Bester Bestatter der Handwerksregion Köln

Ein würdiger Abschied ist wichtig

Oberdollendorf. Domenic Zurstrassen wurde zum besten Bestatter-Auszubildenden der Handwerksregion Köln ausgezeichnet. Im Rahmen eines trialen Studiums absolviert der 23-jährige Oberdollendorfer neben der Ausbildung seinen Bachelor im Bereich BWL und seinen Meister. Und das alles in viereinhalb Jahren.

Für Domenic Zurstrassen gehört der Tod zum alltäglichen Leben. Der 23-Jährige ist Bestatter - und gehört zu den Besten in Nordrhein-Westfalen. Seine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft hatte er im vergangenen Herbst als bester im Gebiet der Handwerkskammer Köln abgeschlossen, im NRW-weiten Vergleich bedeutete das Platz drei.

„Ich war schon begeistert“, räumt er über den ersten Platz ein, über den dritten Platz im NRW-Ranking habe zwar zunächst Bedauern, später dann jedoch doch Freude geherrscht, erzählt der ehrgeizige Auszubildende. „Es ist eine irre Leistung, auf die wir sehr stolz sind“, freut sich auch Bestattermeister Christoph Klant. In dessen Betrieb Kentrup Bestattungen hatte Zurstrassen seine Ausbildung begonnen, die für ihren erfolgreichen Auszubildenden nun auch eine Urkunde der HWK Köln erhalten hat.

Diese „Berufung“, als welche der 23-Jährige seinen Beruf mittlerweile bezeichnet, hat jedoch einen traurigen Ursprung. Es war der Fall der 2007 ermordeten Hannah aus Oberdollendorf, der ihn überhaupt erst auf den Beruf des Bestatters brachte. Mit seiner Familie nahm er damals an der Beerdigung teil. Dort habe er dann gesehen, „wie wichtig ein anständiger Abschied ist“, blickt er zurück.

So folgte ein Betriebspraktikum mit 16 Jahren bei Kentrup und nach dem Abitur dann die Ausbildung im selben Betrieb. „Da ich auch studieren wollte, habe ich mich für das triale Studium entschieden“. Heißt: Neben der Ausbildung macht er seinen Bachelor im Bereich BWL und dann auch seinen Meister. Und das alles in viereinhalb Jahren.

„Das ist schon viel“, stellt er fest, doch Spaß mache ihm die Arbeit allemal, denn: „Jeder Tag ist anders.“ Auch wenn sich der Ablauf von den ersten Formalitäten - es ist zum Teil „ein echter Papierkrieg“ - über das Einbetten, den Planungen bis zur Aufbereitung des Sarges und dann zur Trauerfeier durchaus wiederholen, „lernt man andere Auffassungen zum Tod kennen. Jeder geht anders damit um“.

Er selbst sieht das alles mittlerweile ein bisschen rationaler. Die anfänglichen Berührungsängste habe er gut überwunden, ebenso das „komische Gefühl“, als er zum ersten Mal in Kontakt mit einem Toten kam. Doch der Gedanke, dass die Person schön hergerichtet werde, um dann Abschied zu nehmen, überwiege schließlich mehr als der, dass vor einem ein Toter liege, erklärt er. „Man versucht, einen gewissen Abstand zu bewahren.“ Dies gelinge mal besser, mal schlechter. Bestimmte Fälle „gehen einem schon nahe“, erinnert sich der 23-Jährige beispielsweise an einen Kindstod oder auch an einen Familienvater, der mit 45 Jahren an Krebs gestorben ist.

Dann würden sofort Gedanken an die eigene Familie oder auch Bekannte aufkommen. An den Tod, der leider immer auch so unerwartet eintreffen kann. „Es lässt einen nicht los“, gibt er zu. Doch eine Bedrohung sei der Tod für ihn nicht, eher betrachte er die Tatsache solcher Todesfälle als Aufforderung dazu, das Leben zu genießen.

„Hier ist nicht nur Tod, sondern auch Leben“, sagt auch Christoph Klant: “Weinen und Lachen liegen nah beieinander.“ Oft komme es bei den Bestattungsgesprächen auch zu fröhlichen Momenten, wenn sich die Angehörigen an die schönen und lustigen Momente im Leben der Verstorbenen erinnern.

Und so kann der angehende Meister und Fan des Hamburger SV auch mit einem Augenzwinkern über sein vermeintlich „schlimmstes“ Erlebnis sprechen, als nämlich ein Anhänger des 1. FC Köln im Trikot seines Lieblingsvereins bestattet werden sollte. Selbstverständlich war das kein Problem. Alle Wünsche, denen rechtlich nichts entgegensteht, würden auch umgesetzt.

In einem anderen Fall haben die Angehörigen beispielsweise den Sarg selbst bemalt oder die Strasssteine des Sargs herausnehmen lassen, um diese dann an die Trauergäste zu verteilen, quasi „als Erinnerung“. Das Herausnehmen eines Goldzahns gehöre aber beispielsweise nicht dazu, erklärt er, das falle unter die Störung der Totenruhe.

Der Oberdollendorfer selbst blickt mit großen Zielen in die Zukunft. Sein Wunsch: „Irgendwann einmal einen Betrieb leiten“. Zuvor allerdings steht die Ausbildung zum Meister an. Diese will er vor allem mit einem ordentlichen Ergebnis zu Ende bringen. Ob er auch da versucht, wieder für seine guten Ergebnisse ausgezeichnet zu werden? „Ich werde alles tun, um auch da abzuräumen“, kündigt er mit einem Lachen an.