Schwirzpohl

Eine Frau, ein Dorf

Marlies Schumacher vor ihrem privaten Ortsschild.

SCHWIRZPOHL. Marlies Schumacher ist schwer aus der Ruhe zu bringen. Es sei denn, irgendwer wagt es zu behaupten, sie sei eine Gratzfelderin. "Dann verbessere ich sofort und sage: 'Nein, ich bin Schwirzpohlerin!'" Eigentlich müsste es sogar heißen: Sie ist Schwirzpohl. Marlies Schumacher ist nämlich die einzige Bürgerin des Dorfes am Rande des Staatsforstes Siegburg. Und mächtig stolz auf dieses Alleinstellungsmerkmal: "Das ist meine Heimat. Hier würde ich nie wegziehen."

Als die Postleitzahlen noch vierstellig waren, gab es Schwirzpohl sogar als eigenständigen Ort. Damals lebten hier vier Personen, alles Familienmitglieder von der "Schwirzpohler Marlies", wie sie im Nachbardorf Gratzfeld genannt wird. Mittlerweile ist das Ein-Seelen-Dörfchen nach Königswinter eingemeindet worden. Schumacher betreibt hier eine Pension. Auf dem Türschild steht: Ruhe und Erholung im Grünen. Widersprechen kann man diesem Versprechen nicht.

Wer den Stadtteil Schwirzpohl sucht, muss nach ihm suchen. Ausgeschildert ist er nicht. Er ist schließlich auch nur 1,6 Hektar groß, alles Wiese und Wald - und eben jene 3300 Quadratmeter Wohnfläche der einzigen Schwirzpohlerin. Hier ist zudem der Geländewagen-Club Köln beheimatet. Ihr Sohn organisiert Touren durch den Wald.

Zum nächsten Supermarkt sind es von hier aus fast sechs Kilometer, für eine Überweisung nimmt Marlies Schumacher zehn Kilometer Weg in Kauf. Belohnt wird sie dafür mit Ruhe. "Hier werde ich morgens von Vögeln geweckt. Diese Schönheit ist etwas ganz Besonderes", sagt die 73-Jährige, die in Königswinter einen Bruder im Geiste hat: In Margarethenhöhe wohnt ebenfalls nur eine Person.