Verein in Königswinter

Fallschirmspringen für den guten Zweck

Königswinter. Seit rund zwei Jahren sammelt der gemeinnützige Verein Freifallhelden und Spenden für schwerkranke Kinder und ihre Familien. Gründer Björn Stürz erzählt von seiner Motivation und bewegenden Herzenswünschen.

Vor vier Jahren wagte Björn Stürz seinen ersten Fallschirmsprung. Die 4000 Meter Höhe boten einen beeindruckenden Blick über den Westerwald. Gemeinsam mit einem Tandemmaster ging es in den Freifall. Bei einer Höhe von rund 1500 Metern öffnete sich der Fallschirm. Nach rund fünf Flugminuten stand Björn Stürz wieder mit beiden Füßen auf dem Fluggelände und für ihn war klar – das war nicht sein letzter Tandemsprung.

Seit diesem Tag im Jahr 2015 hat das Fallschirmspringen sein Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Lediglich zwei Wochen nach seinem ersten Versuch begann Stürz, der zwei Tage die Woche für die Stadt Königswinter arbeitet, mit der Ausbildung zum Fallschirmspringer und ist mittlerweile in den Sommermonaten selbst als Tandemmaster tätig – begleitet also andere auf ihren Flügen. Er machte jedoch nicht nur sein Hobby teilweise zum Beruf, sondern gründete auch einen gemeinnützigen Verein, der schwer kranke Kinder und ihre Familien unterstützt.

Den Wunsch, sich zu engagieren, hatte er jedoch schon vorher: „Ich habe mich in einem Kinderhospiz in Koblenz mit einem kleinen Jungen unterhalten, der nicht mehr lange zu leben hatte. Das hat mich sehr berührt. Besonders seine Aussage, dass er nun sterben muss, ohne auch nur einmal das Meer gesehen zu haben, hat mich nicht mehr losgelassen“, erzählt der 30-Jährige.

Mit Aufmerksamkeit etwas Gutes tun

Nachdem Björn Stürz schließlich seine ersten Fotos von Fallschirmsprüngen in sozialen Medien geteilt hatte, kam ihm der Gedanke wieder: „Ich habe gesehen, wie viel Aufmerksamkeit ich mit den Sprüngen bekomme und habe mich gefragt, wie man damit etwas Gutes tun kann.“ Damit war die Idee für „Freifallhelden“ geboren. Auch wenn Stürz anfangs gar nicht an einen Verein, sondern an ein zeitlich begrenztes Projekt gedacht hatte. Er verhandelte mit Firmen einen Preis, den sie pro Sprung spenden. Das Geld wurde dafür genutzt, einem Kind seinen letzten Herzenswunsch zu erfüllen. Mittlerweile spenden die Firmen feste Summen, und Stürz hat seine rund hundert Hobbysprünge aus dem Jahr 2016 fast verneunfacht.

Einen ersten Herzenswunsch ermöglichte der Verein schließlich dem sechsjährigen Finley. Er wurde zu einem Kurzurlaub an die Nordsee eingeladen und bekam bei einer persönlichen Führung in einer Seehundaufzuchtstation außerhalb der regulären Öffnungszeiten die Möglichkeit, einen Seehund hautnah zu sehen. „Ich hatte anfangs die Vision, jährlich einige wenige Wünsche erfüllen zu können. Doch mit der Zeit kamen immer mehr Springer und Firmen von sich aus auf mich zu und boten ihre Hilfe an“, erzählt Stürz.

Ziel sei es, das Netzwerk noch zu vergrößern, Kontakte zu knüpfen und weitere Wünsche zu erfüllen. Auch in anderen Regionen und Bundesländern werden die Wünsche von Kindern erfüllt. Und dabei geht es nicht nur um gemeinsames Fallschirmspringen. Viele Kinder wünschen sich wie Finley einen letzten Ausflug, der aufgrund der umfangreichen medizinischen Versorgung für die Familien oft finanziell nicht tragbar ist. Mal werden kleine Urlaube organisiert, mal Besuche im Phantasialand.

Mit den Spenden werden Herzenswünsche erfüllt

„Einem Jungen haben wir einen Besuch im Europapark ermöglicht, und vier Tage später ist er tatsächlich verstorben“, erzählt Stürz. „Das ist einerseits tragisch und andererseits war ich froh, dass wir ihm wenigstens seinen Wunsch noch erfüllen konnten.“ Für einen anderen jungen Patienten nahm Björn Stürz das Lieblingskuscheltier mit zum Tandemflug und zeichnete das Ganze filmisch auf.

„Solche bescheidenen Wünsche bleiben ganz besonders in Erinnerung.“ Neben finanzieller Unterstützung gibt es im Verein ebenfalls Ärzte und Sanitäter, die Ausflüge und Reisen kostenfrei begleiten. Entscheidend sei natürlich immer, dass der entsprechende behandelnde Arzt eine gesundheitliche Freigabe gibt.

Für die Zukunft wünscht sich Björn Stürz, dass weiterhin genug Spenden für die Herzenswünsche gesammelt werden können. „Nichts von diesem Geld fließt in meine Tasche oder die der anderen Springer – jeder Cent wird für die Kinder und ihre Familien genutzt“, betont Stürz. Bislang bildete er den Vereinsvorsitz allein. „Doch der bürokratische Aufwand ist enorm. Aus diesem Grund haben wir unseren Vorstand erweitert, der sich von nun an auf drei Schultern verteilt.“ Und er ist sich sicher: „Wenn jeder Einzelne ein bisschen was dazu beiträgt, können am Ende die Kinder und ihre Familien profitieren.“

Weitere Infos zum Verein gibt es online unter www.freifallhelden.de.