Atelier "Meerkatze" in Königswinter

Farbtöne von beeindruckender Strahlkraft

Farbfeldmalereien von Conrad Meier sind im Atelier "Meerkatze" zu sehen.

KÖNIGSWINTER. Wo immer Conrad Meier auch ist - seit 30 Jahren gestaltet er täglich eine Karte im Postkartenformat. Das ist seine Art, Tagebuch zu führen. Derzeit geschieht das in Königswinter, denn an diesem Wochenende eröffnet das Atelier "Meerkatze" mit Arbeiten des Künstlers aus Zürich die Ausstellungssaison 2015.

Freihändig, präzise und mit konstantem Pinseldruck

Die Wirkung seiner Werke in diesem alten Fachwerkbau ist frappierend. Für einige Tage wird die "Meerkatze" geradezu zum Haus für konkrete Kunst. Galerist Axel Wendelberger freut sich, mit Conrad Meier einen angesehenen Vertreter dieser Stilrichtung präsentieren zu können.

Im Unterschied zu den Ur-Konkreten erfüllt Meier nicht einfach ein vorgedachtes Bildkonzept, sondern akzeptiert auch menschliche Ungenauigkeiten und lässt sich gern vom Ergebnis überraschen. Neben seinen konstruktiven Linienbildern in schwarzer Tusche definiert der Schweizer in einer anderen Werkgruppe seine völlig eigene Position im Bereich der Farbfeldmalerei. Hier arbeitet er nur mit Tusche in Scharlachrot, Phthaloblau und Goldgelb, die er, stark verdünnt, mit breitem Pinsel Strich für Strich auf hochwertiges, saugfähiges Hadernpapier aus reiner Baumwolle aufträgt: freihändig, präzise und mit konstantem Pinseldruck.

Nach dem Trocknen wiederholt sich dieser Prozess. Bis zu 30 Schichten legt Meier übereinander, so dass individuelle Farbtöne von beeindruckender Strahlkraft heranwachsen. "Das Beenden eines Striches ist für mich viel schwieriger als der Beginn", sagt der 55-Jährige. Er lässt an den Bildrändern zuweilen schmale Streifen. So kann der aufmerksame Betrachter die verschiedenen Farbschichten erkennen wie Jahresringe eines Baumes. In den monochromen Arbeiten begeistert das reiche Spiel feinster Farbabstufungen. An der hohen Wand im Eingangsbereich der "Meerkatze" ist solch eine Installation - die Blätter wurden freischwebend montiert - zu sehen. Gegenüber ist Conrad Meier und Axel Wendelberger bei der Gestaltung der Ausstellung, die mit insgesamt 42 Arbeiten einen repräsentativen Querschnitt aus der Schaffensperiode von 2001 bis 2015 zeigt, ein Geniestreich gelungen.

Hier ist eine weitere Bildgattung platziert, die nach dem gleichen Prinzip, aber in Schwarz-Weiß, entstand - wie geschaffen für exakt diesen Platz neben dem freigelegten Eichengebälk des Hauses, setzen die breiten Linien doch gewissermaßen die Holzbalken fort. Auf ein weißes und ein schwarzes Quadrat sollte der Betrachter mehr als einen Blick riskieren. Hier zeigt sich: Selbst die reinen Farben Schwarz und Weiß komponiert der seit 1984 freischaffende Künstler. Die schwarz-weißen Linienbilder entstehen ebenfalls ohne Hilfsmittel, so dass die strenge Geometrie der Linien verwischt. Durch kleine "Tricks" wie die Veränderung des Pinseldrucks oder Wellenbewegungen schwingen die Lineaturen regelrecht. Quasi eine "Installation Meerkatze" ergab sich durch den Eckplatz eines solchen Werkes, deren vier Blätter normalerweise im Block hängen. Die Linien wirken wie verwoben mit den weiß gekälkten Wänden - eigentlich "unabhängbar".

Die Ausstellung im Atelier "Meerkatze" an der Meerkatzstraße 2 wird am Samstag, 21. März, um 11 Uhr im Beisein des Künstlers eröffnet. Sie ist zu sehen bis Montag, 23. März, jeweils von 12 bis 18 Uhr, anschließend nach Vereinbarung. Weitere Informationen unter www.wendelberger.com