können. Die Zahl der teilnehmenden Löschgruppen an diesem Training nimmt allerdings kontinuierlich ab.

„Und los!“ Kaum ist der Startbefehl gefallen, eilen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bad Honnef auf ihre zugelosten Positionen. Für einen erfolgreichen Löschangriff bleiben ihnen nun exakt 300 Sekunden Zeit, und die Stoppuhr der Schiedsrichter kennt kein Erbarmen. Schließlich muss auf die Retter auch bei einem echten Notfall Verlass sein, jede Sekunde zählt, der Spielraum für Fehler ist knapp bemessen. Am anderen Ende des Übungs-Parkplatzes wollen drei Zielfeuer gelöscht, respektive drei bemalte Holzklappen mit dem Wasserstrahl umgestoßen werden. Zuvor jedoch müssen erst einmal die 90 Meter von der Wasserentnahmestelle – in diesem Fall ein Probe-Hydrant, möglich wäre auch eine Saugleitung aus einem simulierten Teich – bis zum Strahlrohr schnellstmöglich überbrückt werden.

Können in Theorie und Praxis sind gefragt

Eine denkbar knappe Angelegenheit, aber am Ende sind die „Feuer“ in genau fünf Minuten gelöscht – die erste Übung ist bestanden. Jetzt steht der jungen Honnefer Truppe noch ein Staffellauf-Sprint in sechs Kilo schwerer Schutzkleidung, eine aus fünf zufällig ausgewählten Fragen umfassende Theorie-Prüfung, eine Knoten-Demonstration und eine Erste-Hilfe-Übung bevor, bis Urkunde und Abzeichen als Lohn für die erfolgreiche Teilnahme am jährlichen Leistungsnachweis der Feuerwehren winken. In 17 Gruppen aus insgesamt neun Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises traten diesmal rund 120 Kameraden zum freiwilligen Wettkampf an – teils bereits zum 23. Mal in Folge.

Sechs Monate Training

Übrigens: Die Frauen im Bunde werden stets genauso streng bewertet wie die Männer. Wer zusammengerechnet über 1500 Sekunden für alle Aufgaben braucht oder mehr als 15 Fehler begeht, muss auf Urkunde und Abzeichen verzichten. Denn im Ernstfall sind erst recht keine Fehler erlaubt. Sechs Monate lang bereiten sich die Gruppen daher im Vorfeld auf den Leistungsnachweis vor. „Und wenn man so lange zusammen übt, dann fördert man das strukturierte Arbeiten im Einsatzfall“, erklärt Martin Schwabe, Einheitsführer der Niederdollendorfer Feuerwehr, die als Ausrichter der Veranstaltung nicht teilnehmen darf.

Ob Löschangriffe, Personenrettung oder medizinische Versorgung: „Man wird zur eingeschworenen Truppe, in der sich jeder blind auf den anderen verlassen kann.“ Die Teilnahme am Leistungsnachweis sei immer ratsam: Nicht nur die Zusammenarbeit innerhalb einer Mannschaft, sondern auch die Kooperation mit den anderen Feuerwehrgruppen werde gefördert. Während Feuerwehren früher ihr eigenes Ding gemacht hätten, sei heute eine Kultur des „gegenseitigen Unterstützens und Helfens“ erwachsen, interkommunale Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg. „Letztlich“, so Schwabe, „ist das eine Win-win-Situation für alle“.

Zahl der teilnehmenden Gruppen halbiert

Das komme vor allem den Bürgern zugute: „Dem Betroffenen ist im Notfall egal, welche Ortskennung auf dem Helm steht“, so Schwabe. Einzig der Rückgang der Teilnehmerzahlen sei besorgniserregend. Denn zu stressig könne es sein, Training und Wettkampf mit Beruf und Familie zu vereinbaren. Die Konsequenz: Während früher mehr als 40 Löschgruppen teilnahmen, sind es in diesem Jahr nicht einmal die Hälfte.