Leiter des Siebengebirgsmuseums

Elmar Scheurens Lieblingsausstellungsstücke

Königswinter. In mehr als drei Jahrzehnten als Leiter des Siebengebirgsmuseums hat Elmar Scheuren zahlreiche Ausstellungen mitgestaltet. Sechs Stücke sind ihm in den Jahren besonders ans Herz gewachsen. Die Auswahl allerdings fiel ihm nicht leicht.

Drei-Burschen-Baum: Das Motiv auf der Sitzfläche eines Stuhls wurde Anfang der 90er Jahre von einer Schülerin in einem Müllsack am Burghof entdeckt. Nach der Sage soll das Gedicht von Ludwig Uhland „Der Wirtin Töchterlein“, das mit den Worten „Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein“ anfängt, im Burghof bei Königswinter verortet und der einzigen Tochter des damaligen Pächters gewidmet sein, die 1825 im Alter von 25 Jahren starb.

„Das Gedicht stammt aber bereits aus dem Jahr 1809“, sagt Scheuren. Die Sage ist daher für ihn absolut typisch. „Ich versteige mich zu der These, dass für die Entstehung einer Sage die Verkehrsanbindung wichtiger ist als das, was wirklich passiert ist.“ Weitere berühmte Beispiele seien die Geschichte des Mönchs von Heisterbach und die Siegfriedsage.

Eintrittskarte zum Drachenfels: Auch dieses Stück erzähle ganz viel über die Geschichte des Siebengebirges. Bevor der preußische König 1836 den Drachenfelsgipfel kaufte, habe aufgrund des bevorstehenden Steinabbauverbots nackte Existenzangst geherrscht. „Die Königswinterer haben damals aus der Not eine Tugend gemacht und stattdessen die Touristen angelockt“, so Scheuren.

Säbel gegen Separatisten: Den Säbel soll ein Aegidienberger Bauer geschmiedet haben. Überliefert sollen seine Worte sein: „Ich schlag' sie alle kaputt.“ Im Herbst 1923 war im Rheinland die „Rheinische Republik“ ausgerufen worden. Der Putschversuch berührte im November 1923 auch das Siebengebirge. Es kam in Aegidienberg zu Kämpfen zwischen plündernden Separatisten und der Bürgerwehr, die mindestens 16 Tote forderten.

Entnazifizierungsurkunde: Ein Bürger steckte seine Amnestiebescheinigung in einen Holzrahmen mit dem Spruch und der Anspielung auf das berühmte Götz-Zitat „Das gibt's nur einmal ... Götz v. Berlichingen“. Scheuren: „Besser kann man nicht demonstrieren, dass die Entnazifizierung von der Bevölkerung damals nicht angenommen wurde.“

Skizzenbuch: Das Skizzenbuch des Bonner Studenten Eduard von Normann zeigt seine Reisen in den Semesterferien 1835 und 1836. Die Ideenwelt der Rheinromantik bestimmte dabei die Reiseroute, die ihn nicht nur nach Heisterbach und zum Drachenfels, sondern bis nach Venedig – die Skizze zeigt die Rialtobrücke – führte.

Kaffeebohnen: Das Glas stammt aus dem Nachlass der Heisterbacherrotterin Juliane Jonas. Sie hatte die Bohnen im Zweiten Weltkrieg nach einem Bombenangriff auf Königswinter aufgesammelt, bei dem auch ein mit Kaffee beladener Güterzug getroffen wurde. Festgehalten wurde dies auf einem Foto, auf dem sie zur Kamera blickt. 1995, nach der ersten Ausstellung zum Kriegsende, erhielt das Museum von Menschen aus dem Siebengebirge solche Stücke.